Grenchen

Frisches ist in der Krise gefragt: Für Staader Gemüsebauern gilt Verkauf ab Hof statt am Ostermarkt

Die Staader Gemüsebauern müssen auf den Ostermarkt verzichten. Stattdessen gibt’s morgen Gründonnerstag Gemüse und Ostereier in den Hofläden.

Morgen Donnerstag wäre unter normalen Umständen auf dem Marktplatz viel los: Der wöchentliche Freitagsmarkt würde traditionell auf den Gründonnerstag vorverlegt, der Grenchner Gewerbeverband GVG würde mit seinen Mitgliedern anstossen und unter dem Stadtdach könnte Jung und Alt sich im Eiertütschen messen. Grenchner Politikerinnen und Politiker würden sich sehen lassen und wären bereit für einen Schwatz, die Bevölkerung würde sich fürs lange Osterwochenende mit frischem Gemüse, Fisch und Fleisch eindecken.

Seit vier Wochen herrschen aber ausserordentliche Umstände. Märkte sind verboten, nur noch einzelne Marktstände wären laut der bundesrätlichen Verordnung erlaubt. Dieses Konzept in Grenchen umzusetzen, hat bisher nicht geklappt. Das zwang die Staader Gemüsebauern dazu, ihren Verkauf neu zu organisieren. Statt auf dem Marktplatz verkaufen sie ihre Ware auch morgen direkt ab Hof. Und damit das Osterfeeling nicht ganz abhanden geht, werden auch die bunten Eier nicht fehlen.

Hofverkauf ist ein probates Mittel gegen die Krise

Sowohl Susanne Stauffer, die immer an den Markttagen mit Gemüse und Salat auf dem Marktplatz anzutreffen ist und für Ostern jedes Jahr mehr als 1500 wunderschön verzierte Ostereier verkauft, als auch Willi Gloor, der immer mit einem Stand am Markt präsent ist, haben seit vier Wochen komplett auf Hofverkauf umgestellt. Gloor besucht mit seinem Marktwagen normalerweise dienstags und freitags den Grenchner Markt und verkauft seine Ware am Samstag auch in Solothurn. Nun steht der Wagen im Tenn an der Staadstrasse. Die Kundschaft kann das Gemüse jetzt dort beziehen. Man muss aber etwas mehr Zeit einrechnen als gewöhnlich. Denn mehr als zwei Kunden gleichzeitig dürfen nicht rein in die Scheune. Das habe zeitweilen für lange Warteschlangen gesorgt, sagt Gloor. «Die zwei Meter Abstand muss man auch hier einhalten.»

Dasselbe gilt bei der Staader Bäuerin Susanne Stauffer, die ihren Hofladen jeweils Freitag- und Samstagmorgen öffnet. Auch dort wird mit Baloxen und Absperrbändern dafür gesorgt, dass sich die Kundschaft an die Vorgaben hält. Selbst Desinfektionsmittel steht zur Verfügung. Auf der Webseite von Stauffer www.frueschusstaad.ch können auch Vorbestellungen gemacht werden, die vorbereitet und von der Kundschaft abgeholt werden können. «Das klappt sehr gut und wird von meinen Stammkunden auch sehr geschätzt», sagt Stauffer.

Frisches Gemüse ist bei der Kundschaft gefragter denn je

Die Nachfrage nach frischem Gemüse und Salat nehme zu, stellt Gemüsebauer Gloor fest und bestätigt damit die Beobachtungen der Grossverteiler, wie in den letzten Tagen überall zu lesen war. Aber auch das Einkaufsverhalten habe sich ein wenig geändert: «Wir stellen fest, dass immer öfter eine Person für mehrere Parteien einkauft und dementsprechend die Menge der gekauften Ware pro Einkauf zugenommen hat.» Ob der Hofverkauf die Markttage wettmacht, kann Gloor nicht sagen, dazu fehlten ihm die Zahlen. «Den Samstagsmarkt kann man nicht einfach so ersetzen», sagt er. Auch Stauffer konnte feststellen, dass die Leute jetzt grössere Menge einkaufen, sei es für sich selber oder für mehrere Parteien.

Renner sind nach wie vor Kartoffeln, Kohl und Rüebli, also Lagergemüse. Dazu kommen jetzt immer mehr Salate, frische Rhabarber, Radieschen, Broccoli, Blumenkohl, Lauch, Tomaten, Zucchetti, Auberginen und so weiter. Gloor verkauft ausserdem Torfsubstrat für den Garten.

In diesen Tagen wurden viele Setzlinge geliefert, die Gloor vor seinem Hof verkaufen wollte. Zwiebeln, diverse Salate, Kräuter und anderes Gemüse. Da machte ihm die Obrigkeit einen Strich durch die Rechnung: Kurz nach der Visite dieser Zeitung erhielt Gloor Besuch von der Kantonspolizei, die ihm unmissverständlich zu verstehen gab, dass er Setzlinge nur auf Vorbestellung verkaufen dürfe, ein Direktverkauf sei nicht gestattet. Dies aus Gründen der Gleichbehandlung, da auch Gärtnereien nur auf Vorbestellungen hin die Ware bereitstellen dürfen. Gloor wird nun Bestellformulare bereithalten, die die Kundinnen und Kunden direkt vor Ort ausfüllen können. Diese Bestellungen werden dann später zusammengestellt und zur Abholung vorbereitet.

Nachfrage nach Susanne Stauffers Ostereier ungebrochen

Eigentlich sollte man meinen, die Coronakrise wirke sich auch auf die Ostereierproduktion von Susanne Stauffer aus. Tut sie auch, aber nicht in der Art, die man erwarten würde. Denn die Staaderin hat auch im «Coronajahr» nur unwesentlich weniger Eier gefärbt als in normalen Jahren. Zum Vergleich: Letztes Jahr entstanden in der Woche vor Ostern rund 1700 Eier in ihrer Ostereierfärberei, dieses Jahr sind es 1500 Stück. Einige wenige Firmen hätten heuer keine Eier bestellt, aber sonst sei die Nachfrage sehr gross. Aber weisse Eier seien momentan schwer zu finden, sagt sie. Während viele Familien «Stay at home» befolgten, sei die Nachfrage nach weissen Eiern enorm gestiegen. «Jetzt, wo jedermann Zeit hat, färben viele ihre Ostereier selber zu Hause. Und das geht besser mit weissen Eiern, folglich sind die Lieferanten ausgeschossen.»

Stauffer bezieht die weissen Freilandeier bei der Geflügelfarm Stotzer in Büren, die braunen Eier bezieht sie bei Mühlethaler in Port. «Weisse Eier eignen sich besser für die Art, wie ich Eier färbe.» Stauffer sammelt Kräuter und Gräser, legt diese dann auf die rohen Eier, die fest in einen Strumpf gebunden und in einem Sud aus Zwiebelschalen, Baumnuss- und Walnusskernen gekocht werden. Dieses Jahr hätten die Eier die Farbe aussergewöhnlich gut angenommen. Nur selten findet sich ein helleres Ei in einer Schachtel. «Es liegt wahrscheinlich an der Beschaffenheit der Schale, ob die Farbe gut angenommen wird.»


Öffnungszeiten: Gloor Gemüse, Staadstrasse 109, jeweils Do und Fre, 8–12 und 14–18.30 Uhr. Sa: 8-14 Uhr. Gemüsebau Stauffer, Staadstrasse 246, jeweils Fr und Sa, 8–11 Uhr. www.frueschusstaad.ch. Beide sind statt Karfreitag morgen Donnerstag offen.

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