«Freude herrscht», um mit Adolf Ogi zu sprechen, war die erste Reaktion von Flughafenchef Ernest Oggier auf den Beschluss des Regierungsrats, das Planungsverfahren für die Pistenverlängerung des Flughafens Grenchen fortzuführen.

Damit bekomme man das lang ersehnte grüne Licht, um mit den angefangenen Planungen fortzufahren. Zwar habe der Flughafen schon umfangreiche Grundlagenarbeit geleistet, «die ganze Detailplanung steht aber erst bevor», erklärt Oggier. Er meint dabei die zweistufige Planung im Rahmen des «Sachplans Infrastruktur Luftfahrt» des Bundes und des anschliessenden Baubewilligungsverfahrens.

«Fliegerisch gleichwertig»

Oggier betont, dass die nun beschlossene Variante einer Pistenverlängerung nach Osten fliegerisch gleichwertig sei mit der zuletzt geprüften Variante einer Verlängerung nach Osten. Die Start- und Landerichtung werde ohnehin von der Windrichtung vorgegeben. Oggier spricht zwar lieber von einer «Anpassung», da die Piste zwar baulich verlängert wird, faktisch aber der Zustand von vor 2008 wiederhergestellt wird, als weniger Sicherheitsreserven bei Starts und Landungen eingeplant werden mussten.

Laut Oggier beinhalte die aktuelle Ostveriante wesentliche Verbesserungen bezüglich eines ersten (Ost-)Projektes aus dem Jahr 2010. So werde auf den Vollausbau des Rollweges verzichtet und die Piste nur noch partiell umzäunt, was der Zirkulation der Wildtieren diene. Durchaus vorstellbar ist für Oggier, dass man auch eine der Graspisten im Süden opfere, damit den Flugplatzperimeter verkleinere und im Gegenzug ökologische Ausgleichsflächen gewinne.

Zahlen Segelflieger die Zeche?

Hauptbetroffene wären damit die Segelflieger, die gemäss Oggier die Pistenverlängerung «ohnehin nicht unterstützen». Mit rund 3000 Flugbewegungen pro Jahr seien diese für den Flughafen aber von geringer Bedeutung.

Bei der Pistenanpassung nach Osten wird mit Kosten von 6 Mio. Franken gerechnet. Hat der Flughafen dieses Geld überhaupt? Oggier ist zuversichtlich: «Entscheidend für jede unternehmerische Tätigkeit ist Planungssicherheit. Jetzt, wo wir wissen, dass es vorangeht, können wir auch ein Finanzierungskonzept an die Hand nehmen. In Frage kämen nebst einer Kapitalerhöhung des Flughafens auch Sponsoren oder die Industrie, welche den Flughafen zu nutzen gedenkt.

Und die Konkurrenz?

Auch Payerne und Dübendorf planen den Ausbau der Geschäftsfliegerei. Ist man angesichts des langwierigen Verfahrens da nicht nicht im Rückstand? Oggier glaubt nicht. Dübendorf sei in einem ähnlich frühen Planungsstadium wie Grenchen und habe die Kundschaft von Zürich Kloten im Visier. Payerne sei bezüglich bewilligter Flugbewegungen ein Mehrfaches kleiner als Grenchen. «Und schliesslich gilt auch: Konkurrenz belebt das Geschäft und macht am Ende alle Standorte für Kunden attraktiver.»