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Freud und Leid bei den Berner Parteien

In Bern haben die Parteien FDP, SP und EVP Mitglieder verloren – Freude herrscht allerdings bei der SVP: Sie legt zu, genauso wie die Grünen, die GLP und die BDP:

Samuel Thomi
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Beim jährlichen Blick in die Mitgliederstatistiken können sich auch diesmal nicht alle Parteien freuen – wie hier am Fest im Berner Rathaus zum Abschluss der letzten Legislatur im März 2010. Bruno Utz Beim jährlichen Blick in die Mitgliederstatistiken können sich auch diesmal nicht alle Parteien freuen – wie hier am Fest im Berner Rathaus zum Abschluss der letzten Legislatur im März 2010. Bruno Utz

Beim jährlichen Blick in die Mitgliederstatistiken können sich auch diesmal nicht alle Parteien freuen – wie hier am Fest im Berner Rathaus zum Abschluss der letzten Legislatur im März 2010. Bruno Utz Beim jährlichen Blick in die Mitgliederstatistiken können sich auch diesmal nicht alle Parteien freuen – wie hier am Fest im Berner Rathaus zum Abschluss der letzten Legislatur im März 2010. Bruno Utz

Solothurner Zeitung

«Jetzt macht es wieder Freude», sagte Heinz Schwab letzte Woche am Ende der Delegiertenversammlung der SVP Kanton Bern. Der einstige Bauernpräsident sprach unter Traktandum «Varia» die neue Einstimmigkeit der bernischen Volkspartei bei Parolenfassungen an. «Und überhaupt», fuhr der Seeländer alt Nationalrat fort, «früher hatte man stets das Gefühl, der politische Feind sitze in derselben Partei.» Das Feld sei nun bereinigt; «wer noch dabei ist, weiss warum». Dafür erntete Schwab im «Weissen Kreuz» in Lyss grossen Applaus. Dann zogen die 268 Delegierten zufrieden von dannen.

Neu verliert auch EVP Mitglieder

Kurz zuvor illustrierte Parteipräsident Rudolf Joder die neue Geschlossenheit der SVP auch am Beispiel der Mitgliederzahlen: «Erstmals seit Jahren haben wir wieder zugelegt.» Und zwar um netto 29 Personen: «An Silvester beschäftigte das ‹Unternehmen SVP Bern› 16704 Mitarbeitende», so der Nationalrat aus Belp. Nach dem Bruch mit den heutigen Mitgliedern der BDP hat die SVP den Turnaround also geschafft. Aber auch die Bürgerlich-Demokratische Partei gewinnt im Kanton Bern weiterhin Mitglieder hinzu. Wie BDP-Geschäftsführer Renato Krähenbühl sagt, zählte die jüngste Partei im Kanton Ende letztes Jahr exakt 2629 Mitglieder. Das sind gut 150 Personen mehr als ein Jahr zuvor. Die erneute leichte Zunahme der bernischen BDP widerspiegelt sich auch in den Wahlkreisen Oberaargau und Emmental (Details in der Tabelle unten): «Mittelfristig ist mein persönliches Ziel allerdings 3000 Mitglieder», so Krähenbühl.

Im dritten Jahr ihres Bestehens erneut zulegen konnten auch die Grünliberalen (GLP); nach plus 19 Prozent 2009 waren es letztes Jahr sogar 38,7 Prozent. Wie das Beispiel Oberaargau zeitigt, ergeben bei kleinen Sektionen Mutationen oder Bereinigungen aber auch schnell hohe Verluste. Laut Kantonalsekretär Aurel Köpfli soll «in den nächsten Wochen» auch der letzte weisse Flecken im Kanton Bern grünliberal werden: Im Emmental stehe die Gründung einer Regionalpartei an.

Berner FDP leidet unter Demografie

Nach langen Jahren des kontinuierlichen Wachstums erstmals wieder Anhänger verloren hat dagegen die EVP –0,8 Prozent). Auffallend ist hier insbesondere der Mitgliedereinbruch im Wahlkreis Emmental. Ebenfalls auf der Verliererstrasse befinden sich weiterhin die Sozialdemokraten (–1,1) und die Freisinnigen (–1,5). Laut Kantonalsekretär Stefan Nobs sind es weniger die Austritte aus politischen Gründen als vielmehr die Überalterung, welche zum Mitgliederrückgang bei der FDP führen.

In diesem Zusammenhang spannend sind die kürzlich in «Der Sonntag» publizierten Zehnjahresvergleiche der grössten Mutterparteien. Da verlor seit 1999 einzig die SP 8000 Mitglieder (aktuell 32000); während alle anderen Parteien je um mehrere Tausend Mitglieder zulegen konnten. Am meisten Mitglieder meldete die FDP (125000), gefolgt von der CVP (100000) und der SVP (90000).

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