Grenchen

«Freitags-Talk» im Museum: von der Schule zur Ausbildung

Von links: Alain Schelling, Reto Kohli und Angela Kummer.

Von links: Alain Schelling, Reto Kohli und Angela Kummer.

Das Kultur-Historische Museum lanciert mit dem «Freitags-Talk» einen regelmässigen stattfindenden Anlass.

Mit dem «Freitags-Talk» lanciert das Kultur-Historische Museum Grenchen einen neuen Anlass, um gemütlich ins Wochenende zu starten. Die erste Ausgabe drehte sich um das Thema «Von der Schule zur Ausbildung» und stand somit ganz im Zeichen der aktuellen Ausstellung über das ehemalige Rainschulhaus, welches nun das Kultur-Historische Museum beherbergt. Zentral waren dazumal die beiden Oberstufenlehrer-Ikonen Eduard «Pfyffe Edi» Allemann und Anton «Toni» Kocher, welche das Schulwesen in der Uhrenstadt ab Mitte der 50er-Jahre mitprägten.

Museumsleiterin Angela Kummer diskutierte zusammen mit Reto Kohli, Ausbildungsverantwortlicher ETA SA, sowie Alain Schelling, Sekundarlehrer in Bettlach, den Übergangsprozess von der Schule in die Lehre im Wandel der Zeit. Schelling ist Organisator der Berufsmesse Grenchen-Bettlach, die am kommenden Wochenende hätte stattfinden sollen, aber dem Corona-Virus zum Opfer fiel.

Der Sekundarlehrer erklärte der kleinen Schar an Gästen die Tücken des heutigen Oberstufenlehrerdaseins. Im Gegensatz zu früher seien die Jugendlichen in der Berufswahl inzwischen zwar deutlich freier. Allerdings lasse die Motivationsbereitschaft der Jungen teilweise arg zu wünschen übrig. Etwa wenn es darum gehe, eine Schnupperstelle zu organisieren. «Das geht so weit, dass wir daneben stehen und ihnen sagen müssen, dass sie jetzt endlich anrufen sollen», sagt der Sekundarlehrer. Hier sieht Schelling vor allem auch die Eltern in der Pflicht, die ihre Kinder wieder zu mehr Eigenständigkeit erziehen sollten.

«Anforderungen sind deutlich gestiegen»

Kohli hat in seiner Laufbahn ebenfalls viele Erfahrungen mit den Eltern gemacht und konnte die eine oder andere Anekdote aus seinem Berufsalltag zum Besten geben. So habe er beispielsweise auch schon Anrufe von besorgten Eltern erhalten, die fragten, weshalb ihr Kind jeden Abend nach der Arbeit so müde sei. «Acht Lektionen Schule sind halt nicht gleich acht Stunden arbeiten», lautet das Fazit des Ausbildungsverantwortlichen. Zudem seien die Jugendlichen im Zeitalter von TikTok, Snapchat und Co. zwar untereinander bestens vernetzt. Jedoch seien sie kaum mehr in der Lage, auf eine E-Mail zu ­reagieren oder ihre Combox ­abzuhören.

Kohli nahm die Jungen aber auch in den Schutz. So seien die Anforderungen deutlich gestiegen, und die grosse Mehrheit mache ihre Arbeit gut. Hervorgehoben wurden zudem die positiven Veränderungen. Etwa, dass heute objektiver an die Schüler herangegangen werde. «Das Kind eines Mitarbeiters wird genau gleich beurteilt wie alle anderen Bewerber auch», erklärt Kohli. Etwas, das gerade im Vergleich zu den Zeiten Allemanns noch ganz anders war. «Pfyffe Edi» verstand es wie kein Zweiter, aufgrund seines Netzwerks an Beziehungen seinen Schülern eine Anstellung zu verschaffen. Nach einer guten halben Stunde war der erste Talk bereits Geschichte, ende April folgt der nächste unter dem Motto «Der Coiffeurberuf».

Meistgesehen

Artboard 1