Vor einigen Tagen entbrannte in den sozialen Medien Grenchens eine kurze, aber heftige Diskussion. Grund: Im diesjährigen Ferienpass bietet die evangelische Freikirche «Gemeinde für Christus Grenchen», Teil der «Gemeinde für Christus Schweiz», den Kurs «Welt der Tiere» in ihren Räumlichkeiten für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren an. Im Kurs «erfahren wir Spannendes über Tiere, schauen uns Tierspuren an, erraten Tiergeräusche, hören von Tieren in der Bibel, machen Tierspiele ...», so die Kursbeschreibung.

Zwei weitere Kurse werden von der «Kinder- und Jugendallianz Grenchen», einer christlichen Organisation, angeboten. Diese hat eine nicht-offizielle Sektion in Grenchen, die aber in der Kartei der «Schweizerischen Jugendallianz» in Zürich geführte Kursleiter im Einsatz hat: «Wahre ‹Märchen›, gibt es das?», wo laut Kursübersicht Kinder zwischen 4 und 7 Jahren «spannende Geschichten und viel Bewegung» erfahren, sowie «Farbe ins Leben bringen», in der Übersicht beschrieben mit «kreative Bilder mit einer Farbschleuder und Monotypie, Gegenstände verzieren».

Der Grenchner, der die Diskussion in Gang gebracht hatte, störte sich insbesondere daran, dass die «Gemeinde für Christus» auf ihrer Homepage ihre Glaubensgrundsätze wie folgt beschreibt: «Wir glauben an die Bibel, das von Gott inspirierte Wort. Sie allein ist Grundlage und Massstab für Lehre, Glaube und Leben.» Die Evolutionstheorie und die moderne Wissenschaft würden also abgelehnt.

Die meisten Online-Diskussionsteilnehmer waren sich einig: Im Ferienpass hätten solche Kurse nichts verloren. Aber: Das Elternhaus müsse die Verantwortung dafür übernehmen, welche Kurse die Kinder besuchten. Andere waren der Meinung, dass christliche Werte im Elternhaus vermittelt werden sollten und nicht in Ferienpasskursen. Das sei inakzeptabel, es fiel sogar das Wort «Gehirnwäsche». Jeder Kirche solle überlassen sein, Kurse anzubieten, aber im Ferienpass habe so etwas keinen Platz.

Es gab auch Befürworter: Im gleichen Zug mit der Beschimpfung eines Andersdenkenden prophezeite ein Schreiber diesem, dass seine eigenen Kinder, die diese Kurse gebucht haben, bessere Noten heimbringen würden, mit Ausnahme in Biologie und Naturwissenschaften – Ironie war dabei allerdings nicht von vornherein auszuschliessen ...

Netzwerk organisiert 153 Kurse

Der Grenchner Ferienpass wird vom Netzwerk Grenchen im Auftrag von Stadt und Schulverwaltung organisiert. Über die drei Wochen Herbstferien werden 153 Kurse angeboten, vom Tiere untersuchen beim Tierarzt über Minigolf zum T-Shirt gestalten sowie vielen handwerklichen oder sportlichen Kursen. Beim Netzwerk ist Jovanka Mirkovic Ansprechpartnerin, die von der kleinen Kontroverse ebenfalls vernommen hat, wie sie auf Anfrage bestätigt. «Wir haben davon gehört. Unserer Meinung nach sind die Kurse absolut unbedenklich, kindergerecht und sympathisch.»

Aber um sicher zu gehen, habe man noch bei der Stadtverwaltung nachgefragt. «Eine gemeinsame Haltung mit der Stadtverwaltung Grenchen, in Bezug zu den aktuellen Ferienpass-Angeboten, ist uns wichtig. Wir haben von der Stadt Grenchen den Auftrag, den Ferienpass zu organisieren, und bieten dafür die Plattform. Die Eltern tragen die Verantwortung, welche Kurse ihre Kinder besuchen.»

Das Netzwerk sei neutral, politisch und auch, was das Thema Religion betreffe. Solange keine negativen Rückmeldungen kämen, wolle man diese Offenheit auch weiterhin beibehalten. «Die Schule bietet schliesslich auch Religionsunterricht an und vertritt dort die christliche Glaubenslehre.» Die Kurse der «Jugendallianz» beispielsweise seien schon letztes Jahr durchgeführt worden. Weder der Kurs «Farbe ins Leben bringen» noch «Wahre Märchen» hätten negative Rückmeldungen zur Folge gehabt. Würde aber beispielsweise eine klar definierte Sekte wie Scientology Kurse anbieten wollen, müsste man ganz klar einschreiten.

Kein Problem für die Stadt

Luzia Meister, Stadtschreiberin, betont das breit gefächerte Angebot, welches das Netzwerk im Auftrag der Stadt organisiere. Man habe in der Vergangenheit nie Schwierigkeiten mit gewählten Kursthemen gehabt, mit Ausnahme vielleicht eines Jungschützenkurses, der manchen etwas «zu kriegerisch» rübergekommen sei. «Aber weder die Schulverwaltung noch die Stadt wollen Zensur ausüben bei der Programmation der Kurse. Diese liegt in der Verantwortung des Netzwerks.»

Nur für den Fall, dass «Extreme» wie zum Beispiel die Scientologen auftauchen würden, müsste man intervenieren.

Zum Kurs, der von der «Gemeinde für Christus» angeboten werde, sagt Meister: «Mir ist lieber, die Anbieter sind klar deklariert, wie in diesem Fall. Die ‹Gemeinde für Christus› ist ja weder verboten, noch tut sie etwas Verbotenes. So ist die Transparenz gewährt und Eltern können selber entscheiden, ob sie ihre Kinder dorthin schicken wollen oder nicht.» Der ganze Ferienpass sei ein ausserschulisches Angebot zur Freizeitbeschäftigung auf freiwilliger Basis, eine grossartige Sache.

Selbst wenn jemand einen Kurs zum besseren Kennenlernen des Korans anbieten würde, wäre das für die Stadt nicht von vorneherein ausgeschlossen, nur müsse man halt genau hinschauen, wer den Kurs anbiete. Auch Gesamtschulleiter Hubert Bläsi ist der Ansicht, dass die fraglichen Kurse kein Problem darstellten, solange die Transparenz gewährleistet sei und man wisse, wer sie anbiete.

Diese Zeitung fragte die Initiantin des fraglichen Ferienpass-Kurses der «Gemeinde für Christus», Damaris Zimmermann, den sie gemeinsam im Team durchführen wird: «Die Idee dazu entstand spontan. Ich wollte mich für einen Kurs erkundigen, der meinem eigenen Kind im letzten Jahr grossen Spass machte, und erfuhr, dass er dieses Jahr nicht mehr durchgeführt wird. So entstand aus dem Gespräch heraus die Idee mit dem Kurs über Tiere.

Ich möchte so dem Ferienpass auch etwas zurückgeben, mit einem Kurs, der konfessionell neutral, offen und transparent sein soll.» Da gehe es um Haustiere, Lieblingstiere, um Spannendes aus der Tierwelt, wie weit beispielsweise ein Känguru hüpfen könne etc. Nebst diversen Spielen und Basteln werde das Thema «Tiere in der Bibel» mit dem «Klassiker» Arche Noah behandelt. «Das hat nichts mit Kreationismus zu tun. Wir basteln aus Karton ein Schiff, das wir dann mit Plüschtieren befüllen. Die Kinder sollen einfach einen spannenden Kurs erleben und sich wohlfühlen, mit Basteln, Spiel und Spass.» 

Also bloss ein Sturm im Wasserglas?