Bettlach

Frauengemeinschaft St. Klemenz: «Früher machten wir, was der Pfarrer sagte»

Katechetin Astrid Viatte, Gemeindeleiterin und Präsin Susi Günter.  msg

Katechetin Astrid Viatte, Gemeindeleiterin und Präsin Susi Günter. msg

Ein halbes Jahrhundert besteht die Frauengemeinschaft St. Klemenz. Mit ihrem Jubiläumsanlass am 2. Februar wird sie diesen Geburtstag mit allen Interessierten feiern. Die Gemeinschaft entstand im Umfeld der Gründung vieler anderer Frauenbewegungen.

In den Anfängen standen die Mitglieder vor allem im Dienst des Pfarrers und lieferten Hilfskräfte für kirchliche Angelegenheiten. Insbesondere bei der Realisierung der St. Klemenzkirche machten sich die Frauen stark. Sie buken, nähten und bastelten, um Geld für die Kirche aufzutreiben. «Und dies alles für Gotteslohn», bekundet die frühere Präsidentin Astrid Viatte mit Anerkennung.

Wandel hat stattgefunden

Seit der Gründung habe die Gemeinschaft jedoch einen enormen Wandel durchgemacht, stellt die Katechetin fest. «Früher machten wir, was der Pfarrer sagte, jetzt würden wir das nicht mehr tun», zitiert sie ein Gründungsmitglied. Noch heute unterstützt die Frauengemeinschaft die Pfarrei mit Arbeitseinsätzen, beispielsweise beim Organisieren von Apéros, Roratezmorgen oder Fastensuppen.

Dafür bekommt sie einen jährlichen Beitrag von der Kirchgemeinde. Eigentlicher Sinn und Zweck der Gemeinschaft sei jedoch die Unterstützung und Vernetzung von Frauen und die Stärkung ihres Selbstbewusstseins, erklärt Susi Günter, Gemeindeleiterin und als Präsin die geistliche Begleitung, die die Verbindung zwischen Pfarramt und Frauengemeinschaft herstellt.

Die Frauen gestalten Gottesdienste, Adventsfeiern und Andachten. Die angebotenen Vorträge gehen mit Themen wie Gesundheit oder Esoterik weit über kirchliche Belange hinaus. Besinnungstage drehen sich um die Kraft des Lachens, Wellness oder Rituale.

Keine Anlässe für Kinder

Kranken- und Altersbesuche von Mitgliedern und Besuche bei Geburten aller Angehörigen der Römisch-katholischen Pfarrei Bettlach stehen auf der Agenda der Vorstandsmitglieder. Die Mitglieder der Gemeinschaft treffen sich regelmässig beim Jass-Treff, beim Mittwochs-Kaffee, beim Lottomach oder Frauenzmorgen.

Susi Günter weiss, dass das aktuelle Programm keine jungen Frauen anspricht. «Das Programm ist auf unsere Mitglieder ausgerichtet», erklärt sie. Diese sind zwischen knapp 40 bis fast 100 Jahre alt. Die Präsin wünschte sich, dass vermehrt Junge der Gemeinschaft beitreten würden, die das Programm an ihre Bedürfnisse anpassen würden.

Astrid Viatte, die über 20 Jahre Vorstandsarbeit geleistet hat, erinnert sich, dass früher viele Anlässe mit Kindern auf dem Programm standen, die heute gänzlich fehlen. Eine Konkurrenz sieht sie auch im Familienverein, der ein grosses Angebot für junge Familien bietet.

Die Präsin will in Zukunft die jungen Frauen anlässlich der Besuche bei der Geburt ihrer Kinder oder an der Erstkommunikation gezielter auf die Angebote der Gemeinschaft aufmerksam machen. Resonanz erhofft sie sich auch am Jubiläumsanlass.

Am selben Strick ziehen

Die Frauengemeinschaft arbeitet oft mit dem Frauenforum Grenchen zusammen. Auch die Verbindung mit dem Reformierten Frauenverein Bettlach ist eng. Susi Günter findet die Kooperation von Frauen wesentlich für die Ökumene. «Es gibt keine Männervereinigung, welche diese stützt.»

Viatte schätzte es als Präsidentin sehr, mit Frauen zusammenzuarbeiten. «Da ist so viel Kreativität vorhanden, von den Ideen bis zu der Realisierung eines Vorhabens», schwärmt sie. Günter freut sich, dass kein Konkurrenzverhalten vorhanden ist, sondern alle an einem Strick ziehen und gemeinsam einen Weg suchen.

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