100 Tage im Amt
François Scheidegger: «Ich habe ausnahmslos tolle Mitarbeiter»

Nach 100 Tagen im Amt lässt sich Stadtpräsident Françcois Scheidegger erstmals in die Karten blicken. So spricht er darüber, wie er sich im neuen Job zurechtgefunden hat, welche Anliegen er bereits anpacken konnte und was in naher Zukunft ansteht.

Andreas Toggweiler
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Stadtpräsident François Scheidegger hat sich in seinem Büro im Hotel de ville eingerichtet und im Amt Fuss gefasst.

Stadtpräsident François Scheidegger hat sich in seinem Büro im Hotel de ville eingerichtet und im Amt Fuss gefasst.

Oliver Menge

Es heisst, nach hundert Arbeitstagen sollte man sich in einem Job zurechtfinden. Geht es Ihnen so?

Ja, das kann ich bestätigen. Dabei ist mir natürlich sehr entgegen gekommen, dass ich siebeneinhalb Jahre Stadtschreiber war. Dadurch kenne ich natürlich die Verwaltung, die Abläufe und auch die meisten Mitarbeitenden sind noch die gleichen.

Was hat sie am meisten gestört, als sie Ihr Büro im Hotel de ville bezogen haben?

Gewisse Verwaltungsabläufe sind zu wenig kundenfreundlich und müssen verbessert werden. Zudem möchte ich die Arbeitszeiten der Kader und Chefbeamten neu regeln. Ein- und Ausstempeln ist für diese Positionen einfach nicht angebracht. Das führt nicht zuletzt auch zu gewaltigen Überzeiten und Ferienrestanzen, die dann bei einem Abgang zu Diskussionen führen.

Und wovon waren Sie positiv überrascht?

Ausnahmslos tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! Ausserdem habe ich Vieles vorgefunden, das noch meine Handschrift als Stadtschreiber aufweist - mein Wirken hatte somit offenbar doch eine gewisse Nachhaltigkeit...

Waren Sie eine Klagemauer für alle, die mit Boris Banga nicht zurecht kamen?

Nein, so kann man das nicht sagen. Allerdings stelle ich vereinzelt eine gewisse Verunsicherung bisweilen auch Unzufriedenheit fest, was aber nicht direkt mit der Person meines Vorgängers zu tun hat. Ich hoffe, dass die vom Gemeinderat beschlossene Mitarbeiter-Befragung zu einer nachhaltigen Verbesserung des Arbeitsklimas beitragen kann.

Welche Dossiers wollen Sie jetzt prioritär anpacken?

Einiges habe ich ja schon angepackt oder ist schon vor meiner Zeit angelaufen: Grega, Windpark, Pistenanpassung etc. Höchste Dringlichkeit hat zurzeit der vom Bundesamt für Sport geforderte Standort für eine BMX-Piste. Für das Parktheater können wir eine gute Lösung präsentieren, am 11. April werden wir darüber informieren. Bereits in den nächsten Tagen werden wir einen Facebook-Auftritt der Stadt lancieren. Reorganisation Standortmarketing Kultur und Sport, Wiederbesetzung der Stelle Rechtskonsulent sind weitere Dossiers. Was die Gestaltung des Bahnhofs Süd betrifft werden nach den Sommerferien die Betroffenen zu einer ersten Sitzung eingeladen.

Sie kamen auch auf laufende Baustellen: die Schulleitung wird reorganisiert. Was erhoffen Sie sich von diesem Projekt?

Es handelt sich um Projekt, dessen Komplexität allenthalben unterschätzt wird. Oft wird auch verkannt, dass es einen Schuldirektor, wie wir ihn von früher kannten, aufgrund der geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen gar nicht mehr geben kann. Der Prozess ist angelaufen und der Ausgang offen. Ich bin überzeugt, dass es Optimierungspotenzial gibt und habe das Projekt zur Chefsache erklärt: Ich will nämlich eines: Keine «politische» Lösung, sondern das Beste für unsere Schuljugend!

Diskutiert wird zurzeit auch die Verwendung von Sitzungsgeldern für Tätigkeiten vom Amtes wegen, beispielsweise des Stadtpräsidenten. Wie wollen Sie das handhaben?

Zuerst muss einmal Transparenz hergestellt werden. Dies werden wir mit der Beantwortung einer entsprechenden Interpellation der SVP im Gemeinderat tun. Generell vertrete ich die Meinung, dass Entschädigungen und Sitzungsgelder für von Amtes wegen ausgeübte Tätigkeiten, die während der normalen Arbeitszeit ausgeführt werden, der Stadt gehören. Das gilt bei mir beispielsweise für den SWG-Verwaltungsrat. Bei anderen Mandaten sollte man nicht zu kleinlich sein - wenn es nicht um grosse Beträge, also Tausende von Franken geht.

Wissen Sie schon, wie es mit dem Stadtmarketing weitergeht?

Die Reorganisation ist anspruchsvoller und zeitintensiver als erwartet. In einem ersten Schritt habe ich dafür gesorgt, dass personell Ruhe einkehrt und Silvan Granig zu 100% anstellen lassen. In einem zweiten Schritt haben wir intern drei Organisationsvarianten erarbeitet, wobei wir uns aufgrund ihres unfallbedingten Arbeitsausfalls noch nicht mit der Stadtschreiberin absprechen konnten. Der Entscheid soll demnächst fallen, weil in der zweiten Jahreshälfte wichtige Events anstehen, für die die nötigen Personalressourcen bereitgestellt werden müssen.

Wie sieht es in Grenchen finanziell aus? Wie ist die Rechnung 2013 ausgefallen?

Zur Beantwortung dieser Frage muss ich Sie an die Sitzung des Gemeinderates vom 22. April verweisen. Vorher geben wir dazu keine Auskunft.

Aber den Unternehmen geht es gut. Die ETA ist ja die grösste Arbeitgeberin. Wie profitiert Grenchen vom Uhrenboom?

In der Uhrenbranche läuft es tatsächlich nicht schlecht. Doch die Steuererträge sind sehr volatil und nicht planbar. Der Brand bei der ETA vom letzten Dezember wird den Gewinn bestimmt spürbar schmälern. Wir können in Grenchen Gewinneinbrüche bei Firmen nicht so leicht durch unseren Steuersatz kompensieren. Wir haben da nach oben keine Luft wie beispielsweise Olten.

Die Schmelzi-Post wird möglicherweise geschlossen. Was können Sie tun?

Noch ist es nicht so weit! Die Post hat mich sehr seriös über ihre Überlegungen informiert und die Frequenzen sind tatsächlich rückläufig. Anderseits schätzen viele Quartierbewohner die Dienstleistung vor Ort und im Quartier wird zurzeit heftig gebaut. Auch wenn es nur 600 Meter sind bis zur Hauptpost ist eine beträchtliche Höhendifferenz zu überwinden. Ich bin zuversichtlich, dass wir eine gute Lösung finden werden. Die Kommunikation der Post ist jedenfalls viel besser als diejenige des Kantons in Sachen Veranlagungsbehörde.

Was können Sie hier noch unternehmen, damit das Veto im Kantonsrat Erfolg hat?

Es wird schwierig, doch wir lassen nichts unversucht. Die Gemeindepräsidien der betroffenen Orte, nebst Grenchen, Bettlach und Selzach auch aus den Bezirken Thal und Gäu werden die Kantonsräte gemeinsam anschreiben. Ich werde zudem die Solothurner Kantonsräte an die Unterstützung aus Grenchen für ihre Belange erinnern. Ich denke beispielsweise an den Neubau des Bürgerspitals oder die Fabi-Vorlage.