Grenchen
Franco Supino erzählt Lebensgeschichte aus dem Koffer

Franco Supino las an einer sehr gut besuchten Vernissage im Kultur-Historischen Museum Grenchen.

André Weyermann
Merken
Drucken
Teilen
Der Solothurner Schriftsteller Franco Supino fesselte das Grenchner Publikum mit der Geschichte seiner Mutter. hanspeter Bärtschi

Der Solothurner Schriftsteller Franco Supino fesselte das Grenchner Publikum mit der Geschichte seiner Mutter. hanspeter Bärtschi

Hanspeter Baertschi

Im Kultur-Historischen Museum Grenchen steht neu eine Koffervitrine. Sie erzählt anhand einer kurzen Beschreibung, bebildert und mit diversen Utensilien versehen, die Geschichte einer Immigrantin, jene von Olga Supino-Pascale, welche einst aus Süditalien wegzog, um in der fernen Schweiz, in der Uhrenstadt Grenchen, zu arbeiten. Schliesslich gründete sie hier auch eine Familie – und blieb.

Diese Geschichte ist ein Teil des Projektes «Musée imaginaire des migrations» (MIM) des Bundesamtes für Migration in Zusammenarbeit mit diversen Museen in der Schweiz. An der Vernissage im proppenvollen Grenchner Museum stellte Projektleiter Beat Mazenauer dieses vor und Autor Franco Supino las Passagen aus seinem Text über seine Mutter, die ebenfalls anwesend war.

Stiftungsratspräsident Lukas Walter erzählte in seiner Eröffnungsrede, dass er nach anfänglicher Skepsis zu einem Projekt zum Begriff Migration schon bald von den Verantwortlichen überzeugt wurde: «Das MIM ist – aus der Sicht eines Museums – einfach, problemlos umsetzbar und doch sehr informativ. Eine Koffervitrine kann fast in jedem Museum aufgestellt werden, und über das Internet werden die Geschichten miteinander verbunden.»

Migration mit Einzelschicksalen

Die Geschichte der Migration in der Schweiz ist vielfältig, und es stecken jeweils Einzel-Schicksale dahinter. Man darf es als Glücksfall bezeichnen, dass sie im Kultur-Historischen Museum von einem direkt Betroffenen erzählt wird, der als Schriftsteller hohes Ansehen geniesst. Zudem ist Franco Supino ein ausgezeichneter Vortragender, der ohne Pathos, schnörkellos und doch mit einer unbeschwerten Heiterkeit von dem erzählt, was irgendwie passieren musste:

Suche nach Arbeit in Grenchen

1960 verliess die damals 20-jährige Olga Pascale zusammen mit ihrer Freundin Maria ihr Dorf Monteforte, um in der fernen Schweiz eine Arbeit anzunehmen. Die beiden traten wie viele Jugendliche aus dem Süden Italiens ein Abenteuer an. Monteforte, im Hinterland von Neapel gelegen, bot weder Arbeit noch Zukunft. Beides sollte Olga Pascale in der Grenchner Uhrenindustrie finden: Eine Arbeit im Akkord bei der «ASSA», und eine Zukunft zusammen mit ihrem Mann Antonio Supino, den sie 1961 in Grenchen kennen lernte. Doch der Anfang war schwer. Die Bevölkerung schaute scheel auf die Fremden, auch wenn sie hart arbeiteten.

1964 heirateten Olga Pascale und Antonio Supino und gründeten eine Familie, die der Arbeit eine neue Bedeutung verlieh. Um näher bei ihren Kindern zu bleiben, kündigte sie in der Fabrik, um mit Heimarbeit ihr Zubrot zu verdienen. Ihr Mann arbeitete weiterhin als Saisonnier bei einer Baufirma. Schliesslich erhielten sie eine Jahresaufenthaltsbewilligung. Die drei Kinder wurden gross. So verstrich der Zeitpunkt der Rückkehr, und sie sind geblieben, zu Hause in Grenchen.

Die Vitrine steht prominent und passend zur Thematik bei der Ausstellung zum Tunnelbau. Der Text von Franco Supino ist im Museum erhältlich oder auf der Homepage www.mimsuisse.ch abrufbar; wie auch alle anderen Geschichten und weitere Informationen zum Projekt.