Die 1912 von Walter Vogt gegründete Uhrenmarke Fortis hat einige Pioniertaten in der Uhrenentwicklung vorzuweisen, beispielsweise in der Verbreitung des automatischen Aufzugs, wo die Serienproduktion für den englischen Erfinder Harwood bereits 1926 aufgenommen wurde. Bekannt war Fortis immer für ihre sportlichen Uhren, die sowohl als Taucher- als auch als Fliegeruhren spezialisierte Dienste verrichteten.

Unter anderem wurde 1969 die erste Plastikuhr produziert, als Taucheruhr konzipiert und bis 200 m Tiefe wasserdicht. 1994 stiess man sogar in den Weltraum vor und kann sich seither des Umstands rühmen, die einzige Automatikuhr zu liefern, welche im Weltraum getragen wird. (Die legendäre Omega Speedmaster der Apollo-Missionen funktionierte mit Handaufzug.)

«Zurzeit sind zwei russische Kosmonauten auf der Raumstation ISS mit Fortis-Uhren ausgerüstet. Sie sollen demnächst auf die Erde zurückkehren», erklärt Max Wedel, seit einem Jahr Marketingchef bei Fortis. In der Tat soll heute Samstag in Kasachstan ein Raumschiff starten mit Ablösung für die ISS-Besatzung.

Es fehlte noch das Festland

Der junge Österreicher Max Wedel wurde von seinem Landsmann Maximilian Spitzy zu Fortis geholt, der dem Unternehmen seit August 2013 vorsteht. Dies mit dem Auftrag, der Marke zu einem neuen, zeitgemässen Auftritt zu verhelfen. Anlässlich der Uhrenmesse Baselworld wurden Händler und Fachpresse nun zu einem Relaunch in ein angrenzendes Hotel eingeladen, denn etliche Marken wollen oder können sich einen Auftritt im neuen mondänen Messekomplex nicht leisten. Wedel konnte dabei ein neues Corporate Design, neue Displays für den Handel und eine neue Modellinie präsentieren.

«Wir waren bisher in drei Dimensionen vertreten: Im Weltraum, in der Luft mit einer Partnerschaft mit dem PC 7 Team der Schweizer Luftwaffe sowie im Wasser mit unseren Taucheruhren. Aber das Festland, die Erde hat bisher gefehlt», erklärt Wedel den Hintergrund für die Lancierung der Modellinie «Terrestris». Sie ergänzt seit diesem Jahr die drei anderen, Cosmonautis, Aviatis und Aquatis genannten Kollektionen. Entsprechend eingefärbte Quadrate und Fotografien sollen die Uhren in ihren Sphären verorten. Im Display wird neuerdings auch der Name Grenchen und das Gründungsjahr der Firma erwähnt.

Sortiment reduziert

Ein Grossreinemachen gabs aber auch bei der Modellauswahl. Laut Wedel wurde die Anzahl der Modelle radikal von 126 auf 49 reduziert. Zudem werde eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Künstler Rolf Sachs weitergeführt, der für Fortis ein weiteres Zifferblatt gestaltet hat. Jedes Jahr soll ein neues Sujet in limitierter Auflage dazukommen.

Nicht ausschliessen will Wedel, dass künftig auch wieder Modelle für Damen angeboten werden, was für Fortis Neuland wäre. «Ohnehin beginnen sich die Grenzen zu vermischen. Immer mehr Frauen tragen heute auch Uhren mit grösseren Zifferblättern», meint Wedel. Auch künftig will man wie schon seit einigen Jahren ausschliesslich mechanische Uhren anbieten.

Zu den Hauptmärkten zählen die Grenchner neben dem Heimmarkt Schweiz die USA, Japan, Deutschland und Singapur. Neu entwickeln möchte man jetzt den China-Markt. Nicht umsonst spricht der neue Fortis-Chef Spitzy auch Mandarin, denn er hat zehn Jahre in China gelebt und Firmen aufgebaut, allerdings nicht in der Uhrenbranche. Fortis baut Uhren im Preissegment ab 900 Fr. bis 15 000 Fr. und mehr. Das Gros der abgesetzten Modelle bewege sich aber im Preisbereich zwischen 1500 und 3000 Fr.