Der Riss des vorderen Kreuzbandes am Knie bedeutet nicht nur für Sportler einen herben Rückschlag mit Bewegungseinschränkungen, die lange anhalten können. Das Bettlacher Orthopädie-Unternehmen Mathys hat jetzt ein neues System für die Behandlung dieser Verletzung entwickelt. «Die Versuche in mehreren Ländern verliefen bisher positiv, sodass wir mit einer Markteinführung in der zweiten Jahreshälfte rechnen», sagt Arne Faisst, CEO der Mathys-Gruppe.

Die erfolgreiche Innovation habe bereits dazu geführt, dass das Unternehmen beschlossen hat, in die Sport-Orthopädie einzusteigen. Damit kehre man auch zu den Wurzeln der (einst an Synthes verkauften) Mathys-Aktivitäten zurück, zu Produkten nämlich, welche die Heilung ermöglichen oder unterstützen - im Gegensatz beispielsweise zu Gelenkprothesen, erklärt der Biochemiker Faisst.

Mit Kliniken entwickelt
Das Implantat mit dem Namen «Ligamys» wurde unter der Leitung einer Forschungsgruppe der beiden Berner Spitäler Insel und Sonnenhof zusammen mit Mathys entwickelt. Es besteht aus einem Polyethylenfaden und einem Federsystem, das im Unterschenkelknochen verankert wird.

Die Weltneuheit erlaube es erstmals, ein gerissenes Kreuzband selber zu heilen und damit zu erhalten, betont Faisst. Bis anhin wurde ein gerissenes Kreuzband entfernt und durch eine Sehne aus dem gleichen Bein ersetzt. Die neue Lösung gewährleiste, dass das Kreuzband wieder zusammenwächst und mit der Zeit, seine Aufgabe wieder übernehmen kann.

Das «Geheimnis» liegt lauft Faisst darin, das Kreuzband mit gewissen Freiheitsgraden zu fixieren, sodass die Nervenfasern weiterhin angeregt bleiben. Die Heilung gewährleistet auch, dass die Sensorfunktion des Kreuzbandes erhalten bleibt und damit die Koordination der Kniebewegung weiterhin unterstützt wird. Die Behandlung mit Ligamys wird durch eine spezielle Physiotherapie begleitet. Die Operation muss innerhalb von drei Wochen nach dem Unfall erfolgen.Der Medtech-Hersteller hat gar eine «Patientin» im Hause, die mit Ligamys behandelt wurde. Kommunikationschefin Regula Haag hat sich im Dezember 2011 bei einem Skiunfall (unter anderem) das Kreuzband gerissen. «Ich hätte bereits ab Mitte April wieder Skifahren dürfen Bei der Behandlung lief alles bestens», sagt Haag.

Umsatz stieg um 7 Prozent

Bestens lief es für Mathys auch im Geschäftsjahr 2012. Währungsbereinigt ist der Umsatz um 7 Prozent gewachsen auf neu 118,1 Mio. Fr. «Diese Leistung ist im Branchenumfeld überdurchschnittlich», erklärt Faisst, insbesondere wenn man die schwierige Währungssituation berücksichtige sowie die «kränkelnde Finanzierung der Gesundheitssysteme» in verschiedenen Ländern aufgrund des Spardrucks.

Die 2012 im Verkauf aktiv gewordene Tochtergesellschaft in Japan sei gut gestartet. «Sehr erfolgreich waren wir auch in Australien. Um die Region Asien/Pazifik besser zu pushen haben wir zudem ein regionales Verkaufs- und Marketingbüro in Sydney eröffnet.» Mathys hat insgesamt 11 Tochtergesellschaften. Die Zahl der Angestellten stieg im vergangenen Jahr um 18 auf 483 Personen. Davon arbeiten 288 in der Schweiz.

Für das angefangene Jahr zeigt sich Faisst optimistisch. Es habe vielversprechend begonnen. Trotz weiteren Diskussionen um das Gesundheitssystem rechne man mit einem erneuten soliden Umsatzwachstum.