An der Staadstrasse steigt am Freitagabend Rauch auf. Keine drei Minuten nach dem ersten Ertönen der Sirene braust das Tanklöschfahrzeug der Flughafenfeuerwehr über den Kreisel Richtung Rauchsäule. Die zwei Feuerwehrmänner finden auf einem Firmengelände neben einer Lagerhalle ein brennendes Flugzeugwrack vor, davor der qualmende Motorblock der «abgestürzten» Maschine. Sie bergen vier Verletzte – oder Tote – aus dem Flugzeug und löschen das Feuer.

Dann passiert einige Zeit nichts.

17 Minuten nach dem Alarm trifft die Stützpunktfeuerwehr Grenchen ein, zuerst mit einem TLF, kurz darauf ein zweites, 25 bis 30 Feuerwehrleute kommen mit Mannschaftsfahrzeugen. Einige montieren ihre Atemschutzausrüstung und durchsuchen die Halle, neben der das Wrack liegt. Auch sie werden fündig und bergen zwei weitere Personen, die den Unfall in echt wohl kaum überlebt hätten, weil sie zu lange im Rauch lagen. Eine Ambulanz fährt auf das Gelände, die zwei Rettungssanitäter kümmern sich um die «Verletzten». Nach genau 37 Minuten ist der Spuk vorbei, man packt zusammen und begibt sich zum Debriefing im Regionalflughafen.

Regelmässige Notfallübungen

In einem ungefähren Rhythmus von drei Jahren wird der Regionalflughafen Grenchen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL beübt. Das letzte Mal vor zwei Jahren simulierte man den Absturz eines Flugzeugs und den Crash in einen Linienbus auf der Flughafenstrasse. Damals waren alle Rettungskräfte, die Feuerwehr, Polizei, Sanität, Zivilschutz und die Betreiber des Flughafens Grenchen gefordert.

Man wolle mit dieser Notfallübung testen, wie der Flughafen mit einem Unfall in den Randzeiten umgehen kann, wie bereit die Flughafenfeuerwehr ist, wie viele Einsatzkräfte ausrücken und ob die vorgeschriebenen Prozesse innerhalb der Flughafenorganisation funktionieren, erklärt der Verantwortliche vom BAZL. «Dies ist nur eine kleine Übung, aber wir wollen auch schauen, ob die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Diensten und Organisationen klappt und das Notfallszenario greift». An allen neuralgischen Punkten, im Tower und am Ort des Unfalls, notieren sich Schiedsrichter jede Kleinigkeit und messen die benötigte Zeit. «So erkennen wir die Schwachpunkte, die wir mit den Beteiligten besprechen und die sie dann abarbeiten müssen.»

Nicht alles hat geklappt gestern. An der Zusammenarbeit zwischen der Flughafenfeuerwehr und der Stützpunktfeuerwehr müsse noch viel gearbeitet werden, konnte man einzelnen Gesprächsfetzen zwischen Verantwortlichen entnehmen. Die Alarmierung der Stützpunktfeuerwehr sei zu spät erfolgt, hiess es unter anderem.

Damit während der Übung der Flugbetrieb weitergehen konnte, wurde für die Dauer der Übung ein Ersatz-Tanklöschfahrzeug von Solothurn auf den Flughafen beordert. Dennoch wurde auch im Tower die Notfall-Checkliste unter Aufsicht durchgearbeitet. Auch Flughafendirektor Ernest Oggier war gefordert, es war seine erste Notfallübung seit Amtsantritt vor vier Monaten. Er wird auch weiterhin gefordert sein, das hat die Übung gezeigt.