Wer über Kabelfernsehen verfügt, ist beim durchzappen vielleicht auch schon einmal hängen geblieben, wenn tollkühne Piloten in schnellen, kleinen Flugzeugen einen Parcours rund um riesige, aufblasbare Pylone absolvieren, meist an illustren Orten wie Abu Dhabi, Las Vegas oder San Diego. Mit grösster Wahrscheinlichkeit ist man dann bei einer Berichterstattung über die RedBull Air Race-Weltmeisterschaft hängen geblieben.

In Grenchen werden solche waghalsigen Rennen nicht durchgeführt werden, davon kann man ausgehen. Klar ist aber auch: RedBull plant offenbar am Sonntag, 11. August, auf dem Regionalflughafen Grenchen ein Event. Entsprechende Gerüchte wurden dieser Zeitung gegenüber von Flughafendirektor Ernest Oggier bestätigt und die Anrainergemeinden wurden ebenfalls inzwischen per Mail informiert: Der RedBull Race Day werde vom Getränkehersteller und Sponsor in diversen Sportarten selber organisiert, der Flughafen Grenchen stelle die Infrastruktur zur Verfügung.

Man könne sich auf einen Grossanlass mit 15'000-20'000 Besuchern aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland einstellen. Samstag, der 10. August sei Vorbereitungstag. Durchgeführt werde gemäss Konzept eine Flugsportvorführung mit Vorbeiflug, Kunstflug und Fallschirmabsprung sowie auch eine Motorsportvorführung am Boden, so Oggier. Der Anlass habe internationale Ausstrahlung und sei eine Visitenkarte für die Region.

Sébastian Buemi beim RedBull Race vor acht Jahren in Mollis.

Seitens der Firma RedBull will man keine Stellung dazu nehmen, weil die Gespräche noch am Laufen seien und noch nicht alle Vereinbarungen unterzeichnet seien. Entsprechend könne man auch nicht offiziell bestätigen, dass der Anlass überhaupt stattfinde, heisst es aus der Kommunikationszentrale des Unternehmens.

Wichtiger Player im Flugsport

«RedBull» ist im Flugsport einerseits durch die Red Bull Air Race-Weltmeisterschaft bekannt geworden, die erstmals vor 15 Jahren durchgeführt wurde. An diversen Austragungsorten überall auf der Welt messen sich die Piloten an Ausscheidungs- und Finalrennen und kämpfen um Sekundenbruchteile auf den rasanten Parcours. Auch in der Schweiz fand im Juli 2007 ein zweitägiges Event statt, aber das Rennen auf dem Flugplatz bei Interlaken löste eine nationale Diskussion über die Umweltverträglichkeit solcher Veranstaltungen aus. Eine Neuauflage im Jahr darauf wurde insbesondere dadurch verhindert, dass sich die Anrainergemeinden dagegen wehrten, eine halbe Million Franken für Verkehr und Sicherheit aufwerfen zu müssen.

RedBull ist aber andererseits auch bekannt für die Red Bull Race Days, wo dem Publikum auf ausgewählten Flugplätzen eine Show am Boden und in der Luft geboten wird: Von Kunstflug in leichten und schnellen Maschinen über Stunts mit Helikoptern, wo erfahrene Piloten mit ihren Maschinen sogar Loopings fliegen.

Auf der Piste werden verschiedene Motorsport-Shows geboten, mit Gokarts, Motorrädern, Rennwagen bis hin zu Formel-1-Boliden. Denn nicht zuletzt ist die Firma Hauptsponsor und Inhaber des in Grossbritannien beheimateten Formel 1-Rennstall Aston Martin Red Bull Racing-Teams. Neben Max Verstappen und Daniel Ricciardo ist auch der Schweizer Sébastien Buemi bei RedBull unter Vertrag. Letzterer war der Star beim RedBull Race Day in Mollis im Kanton Glarus vor acht Jahren, der Tausende Besucherinnen und Besucher anlockte.

Den Stadtpräsidenten freut’s

Stadtpräsident François Scheidegger bestätigt auf Anfrage ebenfalls, dass die Stadt bereits vor Monaten vorinformiert wurde. Man habe zwar nicht direkt mit der Organisation und Durchführung zu tun, das sei Sache des Flughafens. «Eine formelle Bewilligung liegt noch nicht vor, aber ich sehe da keine wesentlichen Probleme», sagt Scheidegger. Er habe stets signalisiert, dass man so ein Event unterstützen werde. Im Übrigen sei geplant, dass die Verantwortlichen von RedBull und Vertreter der Stadtpolizei Grenchen sich kommenden Dienstag zu Gesprächen treffen.

Schliesslich gebe es viele Dinge zu klären, wie zum Beispiel die notwendigen Verkehrs-, Parkier- und Sicherheitsmassnahmen. «Der Kanton wird wohl auch noch ein Wort mitreden wollen, da die Autobahnausfahrt und Kantonsstrassen unter Umständen betroffen sind, wie das bei ähnlichen Grossveranstaltungen in der Vergangenheit der Fall war.» Nichtsdestotrotz freue er sich, so Scheidegger: «Es ist toll, kommt ein solches Event nach Grenchen. Das hat grosse Ausstrahlungskraft für unsere Stadt und unsere Region.»