Grenchen
Flugplatz bessert Angebot nach - besänftigt dies die Gegner?

Flughafenvertreter, Kanton und Gemeinden treffen sich diese Woche erneut, um über die Pistenverlängerung zu diskutieren. Der Flughafen hat sein Angebot verbessert. Doch können sie die Gegner besänftigen?

Lucien Fluri
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Eine Fotomontage zeigt, wie das Projekt im Endzustand aussehen würde.

Eine Fotomontage zeigt, wie das Projekt im Endzustand aussehen würde.

www.airport-grenchen.ch

Der Flughafen Grenchen hat offenbar vorwärts gemacht: Er startet mit neuen und überarbeiteten Dokumenten in die zweite Runde der Konsultationsgespräche mit Gemeinden, Behörden und Interessenvertretern, die morgen Mittwoch beginnen. Sie sind am Ende entscheidend dafür, ob die Solothurner Regierung überhaupt einem Hauptverfahren beim Bundesamt für Zivilluftfahrt zustimmt.

Die Frage bleibt: Können die Unterlagen den Widerstand der Naturschutzverbände und der Gemeinde Selzach etwas aufweichen? Absehbar wird das erst, wenn in einigen Wochen nach dem Ende der Gesprächsrunde alle Organisationen ihre Stellungnahmen abgegeben haben.

Was ist neu? Der Flughafen hat einerseits seine Wertschöpfungsstudie aus dem Jahr 2010 überarbeitet. – Nach der ersten Gesprächsrunde war kritisiert worden, der wirtschaftliche Nutzen des Projektes sei nicht klar erkennbar. «An den Gesprächen können wir neue Zahlen präsentieren», sagt Flughafendirektor Ernest Oggier auf Anfrage.

Neues Witi-Schutzland in Sicht?

62 000 Quadratmeter Land gehen in der Witischutzzone verloren, wenn die Piste verlängert wird. Erstmals listet der Flughafen jetzt auf, wo er mögliche Kompensationsflächen ausmacht. Zwei Varianten schlägt er vor: Die eine ist 327 000 Quadratmetern gross und liegt im Gebiet Eichholz/Breitholz in Grenchen. Die zweite Variante sieht 470000 Quadratmeter Kompensationsfläche südlich der Bahnlinie im Gebiet Neumatt/Riederen/Aarmatthof vor. Laut Flughafendirektor Ernest Oggier handelt es sich um Flächen, die heute als Landwirtschaftsland genutzt werden und später dauerhaft in die Witi-Schutzzone umgezont werden könnten. Die 62 000 Quadratmeter an sich, wären allerdings verloren.

Oggier betont: Es sind erst Überlegungen, die konkretisiert werden müssen, wenn klar ist, dass die Pistenanpassung kommt. «Aber wir wollen jetzt schon zeigen, was möglich wäre.»
Der Flughafendirektor stellt grundsätzlich klar: In den Gesprächen können keine konkreten Lösungen gefunden werden. Es geht erst einmal darum, zu eruieren, was möglich ist und was das Projekt verhindern könnten. Noch nicht zu den geplanten Landmassnahmen und den möglichen Folgen für Grenchen kann sich Stadtbaumeister Daniel Gäumann äussern. «Wir warten die Konsultationsgespräche ab und geben dann unsere Stellungnahme ab.»

Besseres Anflugsystem in Sicht

Wenig kompromissbereit hat sich bisher die Gemeinde Selzach mit ihrem von Überflügen stark betroffenen Weiler Altreu gezeigt. Oggier bekräftigt: «Komplettüberflüge über Altreu sind nicht geplant. Die publizierte Flugroute bleibt genau gleich.» Er sehe deshalb auch nicht ein, weshalb das Label Storchendorf aberkannt werden könnte. Die Prognosen der künftigen Lärmkurven zeigen keine Ausweitung der Immissionsgebiete.

Installieren will der Flughafen auch eine sogenannte «Einflugleitbefeuerung» Das sind Lampen, die auf Masten entlang der vorgegebenen Anflugroute installiert werden und in den Himmel blinken. Sie sollen den Piloten die Orientierung erleichtern und so für weniger Konfliktpotential bei Überflügen von Altreu sorgen. «Die Lampen zünden rauf. Es gibt keine Abstrahlung gegen den Boden», sagt Oggier.
Eine oekologische Veränderungsmassnahme sieht Oggier auch beim Witibach, der derzeit beim Flughafen durch einen Tunnel fliesst. «Eine Möglichkeit ist es, den Tunnel nördlich und südlich der Piste zu öffnen, damit das Gewässer mehr Licht hat.»

Finanzierung noch offen

Im März hat der Flughafen-Verwaltungsrat zudem ein «Kommitment zum Flughafen» abgeben. Er erkennt im Projekt nicht nur einen Standortfaktor für die Wirtschaft, sondern auch «die Chance, zum einzigen rein zivilen Business Airport ohne Linienverkehr zwischen Limmat und Genfersee zu werden.» Dem Verwaltungsrat scheint bewusst zu sein, dass das Verfahren auf Widerstand stösst und länger dauern könnte. Man akzeptiere, «dass das gegenwärtige Planungsverfahren zeitlich nicht absehbar ist, mit unwägbaren Risiken verbunden ist», heisst es im Papier. Auflagen könnten die Realisierung erschweren oder verunmöglichen.

zvg

9 Millionen Franken: Mit diesem Betrag rechnet der Flughafen derzeit für den Ausbau. «Investoren halten sich bedeckt», sagt Oggier. «Zuerst braucht es den Entscheid der Regierung. Vorher gibt kein Investor eine Zusage.» Der Verwaltungsrat zeigt sich aber überzeugt, die Finanzierung zusammenzubringen.

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