Seit 1932 wird auf dem Flughafen Grenchen Segelflug betrieben. Nur ein Jahr nach der Gründung des Fluglatzes wurde die Segelfluggruppe Grenchen aus der Taufe gehoben, aus der später die Segel- und Motorfluggruppe Grenchen und die Flugschule Grenchen hervorgingen. Mitte der 1950er Jahre kam die Segelfluggruppe Solothurn hinzu, weil der Flugplatz der St. Ursen-Stadt in der Nähe des Schwimmbades dem Stadtmist weichen musste. Solothurn ging seines Flugplatzes verlustig, während Grenchen einen seit Jahrzehnten immer aktiven Flugverein erhielt, in dem gleichzeitig Leistungssport und Nachwuchsförderung betrieben wird.

Mit 14 Jahren erstmals allein in der Luft

Einer der Novizen bei den Solothurner Segelfliegern ist Nick Stäheli mit Jahrgang 2001 aus Oberdorf. In einem Alter, in dem andere von der Mofa-Prüfung träumen, stieg er zum ersten Mal in ein Segelflugzeug. Am Doppelsteuer mit den Fluglehrern lernte er die Grundlagen des Fliegens. Mit 14 Jahren, dem gesetzlichen Mindestalter, absolvierte er jenen Flug, der in jedem Pilotenleben immer in lebhafter Erinnerung bleibt: Zum ersten Mal ganz alleine an Bord vom Start bis zur Landung.

Zwei Jahre später, wiederum zum frühsten möglichen Zeitpunkt mit 16 Jahren, legte er die praktische Segelflugprüfung ab. Unterstützung fand er dabei bei seinen Eltern. Vater Andreas Stäheli liebäugelt auch mit einer Fluglizenz, hat sie aber bis jetzt noch nicht verwirklichen können.

Gehörige Portion Theorie gehört dazu

Dazwischen lag das Büffeln der Theorie. «Das war hart und aufwendig», sagt der Gymnasiast, der an der Kantonsschule Solothurn das Profil Wirtschaft und Recht belegt und im Maturajahr steht. «Jeweils am Samstagmorgen hatten wir Kurs mit den Fluglehrern, aber ich habe vor allem viel im Selbststudium erledigt.» Fächer gibt es deren viele, zum Beispiel Luftrecht, allgemeine Flugzeugkenntnis, Flugplanung, menschliches Leistungsvermögen und Meteo, um nur einige zu nennen.

Wer einmal die Prüfung abgelegt hat, darf zwar das Flugzeug eigenständig steuern. Als Jungpilot steht man aber erst am Fuss eines Erfahrungsberges, den es noch zu erklimmen gilt. Beim Segelflug hat man nie ausgelernt. Denn dieser Sport bedeutet nicht, dass man ein wenig am Grenchenberg und der Hasenmatt herumkurvt. Gefragt sind weite Strecken, die mit möglichst hohem Tempo absolviert werden. Letztlich kann man als Pilotin und Pilot an nationalen und internationalen Wettbewerben oder am Online-Contest (siehe Kasten) teilnehmen.

Von Grenchen aus drei Punkte anfliegen

Bei der Segelfluggruppe Solothurn wird die Nachwuchsförderung im Streckenflug systematisch angegangen. Schon während der Ausbildung gibt es einen Flug am Doppelsteuer über 100 km oder einen Soloflug über 50 km, was gesetzliche Pflicht ist, um überhaupt an die Prüfung antreten zu können. Nick Stäheli machte diesen Flug zusammen mit Fluglehrer Hanspeter Fink: Vom Weissenstein ging es bis nach Neuenburg, dann zurück zum Weissenstein und schliesslich noch nach Langenthal.

Die Sommerferien benutzte Stäheli, um seine Erfahrung im Streckenflug erweitern. Der sehr erfahrene Segelflieger und Wettbewerbspilot Kurt Uebersax unterstützt dabei seinen jungen Vereinskameraden. Uebersax hat im Navigationssystem einige Flüge vorbereitet, die Stäheli abfliegen kann. Start- und Landeort ist immer Grenchen, dann werden drei Punkte angeflogen, sodass es am Schluss einen Dreiecksflug gibt.

Die Route Weissenstein-Montoz-Chasseral-Weissenstein ist ein solches Beispiel. Nach jedem erfolgreichen Flug werden die Distanzen und damit der Aktionsradius erhöht. Uebersax ist ihm dabei auch schon vorausgeflogen, um den jungen Piloten über Funk an die richtigen Aufwindstellen zu dirigieren. Im Moment ist Nick Stäheli in einem Gebiet unterwegs, das vom Weissenstein bis westlich Chasseral reicht.

Der Segelflug ist aber nicht nur Leistungssport, sondern die wohl beste Grundausbildung für den Pilotenberuf. Schon als Kind war Nick Stäheli von den grossen Verkehrsflugzeugen fasziniert. Wenn er mit den Eltern und seiner älteren Schwester in die Ferien flog, waren die Airliner schon mal das Beste an der Reise. Stäheli beabsichtigt kommendes Jahr die Absolvierung des Sphair-Kurses, also des Piloten-Nachwuchsförderungsprogramms der Schweizer Luftwaffe, das auch für angehende Verkehrs- und Helikopterpiloten und kommende Fluglehrer gedacht ist. Sein berufliches Ziel ist Linienpilot zu werden.

Maturaarbeit über Segelflug

Vorerst aber muss er sich aber noch der Maturaarbeit widmen. Und die befasst sich selbstredend auch mit dem Segelflug. Unter dem Titel «Stress bei Segelflugpiloten während des Fluges» will er Daten über Herzfrequenzen von sich und weiteren Piloten sammeln und auswerten. Die vergangenen Sommerferien waren eine gute Gelegenheit dazu.