Abschied
Fliegender Kriegsveteran soll dem Grenchner Flugplatz erhalten bleiben

Seit 1946 steht eine Piper auf dem Flugplatz Grenchen. Nun aber soll das gute Stück verkauft werden. Das Flugzeug mache im Portfolio der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG keinen Sinn mehr, heisst es.

Peter Brotschi
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Der Oldtimer Piper J3C L-4 HB-OUS ist gern gesehener Gast an Flugtagen: Hier auf dem Flugplatz Gheid in Olten am 17. August 2007.

Der Oldtimer Piper J3C L-4 HB-OUS ist gern gesehener Gast an Flugtagen: Hier auf dem Flugplatz Gheid in Olten am 17. August 2007.

Archiv PBG

Das Flugzeug ist so etwas wie eine fliegende Legende. Seit 1946 ist die kleine Piper mit der Registrierung HB-OUS auf dem Regionalflughafen Grenchen stationiert. Es ist zugleich das einzige Flugzeug, das im Besitz der Flughafengesellschaft Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG ist. Die Nachricht «Die OUS wird verkauft» hat die Fliegergemeinde des Flughafens Grenchen jetzt aufgeschreckt.

Denn «die OUS» ist nicht einfach ein Flugzeug. Seit 67 Jahren ist die Piper J3C L-4 Cub ununterbrochen in Grenchen beheimatet. Unzählige Pilotinnen und Piloten sind mit der zweisitzigen Maschine geflogen oder haben auf ihr die Ausbildung gemacht. Flughafendirektor Ernest Oggier beruhigt aber: «Die Oscar-Uniform-Sierra soll zwar veräussert werden, weil das Flugzeug im Portfolio der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG (RFP) keinen Sinn mehr macht. Hingegen hat sich der Verwaltungsrat dafür ausgesprochen, dass die rot-weisse Maschine in Grenchen verbleiben muss», gibt er zu verstehen. «Die Piper ist seit fast sieben Jahrzehnten eng mit der Geschichte des Grenchner Flughafens verbunden und besitzt somit einen klaren historischen Wert.»

Eine Ära soll ihr Ende nehmen

Geschichtsträchtig ist der Flugzeugtyp schon von seiner Herkunft her. Die Bezeichnung L-4 ist nämlich militärisch und bedeutet, dass die «OUS» während dem Zweiten Weltkrieg bei der US Army geflogen ist. Zusammen mit Tausenden anderen Flugzeugen des gleichen Typs war die Piper im Kriegsgebiet unterwegs als Beobachtungsflugzeug für Feuerleitoffiziere der Artillerie, als Verbindungsflugzeug und als Fotoplattform für Kriegsberichterstatter.

Bei Kriegsende wollten die Amerikaner die überzähligen Flugzeuge nicht mehr über den Atlantik zurücknehmen. Fast meterweise wurden sie billig verkauft, auch in die Schweiz. Die Grenchner Flugzeugbaufirma Farner liess die Cub mit der amerikanischen Militärregistrierung 43-30211 als HB-OUS im Schweizer Luftfahrzeugregister eintragen.

Zum Zivilflugzeug umgebaut wurde die Piper im Sommer 1946 im Flugzeugwerk Emmen. Am 5. September dieses Jahres startete der bekannte Militär- und Werkpilot Walter Laederach zum Abnahmeflug. Erster Eigentümer in Grenchen war der Grenchner Unternehmer und Flieger Erwin Kocher. Da ihm die Uhrenfabrik Eska gehörte, fand sich der Schriftzug – und zeitweise auch ein stilisiertes Zifferblatt – auf dem Rumpf. Anschliessend wechselte das Flugzeug mehrmals die Hände, bis die Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG am 1. Juni 1965 Besitzerin wurde. Nach fast 50 Jahren soll diese Ära nun auch zu Ende gehen.

«Heugümper» wären interessiert

9297 Flugstunden und 27 441 Landungen stehen in den Flugbüchern der HB-OUS. Das Flugzeug hat schon einiges mitgemacht, sei es im Krieg oder in seiner zivilen Existenz.

Auch Unfälle gab es einige zu verzeichnen. So kam es am 23. Juli 1962 in Langenthal zu einem Überschlag. Am 6. August 1970 meinte ein Flugschüler der Fliegerischen Vorschulung (FVS) der Luftwaffe, auf zwei Meter Höhe sei die Landung fertig: Die Piper krachte dermassen auf den Boden, dass schwerer Schaden entstand. Notlandungen im Gelände mit Beschädigungen gab es noch in den Jahren 1986 und 1994.

Eine spezielle Reise unternahm der junge Pilot Balz Schärer im Mai 2001: In 31 Flugstunden steuerte er die HB-OUS über Österreich, Ungarn, Italien und Frankreich um den ganzen Alpenbogen.

In den letzten Jahren flog eine Gruppe Piloten auf dem Flugzeug, die sich «Heugümper» nannte. Dies in Anlehnung, dass man mit einem Piper Cub auf jedem Heufeld landen kann. Gemäss Ernest Oggier will die Flughafengesellschaft dieser Gruppe Zeit geben, dass sie sich für eine Übernahme des Flugzeugs konstituieren kann. Denn eines ist sicher: Die Piper HB-OUS gehört zum Flughafen Grenchen wie der Kontrollturm.