Grenchen

Firma Bolliger nimmt Reinigungsanlage für Strassenwischgut in Betrieb

Seit einigen Tagen ist die neue Strassenwischgut-Reinigungs- und Trocknungsanlage der Firma Bolliger an der Niklaus-Wengi-Strasse in Grenchen in Betrieb. Am 1. Mai kann die Bevölkerung hinter die Kulissen blicken.

Die Halle in der Industriezone springt durchaus ins Auge, nicht nur weil sie knallorange - in den Firmenfarben - realisiert wurde. Auch die Höhe von 20 Metern ist beträchtlich.

Gegen 5 Millionen Franken hat der Familienbetrieb in die neue Anlage investiert, die all das behandelt, was die Wischfahrzeuge auf den Strassen und Plätzen zusammenkehren oder bei Kanalreinigungen aus den Schächten saugen: Staub, Sand, Steine, organisches Material und Abfallresten.

Kreislauf herstellen

«Ziel ist es, einen kompletten Kreislauf für dieses Material herzustellen, sodass dafür kein Deponieraum mehr beansprucht werden muss», erklärt Marcel Bolliger. 98 Prozent des angelieferten Materials soll wiederverwertet werden. Dies sei jetzt mit der wohl modernsten Anlage der Schweiz möglich. Diese werde zurzeit im Testbetrieb gefahren und alle Parameter so eingestellt, dass später ein vollautomatischer Betrieb möglich wird.

Die Auftrennung des Strassenwischgutes erfolgt in mehreren Arbeitsabläufen: Die Fahrzeuge werden gewogen, deponieren das Material in einem Bunker, oder direkt in der Anlage. Dann werden Sand und gröbere Steine herausgeholt und das organische vom anorganischen Material getrennt. Sand und Steine können als Baumaterial rezykliert werden, das organische Material wird gehäckselt und kann in den Brennöfen von Vigier Zement in Péry als Brennstoff verbrannt werden.

Dazu muss es allerdings zuerst getrocknet werden, denn die Auftrennung der Fraktionen erfolgt im Wasser, was laut Bolliger eine sauberere Trennung ergibt. Zu diesem Zweck wurde südlich der Anlage ein grosses «Treibhaus» errichtet, wo das Material mittels automatischen Rechen verteilt und immer wieder umgeschichtet wird, bis es nach mehreren Tagen staubtrocken ist. Dabei geht auch ein Grossteil des vorherigen Volumens verloren.

Für die Aufteilung der Fraktionen werden grosse Mengen Wasser benötigt. Dieses zirkuliert laut Bolliger in einem geschlossenen Kreislauf und wird immer wieder gefiltert. Der herausgefilterte Feinschlamm enthält oft problematische Stoffe und musste bisher auf Reaktordeponien abgelagert werden. In der neuen Anlage kann er ebenfalls getrocknet und als Zuschlagstoff in der Zementherstellung verwendet werden. Ein Zementofen erreicht nämlich Temperaturen bis 2000 Grad.

Tag der offenen Tür

Die Verarbeitung einer Tonne Strassenabraum kostet die Kunden 150 Franken. Über die in der Anlage künftig verarbeitenden Tonnagen kann Bolliger noch keine Angaben machen. Es würden wohl in absehbarerer Zeit auch weitere Anbieter auf den Markt kommen. Man wolle aber mit der neusten Technologie vorne mitmischen. Dies sei auch dank der raschen und unproblematischen Baubewilligung der Stadt möglich geworden.

Die Anlage wird im Beisein der Behörden von Stadt und Kanton am kommenden 1. Mai offiziell eröffnet. Am Nachmittag ab 14 Uhr ist die Bevölkerung zu einem Blick hinter die orange Fassade eingeladen.

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