Grenchen
Fertig wird die Anlage der Eisenbahn-Amateure nie sein

Seit 50 Jahren sind die Eisenbahn-Amateure beim Eingang des Grenchenberg-Tunnels beheimatet. Am Wochenende wird die Ausstellung im Rahmen der Modellbautage der Öffentlichkeit präsentiert.

Patric Schild
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Neu zu sehen ist die Brienz-Rothorn-Bahn.

Neu zu sehen ist die Brienz-Rothorn-Bahn.

Patric Schild

Hoch oben über dem Grenchenberg-Tunnelportal an der Rebgasse thront ein kleines Häuschen, welches recht deutlich aus seiner Nachbarschaft heraussticht. Es ist das Vereinslokal der Grenchner Eisenbahn-Amateure (EAG).

Seit 50 Jahren sind die Modellbahnliebhaber in der kleinen, aber feinen Hütte beheimatet. «Das ganze Gebäude wurde dazumal aus dem Welschland hierher verfrachtet und in Fronarbeit wieder aufgebaut», erklärt Mario Plüss. In seiner früheren Funktion sei es als Baubaracke verwendet worden. Plüss ist langjähriges Mitglied und nebst seiner 40-jährigen Tätigkeit als Kassier fungiert er auch als Allrounder für den Verein. So ist er beispielsweise als Wirt des «Dunnu-Beizli» für die kulinarische Verköstigung an den Modellbautagen zuständig.

Imposant präsentieren sich die gewaltigen Geländeplatten im Innern des Lokals, wo sich Miniaturzüge durch Berge hindurch, an einem See vorbei und durch «detailverliebtes» Terrain schlängeln. «Das ist ein Generationenwerk», sagt Plüss. Seit 56 Jahren besteht der Verein, wo die Mitglieder ihrem Eisenbahn- und Modellbau- Hobby frönen können.

Gelände in stetigem Wandel

Abgeschlossen wird die Miniaturlandschaft aber nie sein, denn das Gelände befindet sich im stetigen Wandel. Ständig werden einzelne Sektionen um- oder neugebaut, auch, um den Besuchern immer wieder etwas Neues präsentieren zu können. Die aktuellste Erweiterung ist die Brienz-Rothorn-Bahn, welche an den diesjährigen Modellbautagen bestaunt werden kann.

Noch laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Gerade waren die Putzwagen auf den Gleisen unterwegs. Das sind Waggons, die mittels Reinigungsmechanismus Schmutz vom Schienenkopf entfernen. «Man glaubt gar nicht, was dabei alles zum Vorschein kommt», sagt Plüss lachend.

Beizli und grosse Tombola

Aber auch abseits der Gleise ist alles in vollem Gange. Der dreitägige Anlass erfreut sich jedes Jahr wieder grosser Beliebtheit und so hofft man auch heuer wieder auf einen regen Andrang. Man rechnet, dass rund 400 Mahlzeiten, zubereitet in der kleinen hauseigenen Küche, über den Tresen wandern werden. Auch bei der Tombola, die der Eisenbahnfan zusammen mit seiner Frau organisiert, gibt es wieder ein vielfältiges Angebot an Preisen zu gewinnen. Sie stammen allesamt von Geschäften aus der Umgebung. «Ein guter Draht zum hiesigen Gewerbe ist uns sehr wichtig», sagt Plüss, der
45 Jahre in der ETA tätig war.

Die Modellbautage machen einen grossen Teil der Einnahmen des Klubs aus. Diese werden unter anderem auch benötigt, um die Modelleisenbahnanlage auf dem neusten technischen Stand zu halten. Nebst der Tombola spielen für die Einkünfte auch die Sponsoren eine gewichtige Rolle. Diese erhalten für einen Beitrag von 50 Franken eine besondere Form der Reklame. Ein Zug kutschiert Visitenkarten mit ihrem Logo quer durch die Modelllandschaft.

Nachwuchs gesucht

Doch wie viele Vereine in der heutigen Zeit, kämpfen auch die Grenchner Eisenbahn-Amateure mit Nachwuchsproblemen. Noch gerade 21 Mitglieder zählen sie. «Vor 30 Jahren hatten wir rund 75 Mitglieder», erklärt Plüss. Um die Aufmerksamkeit der Kleinen auf ihre Bahnen zu lenken, engagieren sich die «Eisenbähnler» beim Selzacher Ferienpass, wo die Kinder zwei Stunden lang in die Welt der Modelleisenbahnen eintauchen und selbst erste Erfahrungen als Zugsverkehrsleiter sammeln können. «Wenn die Eltern sie dann abholen kommen, können sich einige nur schwer wieder von den Knöpfen am Schaltpult trennen», so das langjährige Vereinsmitglied mit einem Schmunzeln. Grenchner Schüler schauen dabei aber in die Röhre. Seitens des Vereins bestehe seit Jahren das Bestreben, in der Uhrenstadt ebenfalls ein Programm für die Kleinen anzubieten. Doch bei den Verantwortlichen des Grenchner Ferienpasses stosse man bisher auf taube Ohren.

Dabei sei es, wichtig die Leute schon früh zu begeistern. Später, in der Pubertät, würden die Prioritäten bereits wieder anders gesetzt werden. «Wenn du den Lehrlingslohn jedes Mal in tausendfränkige Züge investierst, wird die Freundin wenig Freude verspüren», witzelt Plüss. Wenn sie dann aber über 30 sind, finanziell abgesichert und eine Familie haben, würden sich viele zurückbesinnen und wieder ins Hobby einsteigen.

Öffnungszeiten der Ausstellung und des «Dunnu-Beizli»: Freitag, 23. Oktober, 17–22 Uhr; Samstag 10–22 Uhr; Sonntag 10–18 Uhr. Standort: Rebgasse 30b.

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