Grenchen

Ferienpass trotzt den Coronazeiten – es hat noch offene Plätze

Der Ferienpasskurs im Kultur-Historischen Museum. (Archiv)

Der Ferienpasskurs im Kultur-Historischen Museum. (Archiv)

Während andernorts die Kinder in den Ferien zu Hause bleiben müssen, wurde in Grenchen das Angebot des Ferienpasses modernisiert.

Zu den Herbstferien gehört in Grenchen immer das traditionelle Angebot des Ferienpasses. Hunderte Kinder konnten bisher aus rund 150 Kursen auswählen, um sich zu beschäftigen, sich weiterzubilden oder einfach Spiel und Spass zu haben. Dass im Coronajahr einiges anders laufen wird, war schon früh absehbar. Die grosse Frage lautete: Ferienpass durchführen oder absagen. – «Wir haben uns für eine Durchführung entschieden, wenn sich die Coronabedingungen nicht plötzlich massiv verschlechtern», sagt Stefanie Ohlwein-Grass.

Die Wahl-Bettlacherin mit deutschen Wurzeln ist neu zuständig für die Koordination des Ferienpasses, die wie bis anhin durch das Netzwerk Grenchen erfolgt. Und so sind denn seit Samstag bis zum 18. Oktober wieder Ferienpass-Aktivitäten in der ganzen Stadt und Umgebung im Gang. «Es war mir ein persönliches Anliegen, dass der Ferienpass auch dieses Jahr stattfinden kann», meint Ohlwein-Grass. Denn für viele Grenchner Eltern und Kinder gehört er zum fixen Jahresprogramm und er bedeutet eine wichtige Animation für alle Bevölkerungsschichten.

Stefanie Ohlwein-Grass, die Verantwortliche für den Grenchner Ferienpass

Stefanie Ohlwein-Grass, die Verantwortliche für den Grenchner Ferienpass

Weniger Angebote und weniger Teilnehmer

Das Interesse habe gegenüber den Vorjahren aber schon spürbar nachgelassen, sowohl bei den Kursanbietern wie bei den Kindern, erklärt Ohlwein-Grass weiter. Dass dies hauptsächlich auf Corona zurückzuführen ist, sei wahrscheinlich.

Immerhin umfasst das Kursangebot zurzeit 59 Veranstaltungen mit 96 Durchführungen, für die sich bis am Dienstag 173 Teilnehmer (104 Mädchen und 69 Jungen) angemeldet haben. Die meisten belegen gleich mehrere Kurse, sodass bis jetzt 826 Buchungen gezählt wurden. Die Kosten betragen wie bisher 25 Franken (Flatrate unabhängig von Kurszahl) plus allfällige Materialkosten bei einzelnen Angeboten.

Anders als früher ist, dass man sich auch noch während der ganzen Ferienpass-Dauer für Angebote entscheiden und sich im Internet einschreiben kann. Der Grenchner Ferienpass hat dafür eine neue Online-Plattform in Betrieb genommen, die umfassende Informationen über die einzelnen Kurse, die Belegung, allfällige zusätzliche Kosten etc. liefert. Das Tool, das von Pro Juventute speziell für Ferienpässe zur Verfügung gestellt wird, hat auch vielfältige Filterfunktionen, sodass man beispielsweise anzeigen kann, welche Angebote es an bestimmten Tagen gibt. Es kann auch nach Kategorien und Durchführungsorten gesucht werden und das Portal ist für Mobile optimiert.

Papier hat endgültig ausgedient

Papier und Anstehen beim Verkauf der Ferienpässe gehören der Vergangenheit an. «Corona hat so gesehen auch zu einer Modernisierung des ganzen Ferienpass-Backoffice geführt», erklärt die Koordinatorin, die heuer zum ersten Mal am Drücker ist. Sie habe zwar früher schon als Helferin mitgemacht, diesmal ist es aber «professionell». 10 Prozent ihrer Teilzeitanstellung beim Netzwerk Grenchen wendet sie für den Ferienpass auf.

Das Programm bleibt zwar vielfältig, leider gehören aber die Publikumslieblinge, die Blaulicht-Organisationen, dieses Jahr zu den Corona-Opfern. Bei Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst finden diesmal keine Kurse statt. «Diese Organisationen könnten es sich nicht leisten, ihre Leute in Quarantäne zu schicken, und wollen aufgrund der vielen Kontakte, die mit dem Ferienpass verbunden sind, kein Risiko eingehen», erklärt Ohlwein-Grass zu den Absagen. «Das ist zwar schmerzhaft für uns, aber nachvollziehbar», äussert sie Verständnis.

Ferienpass Polizei Im Bild: Michèle Kohler vom Rettungsdienst Grenchen erklärt den Kindern im Rettungsfahrzeug an einer Puppe verschiedene Dinge, wie Infusion stecken oder Beatmen.

Keine Kurse gibts unter anderem beim Rettungsdienst Grenchen.

Ferienpass Polizei Im Bild: Michèle Kohler vom Rettungsdienst Grenchen erklärt den Kindern im Rettungsfahrzeug an einer Puppe verschiedene Dinge, wie Infusion stecken oder Beatmen.

Schutzkonzept des Dachverbandes

Der Ferienpass werde ohnehin mit einem speziellen Coronaschutzkonzept durchgeführt, über das alle Kursorganisatoren orientiert sind. Es werde ein konsequentes Contact-Tracing betrieben, auch bei kurzfristigen Anmeldungen. Grundsätzlich gilt das Rahmenschutzkonzept des Dachverbandes offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz, das auf der Ferienpass-Website einsehbar ist. Dazu müssen Veranstalter die Schutzkonzepte der jeweiligen Branchen und Verbände beachten. Aber auch so versprechen die Kurse allerhand Interessantes, vom 3D-Drucken für Jugendliche (ausgebucht) über die Süssmostherstellung bis zum autogenen Training für Kinder.

Weitere Renner wie Besuche auf dem Flughafen oder auf dem Bauernhof werden durchgeführt. «Speziell freut mich, dass doch noch Kurse im Bouldern zu Stande gekommen sind, diesmal halt in Biel statt in Solothurn», meint Ohlwein-Grass zu einer Sportart, die sie selber pflegt und die sich gemäss Anmeldungen auch bei den Grenchner Kindern einer grossen Beliebtheit erfreut.

Wechselnde Vorlieben der Kinder

Was bei den Jugendlichen gut ankomme, sei jeweils schwer vorauszusagen, meint die alleinerziehende Mutter einer fünfjährigen Tochter. Der neue Ballettkurs von Barbara Bernard ist schon fast ausgebucht, während es bei Fussball, Unihockey oder Judo noch viele offene Plätze hat. «Dies hängt aber oft auch mit den unterschiedlich grossen Infrastrukturen und Kapazitäten der Anbieter zusammen», meint sie.

Die Höhe des Budgets steht gemäss Ohlwein-Grass noch nicht fest. Die Kosten werden durch Sponsoren, Elternbeiträge, Beiträge der Nachbargemeinden und durch die Stadt Grenchen getragen. Insbesondere habe der Regionalrat Coop 3'000 Franken anlässlich der Neueröffnung der Coop-Filiale in der Solothurnstrasse gespendet.

Ob der traditionelle Schlussanlass für die Veranstalter durchgeführt werden kann, ist zurzeit noch offen.


Anmeldung im Internet: grenchen.feriennet.projuventute.ch

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