Grenchen

Ferienpass bei Polizei und Rettungsdienst zeigt: Polizeihunden macht Regen nichts aus

Im Ferienpass wurde den Kindern ein Einblick hinter die Kulissen bei der Stadtpolizei und beim Rettungsdienst gewährt. Highlight: Die Demonstration der beiden Hundeführer mit ihren Polizeihunden, zwei feine Spürnasen.

Es war wohl das erste Mal seit gefühlten Jahrzehnten, dass es just an dem Tag, an dem die Stadtpolizei Grenchen zum Ferienpass einlädt, in Strömen regnete. Doch die 24 Kinder im Alter zwischen 9 und 13 Jahren liessen sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Schliesslich konnten sie das Polizeifahrzeug und die interessanten Dinge, die es da zu entdecken gab, «am Schärme» besichtigen und auch der Rettungsdienst hatte seinen Übungsplatz unter das Dach des Perrons verlegt. Nur die beiden Hundeführer und ihre Polizeihunde wurden nass, sehr nass.

Das ganz normale Polizeiauto

Stefan Zybach erläuterte den Kindern, was man so alles in einem Polizeiauto mit sich führt. Übrigens, ein ganz gewöhnliches Auto, ohne schusssichere Fenster oder ähnlich. Nur die Farbe und das Blaulicht sowie die mitgeführten polizeitypischen Utensilien machen den BMW zum Polizeiauto. Darunter auch neue Dinge, die im letzten Jahr noch nicht zur Ausrüstung gehörten: Schutzhandschuhe, die speziell bei Unfällen mit Elektroautos getragen werden, um die Beamten vor Stromschlägen zu schützen. Oder etwa die Spezialbrillen gegen Laser, wie sie zum Teil auch von Piloten getragen werden. Sie verhindern schwere Augenverletzungen, wenn Beamte von Übeltätern mit Laserpointern geblendet werden, wie das leider immer häufiger vorkommt. Ebenfalls neu im Einsatz sind die Taser, mit denen die Stadtpolizei seit ungefähr einem Jahr ausgerüstet ist.

Zybach zeigte den Kindern die über 18 Kilogramm schwere Schutzweste, einige wollten sie natürlich auch anprobieren. «Ist ja gar nicht so schwer», meinte einer der Buben. «Ja, aber wenn man sie dann während eines Einsatzes für längere Zeit tragen muss, spürt man’s schon», sagte der Polizeibeamte. Beim Alkoholtestgerät durfte ein Knabe reinblasen. Das Gerät schien korrekt zu funktionieren und zeigte 0,0 Promille an. Zybach zeigte den Kindern auch andere Geräte, wie einen Drogentest oder ein kleines Messgerät, um die Profiltiefe der Reifen zu messen. 1,6 Millimeter müssen es mindestens sein – bei Sommer- wie Winterreifen.

Bei einer Führung durch den Polizeiposten an der Simplonstrasse konnten die Kinder einen Blick hinter die Kulissen werfen: die Einsatzzentrale, diverse Büros, den Technikraum, den Waffenschrank, den Verhörraum, den Raum für den täglichen Rapport, den Pausenraum und die Info-Zentrale.

Das aussergewöhnliche Ambulanzfahrzeug

Beim Rettungsdienst der Stadt Grenchen, der sich auf dem Perron der BLS eingerichtet hatte, gab es interessante Einblicke ins Ambulanzfahrzeug. Rettungssanitäterin Michèle Kohler zeigte den Kindern anhand einer Puppe diverse Massnahmen, die der Rettungsdienst bei einem Notfall ergreifen muss, beispielsweise das Intubieren, also das Einführen eines Röhrchens in die Luftröhre, um jemanden zu beatmen oder das Schienen eines gebrochenen Handgelenks.

Kohler erklärte den Kids, wie eine Herzmassage funktioniert, was man mit dem Defibrillator macht – im Rettungswagen integriert in ein hoch entwickeltes Gerät, das nicht nur automatisch durch Stromstösse ein Herz wieder in den Takt bringen kann, sondern mit dem auch Blutdruck, Sauerstoffsättigung und EKG gemessen werden kann. Natürlich durften sich die Mutigsten auch untersuchen lassen – sie waren kerngesund.

Unter dem Dach demonstrierte Christina Salzmann die Geräte zur Bergung von Personen, wie ein Tragetuch, mit dem Leute aus Wohnungen geborgen werden oder clevere Bahren, die unter dem Patienten durchgeschoben und eingerastet werden können, um Personen mit Verdacht auf Rückenverletzungen möglichst schonend zu transportieren. Auch hier durften die Kids mit anpacken.

Die unglaublich feinen Hundenasen

Auf der Wiese beim Schulhaus Zentrum dann der Höhepunkt dieses Ferienpasskurses: Die beiden Hundeführer Iris Brunner mit ihrem 7-jährigen Deutschen Schäfer Kayos, ein ausgebildeter Drogenspürhund, und Marc Kohler, der die 3-jährige Inola, eine X-Machelaar-Hündin, dabei hatte. Die junge Hündin ist in der letzten Phase ihrer Ausbildung und wird Ende Oktober die Prüfung ablegen. Inola hatte ihren Hundeführer letztes Jahr im Ferienpass bei der Demonstration, wie einen Flüchtenden gefasst wird, derart ungestüm zu Boden geworfen, dass Kohler eine Gehirnerschütterung davontrug. Dieses Jahr verzichteten sie auf diesen Teil. Aber auch so war das Gezeigte beachtlich: Inola zeigte, wie sie perfekt auf Kommandos gehorcht, bei Fuss läuft, an Ort und Stelle bleibt, wenn Kohler ihr diesen Befehl gab, und auf Kommando losrennt wie der Teufel und ebenso abrupt auf Kommando wieder zu ihrem Hundeführer zurückkehrt. Ein Vorhängeschloss, das von Iris Brunner im Gras abgelegt wurde, fand sie innerhalb von Sekunden, nur durch den ausgezeichneten Geruchssinn.

«Für die Hunde macht es keinen Unterschied, ob es regnet oder nicht. Die Geruchspartikel bleiben so oder so in der Luft», erklärte der Hundeführer der Stadtpolizei. Hundenasen seien so fein, dass selbst drei Monate alte Spuren noch erschnüffelt werden können.

Der Schäfer von Iris Brunner bewies ebenfalls, dass er über ein sehr effizientes Riechorgan verfügt: Die Hundeführerin hatte unter einem Stein ein kleines Plastiksäcklein mit ein paar Krümeln Haschisch deponiert, in einem Röhrchen ein Säcklein mit Kokain. Beides fand Kayos nach nur wenigen Sekunden. Auch ein in einer Astgabel verstecktes Beutelchen mit Marihuana zeigte der Hund innert weniger Augenblicke an. «Für die Hunde ist das ein Spiel. Wenn sie die Drogen gefunden oder sonst eine Aufgabe erledigt haben, erhalten sie zur Belohnung ihr Lieblingsspielzeug. Das ist ihre Motivation».

Das nasskalte Wetter war wohl dafür verantwortlich, dass die Fragerunde bei den Kindern eher spärlich ausfiel. Aber sie haben doch einen sehr interessanten Nachmittag verbringen können.

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