Oftmals sehen wir einem Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Vreni und Peter Kuhn werden sich an dieses Ende wohl mit Freude zurückerinnern. Nach vielen Jahrzehnten der Stierenbergchilbi und nach 34 Jahren Besitz des Restaurants gehen sie im nächsten Frühjahr in Pension. Verabschiedet wurden sie mit dem Feldschlösschen-Sechsspänner.

Bereits lange vor der angekündeten Zeit versammelten sich viele Besucherinnen und Besucher beim Festbetrieb. Als dann endlich die schweren Schritte der Pferde zu hören waren, stand beinahe die gesamte Besucherschaft auf den Beinen. Was früher die Normalität war, ist heute bewundernswert. Im Jahre 1876 wurde die Feldschlösschenbrauerei gegründet. Damals wurde das Bier in Fässern im Zweier-, Vierer- oder Sechsergespann über die Gasthöfe an den Mann gebracht.

Ruhige, geduldige Tiere

Um die Jahrhundertwende besass die Brauerei mehr als 100 Pferde. Es sind auch heute noch belgische Kaltblüter. Sie werden bis zu 950 Kilogramm schwer und sind kräftig gebaut. Daher sind sie in der Lage, das gesamte Gespann zu ziehen. Roli, Amira, Aramis, Lord, Geronimo und Nico sind zwischen fünf und zwölf Jahre alt. Vorher sind die Tiere noch zu jung, um zu arbeiten. Erst mit dreijährig erhalten sie ihre Ausbildung. Sie beginnen Geschirr zu tragen, lernen, sich an Verkehr und Lärm zu gewöhnen und sie kommen mit Menschen zusammen. Doch auch ein Pferd hat nie ausgelernt: Täglich arbeiten die Fuhrhalter mit ihnen. Für Peter Nussbaumer, Teamleiter, und seine Leute sind die Pferde aber viel mehr als nur ein Job. Sie haben einen engen und emotionalen Bezug zu ihnen und sind stolz auf ihre Leistungen. Mit Recht: Auch am Samstag zeigten sie sich von ihrer besten Seite. Sie waren ruhig, geduldig. Man konnte meinen, sie genossen ihren Auftritt und die ihnen geltende Aufmerksamkeit. Sogar leicht eingeschüchterte Kinder vergassen ihre Angst, als sie das sanfte Fell und die liebevolle Nase dieser prächtigen Pferde anfassen durften.

So wie die Brauereipferde zur Schweizer Tradition gehören, so ist auch die Bergchilbi eine Tradition in Grenchen. Der Jodlerklub Bärgbrünnli und der Berggasthof Stierenberg waren verantwortlich für das Spektakel. Schlossfräulein Beatrice Garcia zapfte Freibier für die Besucher. Der Auftritt der Vollblüter sorgte für freudige Gesichter. Mit ein Grund, dass Nussbaumer und sein Team die Arbeit in Kauf nehmen und jährlich an bis zu 100 Festtagen ein Stück Schweiz am Leben erhalten.