Fliegerberufe
Fehler kann man sich in diesem Job nicht leisten

Einem Avioniker wird im Beruf viel Sorgfalt und Konzentration abverlangt. Der Job ist gefragt, doch viele Arbeitskräfte gibt es nicht. Und trotzdem fasziniert der Beruf so manchen Flugbegeisterten.

Lara Eggimann
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Thomas Burger kontrolliert in einem Helikopter die Avionics-Geräte. ler

Thomas Burger kontrolliert in einem Helikopter die Avionics-Geräte. ler

Solothurner Zeitung

Mit geschickten Handbewegungen demontiert Thomas Burger den TCAS – ein Gerät, das Kollisionen von Flugzeugen verhindern soll – um es auf seine Funktionstüchtigkeit zu testen. Der Test heute ist gut verlaufen, und so wird das lebensrettende Gerät wieder ordnungsgemäss montiert. Die Arbeit ist damit aber noch nicht zu Ende: Zuerst muss das gebrauchte Werkzeug fein säuberlich an einen festgelegten Platz weggeräumt und anschliessend gezählt werden. Würde ein Werkzeug fehlen, so müsste es gesucht werden, bis es gefunden ist. Es könnte nämlich während der Wartungsarbeiten im Flugzeug verloren gegangen sein, was verheerende Folgen haben könnte, die bis zum Absturz führen. Alltag für einen Avioniker.

Jeder Handgriff muss sitzen

«Sorgfalt und Konzentration sind unerlässlich in diesem Job», so Burger, der für das Quality Management bei der Firma Christen-Airtech AG zuständig ist. Er beruhigt aber: «Jedes Fluggerät wird immer von mehreren Personen kontrolliert, bevor es den Hangar verlässt. In der Ausbildung wird ein Avioniker auf äusserste Sorgfalt getrimmt, um das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren. Wir konnten so zum Glück bis jetzt jegliche Unfälle verhindern.»

Faszination Fliegerei

Ein Avioniker, oder auch Fluggeräteelektroniker, hat vielseitige Aufgaben. Von der Installation von Kommunikations- und Navigationsanlagen bis hin zur Kompletterneuerung ganzer Cockpits wird alles gemacht, sowohl an Helikoptern als auch an Flugzeugen. Die Avionicsgeräte werden repariert und die nötigen Zertifizierungen realisiert. «Die Faszination an diesem Beruf ist für mich aber die Fliegerei», so Burger. «Auf den regelmässigen Testflügen darf ein Avioniker in die Luft abheben. Dafür liebe ich diesen Job.»

Doch für ihn sind solche Testflüge zur Seltenheit geworden, denn er ist zu einem grossen Teil für Büroarbeiten zuständig. «Die Vorschriften im Luftfahrtbereich sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen und damit auch die Dossiers und Papiere, in denen wir alle Arbeitsschritte dokumentieren müssen. Einen nicht geringen Teil der Arbeitszeit sitze ich deshalb im Büro», erklärt Burger.

Arbeit auch am Wochenende

Trotz der Vielseitigkeit des Berufes sind Arbeitskräfte nicht im Überfluss vorhanden und es gibt relativ viele Aussteiger. Die Jungen kämen mit falschen Vorstellungen, meint Burger nachdenklich. «Viele unterschätzen, dass wir ein Dienstleistungsunternehmen sind, das sich nach dem Kunden richtet. Dies bedeutet, dass man oft lange und an Wochenenden arbeiten muss. Und wer das grosse Geld verdienen will, ist hier auch falsch.» Der Engpass an Arbeitskräften führe ausserdem dazu, dass oft auf anderen Flugplätzen ausgeholfen werde und man dafür auch einmal ins Tessin oder ins Wallis reisen müsse.

Lange Lehre

Ein weiterer Grund, weshalb es nur wenige Avioniker gibt in der Schweiz, ist, dass der Ausbildungsweg lang ist. Eine Berufslehre in Avionik gibt es nicht, also lernen die meisten zuerst einen Beruf im Elektronikbereich. Die Ausbildung zum Avioniker kann dann noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. «Die Dauer wird dadurch bestimmt, welche Lizenzen erworben werden», erklärt Burger. Zur Ausbildung gehören zudem regelmässige Weiterbildungen. «In der Avionik kann man es sich nicht erlauben, nicht auf dem neusten Stand zu sein. Die Geräte entwickeln sich ständig weiter.» So sei zum Beispiel das Programmieren zu einem festen Bestandteil der Arbeit geworden, was vor zwanzig Jahren noch nicht relevant war. Thomas Burger weiss: «Wer diesen Job machen will, muss schon angefressen sein. Avioniker ist kein alltäglicher Beruf. Es wird viel von einem verlangt. Trotzdem, für mich ist er einer der schönsten Berufe überhaupt.»