Grenchen.net
FDP will mehr Einfluss auf Internetportal

Die private Website grenchen.net erhält neue Sponsorengelder und soll in Zukunft politischer werden.

Patrick Furrer
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Solothurner Zeitung

«Es geht definitiv weiter», bestätigt Paul-Georg Meister, Betreiber von grenchen.net. Die Befürchtungen, das Internetportal könnte Ende Jahr eingestellt werden, scheinen zerschlagen, auch wenn für «pgm communications» per Ende Jahr das Standtanzeiger-Mandat zu Ende geht. «Wir werden vielmehr ausbauen und mit einem neuen Konzept auftreten.» Was das genau bedeutet, kann und will er noch nicht verraten. Derzeit verhandle er noch mit weiteren Sponsoren, und es sehe «gut» aus. Bereits im Frühjahr wurde bekannt, dass Meister sein Portal nicht einfach untergehen lässt und stattdessen mehr auf Werbung und Sponsoring setzen wird (wir berichteten).

Neu greift auch die FDP dem Portal finanziell unter die Arme. Gemäss Parteipräsident Alexander Kohli hat der Vorstand beschlossen, grenchen.net ebenfalls zu nutzen. «Ich habe ein vitales Interesse daran, dass Paul-Georg Meister mit grenchen.net überlebt.» Die FDP brauche ein zusätzliches Gefäss, um die Mitglieder «bei der Stange zu halten», und grenchen.net habe eine starke Breitenwirkung, erklärt Kohli.

Mehr Wirkung beim Publikum

Das finanzielle Engagement der FDP bestehe bereits seit diesem Sommer und sei vorerst auf ein Jahr befristet. Die Bannerwerbung kostet die Partei nur wenige hundert Franken, für weitere Publikationen sollen Pauschalen verhandelt werden. Die Unterstützung der Plattform und den Nutzen für die Stadtpartei begründet Kohli mit zwei Dingen: Erstens könnten so Veranstaltungen und Aktivitäten der FDP gut und umfassend einem breiten Publikum präsentiert werden. Zweitens könne sie ihre Anliegen besser transportieren.

Es gab im Vorstand zwar auch Mitglieder, die gegen das Sponsoring waren. Primär wohl aus Angst, als Mitläufer beim «SVP-Sprachrohr» zu gelten. Aber Kohli verneint. «grenchen.net ist nicht der verlängerte Arm der SVP, und wir werden das Portal gut im Auge behalten.» Würde es nach «rechts aussen» abgleiten, würde man natürlich reagieren.

Auch die SVP, welche bisher noch nicht offiziell als Partei ins Portemonnaie griff, gibt sich auf grenchen.net jetzt unmissverständlich als Sponsor zu erkennen. «Schön, dass die FDP jetzt auch Farbe bekennt», kommentiert Richard Aschberger, Präsident der SVP Stadt Grenchen. Für seine Partei aber ändere sich durch die offizielle Bannerwerbung nichts. Das Sponsoring sei schon länger SVP-lastig gewesen. «Uns geht es darum, Paul-Georg Meister den Rücken zu stärken, vor allem ideell, nicht nur finanziell. Er soll als Journalist arbeiten können, ohne sich vor Einschüchterungsversuchen oder Anzeigen fürchten zu müssen.»

Inhalt wird noch politischer

Ansässige Vereine, Unternehmen und sonstige Institutionen profitieren bereits jetzt stark von der Internetplattform. Was sich inhaltlich noch ändern wird, ist noch unbekannt. Im Dezember will PaulGeorg Meister darüber informieren. Klar ist, dass die Politik, und zwar vor allem die bürgerliche, bestens vertreten ist. Das zeigte sich speziell in den vergangenen Wochen und im Zusammenhang mit den Kinderbilderbuchtagen wieder, als erneut Vorwürfe gegen Stadtpräsident Boris Banga und dessen Ehefrau Barbara publiziert wurden.

Angesprochen darauf, ob er nicht zum Parteiensprachrohr mutieren könnte und befangen sei, reagiert Paul-Georg Meister unbeeindruckt. «Ich nehme nur Geld von Sponsoren an, welche die redaktionelle Hoheit akzeptieren und mir keine Vorschriften machen.» Es gebe im Hintergrund noch andere Sponsoren und Interessenten oder Sympathisanten, heisst es auch vonseiten Alexander Kohlis. grenchen.net werde noch viel politischer werden. Das sei auch für die FDP wichtig. Manchmal müsse es schnell gehen, wenn man eine «Message» transportieren will. In der Tagespresse sei es schwierig, Parteianliegen befriedigend publizieren zu können. «Und wenn wir etwas mitteilen», sagt Kohli, «wollen wir es nicht immer gleich infrage gestellt haben.»

Auch die CVP will das Thema Sponsoring demnächst ebenfalls zum Thema machen. Meister selbst will alle Parteien um Unterstützung anfragen.