Grenchen
Fazit zu Public Viewings: «Wetter machte uns kleinen Strich durch die Rechnung»

Auch in Grenchen konnte man die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien «live» miterleben. Die Veranstalter ziehen nach dem Turnier Bilanz. Diese fällt «mässig» aus.

Oliver Menge
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Volles Haus beim Vorrundenspiel Italien–Costa Rica.

Volles Haus beim Vorrundenspiel Italien–Costa Rica.

Hanspeter Baertschi

«Eigentlich bin ich Holland-Fan, schon seit ich 11 Jahre alt bin. Aber dennoch wurde die richtige Mannschaft Weltmeister, wenn man die Leistung übers ganze Turnier betrachtet», sagt Mehmet Polat vom «Baracoa», der auf der Bettlachstrasse vor seiner Bar das grösste und einzige Open-Air-Public-Viewing Grenchens organisierte.

Polat zieht eine etwas durchzogene Bilanz: «Für uns hat es sich mässig gelohnt. Das Wetter hat uns – zumindest letzte Woche – einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht.» Dienstag und Mittwoch, die Tage, an denen die beiden Halbfinalspiele stattfanden, lief auf der Bettlachstrasse im strömenden Regen rein gar nichts. «Wir hatten etwa je 20 Gäste, die sich das Spiel drinnen anschauten», sagt Polat. Ein Zelt hätte seiner Meinung nach auch nichts gebracht, weil es eben nicht nur nass, sondern auch kalt war.

Die Finalspiele seien etwas besser besucht gewesen, rund die Hälfte der Sitzplätze am Samstag und rund zwei Drittel am Sonntag waren belegt. Kein Vergleich zu den Spielen mit Schweizer Beteiligung, wie Polat sagt: «Schweiz– Frankreich und Schweiz–Argentinien, das waren die Highlights schlechthin. Wir hatten die Bude voller Fans, das war wirklich sehr toll.» Am meisten habe ihn beeindruckt, dass sehr viele Ausländer, ob Deutsche, Italiener, Ex-Jugoslawen oder Türken, mit Schweizer Leibchen und Fahnen die Schweizer Nationalmannschaft unterstützt hätten.

«Ebenfalls entscheidend war, dass die grossen Mannschaften früh nach Hause gefahren sind. Italien, England, Portugal und Spanien sind sonst Garanten für einen grösseren Publikumsaufmarsch. Ihr frühes Ausscheiden hat sich auch auf das Geschäft negativ ausgewirkt», sagt Polat.

Den nächsten Public-Viewing-Anlass plant Polat für die Europameisterschaft in zwei Jahren. «Dann werden wir auch aufrüsten: Statt wie bisher mit Beamer werden wir die Spiele auf einem grossen LED-Bildschirm zeigen.»

Angel Rodriguez aus, der im Kino Palace ein Public Viewing während der gesamten WM organisierte, zieht eine positive Bilanz. «Wir haben relativ wenig Aufwand betrieben und doch respektabel viele Besucher verzeichnet.» Erstaunlicherweise hätten zu Beginn des Turniers viele Junge, die «noch nicht in die Beiz gehen», sich die Spiele gemeinsam im Kino angesehen. «Erst im Verlauf des Turniers kam dann unser eigentliches Zielpublikum und in der letzten Woche war das ‹Palace› gut besucht. Klar waren auch bei uns die Schweizer Spiele die Highlights, da war wirklich viel los.» Viel verdient hat Rodriguez nicht: Zwar musste man 6 Franken Eintritt bezahlen, «dafür erhielt man dann aber auch ein Getränk und eine Portion Popcorn». Viel wichtiger sei ihm die gute Stimmung gewesen.

Ab morgen wird im Kino Palace wieder das normale Kinoprogramm laufen. Im Lauf des heutigen Tags sollte die Bettlachstrasse auch wieder befahrbar sein und für den Verkehr freigegeben werden, André von Arb und sein Team von AVA Sound&Light jedenfalls haben schon gestern Vollgas beim Abbau gegeben. Nebst Grenchen war die Bettlacher Firma noch für zwei weitere Public Viewings in Selzach und Solothurn zuständig.

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