Grenchen
Faszination Heli: Die Besucher des Heli-Fly-In kamen auf ihre Kosten

Auf dem Regionalflugplatz Grenchen fand am Wochenende ein Heli Fly-In statt. Ein Anlass, an dem sogar einige Helikopterpiloten und Fluglehrer mit ihren eigenen Maschinen aufgetaucht sind.

Oliver Menge
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Den Besucher wurde viel geboten.
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Weil es sich um ein Fly-In handelte, fanden sich Publikum auch einige Helikopterpiloten oder Fluglehrer, die mit ihren Maschinen gekommen waren.
Vorne der neue H130 der Mountain Flyer, dahinter die Nase des Leonardo AW 109 SP.
Eine weitere Attraktion für viele Besucherinnen und Besucher waren sicherlich auch die Rundflüge und Schnupperflüge, die man buchen konnte.
Aber: Die grossen Attraktionen der letzten Jahre fehlten.
Das hat seinen Grund: Die Firma, die massgeblich für die Organisation der zehn Heli-Weekends verantwortlich zeichnete, die HeliWest, wurde im April von der Belper Firma «Mountain Flyers» übernommen, die weiterhin in Grenchen die Heli-Basis betreibt.

Den Besucher wurde viel geboten.

Oliver Menge

«Faszination Heli» – unter diesem Titel fand die erste Nachfolgeveranstaltung des Heli-Weekends statt, welches im vergangenen Jahr zum letzten Mal durchgeführt worden war. Trotz mässigem Publikumsaufmarsch am Samstag – am Sonntag kamen schon mehr Leute zum Flughafen – kann man von einem erfolgreichen Weekend für Freunde des Helikopterflugs sprechen. Weil es sich um ein Fly-In handelte, fanden sich Publikum auch einige Helikopterpiloten oder Fluglehrer, die mit ihren Maschinen gekommen waren.

Schweizer Preisträger

Ihnen wurde Interessantes geboten: Zum einen war da Claude Vuichard, der vor 38 Jahren zu fliegen begann und lange bei Air Zermatt im Einsatz war, später während 14 Jahren den Bundesrat im Super Puma herumkutschierte. Vuichard hatte für ein bestimmtes und äusserst gefährliches Phänomen beim Helikopterflug, dem sog. Vortex, ein neuartiges Verfahren entwickelt, um sich aus der Situation zu befreien. Ein Vortex kann entstehen, wenn der Helikopter in seinen eigenen Abwind gerät. Bei voller Leistung rast die Maschine nach unten, mit 25 Metern pro Sekunde und zerschellt. «Der Tod des Piloten und der Insassen ist unausweichlich», so Vuichard.

Etliche Menschen kamen schon so ums Leben. Vuichard entwickelte ein spezielles Manöver am Steuer, das allen bisherigen Lehren und Ausbildungsgrundsätzen widersprach. Nach zähem Ringen und einer phänomenalen Demonstration mit einem Sprühheli auf Video, wurde sein Verfahren nach und nach von grossen Herstellern übernommen und im Ausbildungsprogramm integriert. Im Februar diesen Jahres erhielt er dafür die höchste Auszeichnung, den «2018 Helicopter Association International Salute to Excellence BLR Aerospace Safety Award» in Las Vegas. Sein Verfahren wird inzwischen fast überall auf der Welt ausgebildet und er reist für Vorträge umher - auch nach Grenchen.

Zum Anderen war mit der Firma VR-Motion ein Schweizer Unternehmen anwesend, das weltweit einzigartige Flugsimulatoren baut, speziell für Helikopter. Die in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rapperswil und einer deutschen Softwareherstellerfirma entwickelten Flugsimulatoren fanden insbesondere bei den Piloten grossen Anklang. Denn mit 3-D-Brillen und einem Cockpitsitz, der die Bewegungen simuliert, kann ein täuschend echtes Flugerlebnis erzeugt werden.

«Seit der Aero Friedrichshafen, an der wir den Simulator erstmals der Öffentlichkeit präsentierten, herrscht grosses Interesse. Mit diesen Geräten kann man viele Trainingsstunden in 3D absolvieren, etwas, das für Helikopterpiloten unabdingbar ist. Da muss man nach unten und auf die Seite blicken können, das ist in herkömmlichen Simulatoren mit Bildschirmen vorne nicht möglich», erklärt Fabian Riesen, Mitbegründer von VR-Motion.

Filmstars und neue Maschinen

Eine weitere Attraktion für viele Besucherinnen und Besucher waren sicherlich auch die Rundflüge und Schnupperflüge, die man buchen konnte. Und nicht zuletzt standen interessante Maschinen auf dem Platz, zum Beispiel die MMB BO 105 D HNWE. Diese Maschine war 24 Jahre als» Hummel 5» bei der Polizei Nordrhein Westfalen auf Verbrecherjagd. Danach war sie auf verschieden Missionen bei vier Deutschen Flugbetrieben weltweit im Einsatz, z.B. nach dem verheerenden Erdbeben 2010 in Haiti.

Für die Krimiserie «Alarm für Cobra 11» wurde sie wieder original-gespritzt und ist sage und schreibe fünf Mal «explodiert». Oder dann die Neuanschaffung der Mountain Flyer, der Organisatoren des Anlasses, ein Airbus H130, der leise Rundflugheli schlechthin mit sieben Plätzen und grossen Fenstern.

Aber: Die grossen Attraktionen der letzten Jahre fehlten. Das hat seinen Grund: Die Firma, die massgeblich für die Organisation der zehn Heli-Weekends verantwortlich zeichnete, die HeliWest, wurde im April von der Belper Firma «Mountain Flyers» übernommen, die weiterhin in Grenchen die Heli-Basis betreibt. «Um wiederum einen Anlass vergleichbarer Dimension auf die Beine zu stellen, dafür fehlte schlichtweg die Zeit», sagte Markus Graf, CEO der Mountain Flyers. Denn die Vorlaufzeit, um zum Beispiel den Sikorsky CH53 der deutschen Luftwaffe nach Grenchen zu holen, beträgt fast ein Jahr.

Aber man habe versucht, innerhalb der wenigen Wochen etwas auf die Beine zu stellen, mit einigen Attraktionen. So zum Beispiel der Erstvorführung des Bell 505, einer Nachfolgeversion des Bell 206 Jet Rangers, einem vielseitigen und häufigen Helikopters. Der B 505 wird bei der RUAG in Sion endgefertigt und ist momentan auf Europatournee. Bis Sonntagmittag hätte er in Grenchen sein und anschliessen hinauf nach Norwegen fliegen sollen. Doch aufgrund technischer Probleme oder zu vielen Stunden – so genau wisse man das nicht – musste er in die Maintenance und kam nicht nach Grenchen.

Auch sonst hätten einige angemeldete Piloten mit ihren Hubschraubern gefehlt: Eine Alouette 2 und eine Alouette 3 waren angemeldet. Die Rega war zwar in Grenchen stationiert, aber am Samstag wegen Gleitschirmunfällen und am Sonntag wegen eines Transports einer Frühgeburt ständig im Einsatz. «Wir wollen schon bald mit der Planung beginnen. Jetzt haben wir genügend Vorlauf, um für nächstes Jahr ein interessantes Programm mit Demonstrationen und Displays zusammenzustellen, darauf freue ich mich», so Graf.