Farewell, Pa! Gedenkbummel durch «Knorrli-Town»

Claudia Dahinden
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Bruno «Knorrli» Meier hat sich stark für die Jugend eingesetzt.
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Bruno «Knorrli» Meier hat sich stark für die Jugend eingesetzt.

Bruno «Knorrli» Meier hat sich stark für die Jugend eingesetzt.

Bild: zvg

Nie hat der Blick in meinen letzten Stadtbummel so geschmerzt wie diese Woche, als ich beim Überfliegen meines historischen Rundgangs in der Quartierstrasse 17 ankam. Denn der «pensionierte Vollblutlehrer», der dort «residierte» – mein lieber Pa Bruno «Knorrli» Meier – ist dort nicht mehr. Sein Velo steht, den neongrünen Helm am Lenker, hinter dem Haus und wartet vergeblich auf seinen lebenssprühenden Besitzer. Genau wie ich, die ich ihn bei einem Stopp vor unserem Haus zu sehen erwarte, wie er ein selbst gemachtes Risotto im Milchkasten verstaut.

Die Vergeblichkeit tut weh, aber gebummelt wird trotzdem – auf einer Abschiedstournee durch «Knorrli-Town». Ich beginne wieder am Südbahnhof, aber dieses Mal setze ich mich auf die Bank, auf der ich mit Pa während Corona einen spontanen «Coffee-to-go» inklusive Gemüseübergabe (ab Hof aus Staad) genoss. Danach geht’s nordwärts bis zum «Löwen», wo ich über die Strasse schaue und beim Anblick des «Baracoa» an die wunderbaren Hilari-Schnitzelbänke denke. Beim Gang über den Marktplatz ersteht Pa’s legendäres «Märet-Apero» vor meinen Augen – natürlich mit seinen mitgebrachten, stilvollen Weingläsern. Und spähe ich zum Wirth Sport, sehe ich ihn im Geiste mit dem zehnten Paar ON-Turnschuhe und dem neusten Hightech-Jäggli herauskommen. Noch mehr als das qualitativ herausragende Equipment schätzte Pa die Qualität der Freundschaften, die er mit dem Team pflegte.

Von hier führt mich mein Weg zurück in die Centralstrasse, wo ich ins «Eldorado» schaue – Ort vieler Englisch-Unterrichts-Treffen. Und von hier mache ich mich auf ins «Parktheater», Herkunftsstätte unseres letzten gemeinsamen Essens: geliefert von Pa und genüsslich verspeist in unserem Wohnzimmer Anfang Mai. Dann geht’s Richtung Kinderheim Bachtelen, wo Pa über 40 Jahre lang unterrichtet hat – gemäss manchem Facebook-Kommentar «der beste Turnlehrer ever».

Und dann nehme ich den Weg ins Chappeli auf mich und erinnere mich wehmütig, mit wie viel Stolz und Freude Pa hier seine Gastgeber-Tour in «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» eröffnet hat. Und es ist gut, dass ich mich an einem tröstlichen Ort befinde, wo ich in aller Stille ein paar Tränen vergiessen kann.

Du fehlst, Pa. Nicht nur mir. Die vielen bestürzten Reaktionen auf Deinen Tod haben mir deutlich gemacht, wie prägend Du für die Stadt warst. Und obwohl es meinen Schmerz vertieft, weil der Verlust nicht nur der meine ist, tröstet mich, wie viele Menschen sich mit Wertschätzung Deiner erinnern.

Du gingst zu früh, aber was Du in Dein Leben gepackt hast, schaffen andere in hundert Jahren nicht. In diesem Sinne: Farewell, Pa. Geniess Dein neues Daheim. Wir sehen uns.