Grenchen
Familienunternehmen veredlet und bringt Farbe und Glanz ins Leben

Mitte der 50er-Jahre lockte die boomende Uhrenindustrie die Kaltbrunner AG von der Ostschweiz nach Grenchen. Heute veredelt das Familienunternehmen Teile für die unterschiedlichsten Branchen.

Franz Schaible
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Daniel Oertle zeigt ein beschichtetes Teil als Beispiel. Hanspeter Bärtschi

Daniel Oertle zeigt ein beschichtetes Teil als Beispiel. Hanspeter Bärtschi

Wenn Sie die Kaffeemaschine starten, den Rasierapparat zur Hand nehmen, die Armbanduhr richten, die Brille aufsetzen, mit dem Kugelschreiber einen Brief schreiben oder das Auto lenken – dann ist die Chance gross, dass Sie indirekt mit der Firma Kaltbrunner AG in Kontakt kommen. Das Grenchner Familienunternehmen ist spezialisiert auf Beschichtungen und veredelt Materialien wie Kunststoff, Glas, Keramik und Metall für verschiedenste Anwendungen. «Namen kann ich aus Konkurrenzgründen keine nennen. Aber es handelt sich um namhafte Markenprodukte», sagt Firmenchef Daniel Oertle auf dem Rundgang.

Die auf zwei Etagen angesiedelten Produktionsräume wirken für einen Industriebetrieb ungewöhnlich aufgeräumt, sehr sauber, fast klinisch sauber. «Sauberkeit ist in unserer Branche Bedingung, um die verlangte Präzision und die Qualität garantieren zu können», erläutert der 39-jährige Unternehmer.

18 Beschichtungsanlagen unterschiedlicher Grösse sind im Einsatz. Die zu bearbeitenden Teile werden auf speziellen Haltevorrichtungen in die Vakuumkammer eingeführt. Nach Erzeugung des Vakuums werden die Schichtmaterialien in einem komplexen physikalischen Verfahren aufgetragen. Die Dicke der Schicht liegt im Tausendstel-Millimeter-Bereich, die Grösse der bearbeiteten Teile variiert – von der kleinsten Schraube bis zum Beleuchtungskörper von einem Meter Durchmesser. Die Temperatur in der Kammer beträgt bei Kunststoff als Trägermaterial bis rund 70 Grad, bei Metallen zwischen 100 bis 450 Grad. Das Verfahren nennt sich im Fachjargon Physical Vapour Deposition (PVD).

«Wir können fast alle Kunststoffe metallisieren», erklärt Oertle. Durch die Verdampfung von Metallen im Hochvakuum – das Spektrum reicht von Gold, Silber, Aluminium bis hin zu Chrom – erhalten Dekorations- und Gebrauchsgegenstände wie Möbelbeschläge, Bedienelemente usw. ihre gewünschte Oberfläche in verschiedenen Glanzgraden.

Auf Teile aus Metall wie Edelstahl oder Titan werden abriebfeste Hartstoff-Schichten aufgebracht. Da geht es um chirurgische Instrumente, Implantate, Uhrenkomponenten, Brillengestelle, Schmuckteile oder Schreibgeräte. Die Grenchner bearbeiten aber auch Teile für den Einsatz in der Maschinen- und Präzisionsindustrie. «Mit unseren Hartstoffbeschichtungen können wir den Verschleiss von Schneide-, Stanz- oder Biegewerkzeugen reduzieren und damit die Standzeiten der Werkzeuge verlängern.» Eine weitere Spezialität ist das Aufbringen von sogenannten Abschirmschichten auf Kunststoffteile zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV). Diese Beschichtungen bieten, so Oertle, einen wirkungsvollen Schutz gegen elektromagnetische Störungen und elektrostatische Aufladungen der Kunststoffteile. Diese Technologie komme bei IT-Komponenten, Messgeräten, Sensoren oder Steuergeräten zur Anwendung.

Das Familienunternehmen setzt auf eine lange Erfahrung, wurde der Betrieb doch bereits 1946 als Einzelfirma durch Hans Kaltbrunner gegründet. «Mein Grossvater baute die erste Beschichtungsanlage selbst und betrieb diese in der Küche», berichtet Daniel Oertle lachend. Zehn Jahre später erfolgte der Umzug von der Ostschweiz in die boomende Uhrenstadt Grenchen. 1984 übernahmen die beiden Schwiegersöhne Markus Oertle und Walter Bachmann das Unternehmen in zweiter Generation, und 1992 wurde der Neubau am heutigen Standort in Grenchen bezogen. 2004 wurde Markus Oertle alleiniger Eigentümer und sein Sohn, eben Daniel Oertle, trat in die Firma ein. Seit 2011 führt dieser den Betrieb in dritter Generation und ist auch Mehrheitsaktionär. Seit der Gründung hat das Unternehmen in mehreren Sprüngen stetig neue Technologien entwickelt. «Dabei haben wir kontinuierlich in den modernen Maschinenpark investiert. Auch dieses Jahr werden wir eine weitere Beschichtungsanlage der neuesten Generation anschaffen», sagt Oertle nicht ohne Stolz.

Heute beschäftigt die Grenchner Firma 30 Angestellte. Den Geschäftsverlauf bezeichnet Oertle als «recht konstant». Allerdings sei die Krise in den Jahren 2008/09 auch nicht spurlos vorbeigegangen. Aber dank der branchenmässig breit diversifizierten Kundschaft sei ein teilweiser Ausgleich der unterschiedlichen Konjunkturzyklen möglich gewesen. Allerdings sei das Volumen von vor der Krise noch nicht wieder erreicht. Für das laufende Jahr ist er insgesamt zuversichtlich, ohne aber eine verlässliche Prognose zu wagen. «Wir sind ein Lohnfertiger und treten nicht mit eigenen Produkten am Markt auf. Der Auftragseingang für unsere Veredelungsarbeit richtet sich nach den Kunden und ist deshalb sehr kurzfristig.»

Zudem sei der Wettbewerb gross. Dabei kann die Kaltbrunner AG eine Stärke ausspielen, die vielen KMU eigen ist. «Wir können individuelle, massgeschneiderte Lösungen anbieten. Zudem sind wir in der Lage, Einzelstücke bis hin zu Grossserien von mehreren hunderttausend Stück zu bearbeiten.» So sei es möglich, auch Privatkunden, die ihr Lieblingsteil am Auto oder an einem Gerät metallisieren wollten, zu bedienen. «Das ist unsere Firmenphilosophie.»

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