Umentscheiden kann sich ein Fallschirmspringer normalerweise nicht. Ist er erst einmal gesprungen, gibt es kein Zurück mehr. Anders im aktuellen Fall: Mitte Juni hatten die Mitglieder des Fallschirmklubs Skydive Grenchen an einer ausserordentlichen Generalversammlung beschlossen, den pink-gelben Pilatus Porter für fast 800 000 Franken generalüberholen zu lassen und keine 1,57 Millionen für ein neues Flugzeug auszugeben (wir berichteten).

Vor einer Woche hat der Klub diesen Entscheid an einer weiteren ausserordentlichen Generalversammlung wieder verworfen. Mit Mitgliederdarlehen kauft er auf Beginn der Saison 2012 nun doch ein Absetzflugzeug vom Typ PAC 750 XL aus Neuseeland. «Zudem wurde beschlossen, dass das bisherige Flugzeug zum bestmöglichen Marktpreis verkauft werden soll», heisst es in einer aktuellen Pressemitteilung.

«Erster Entscheid war überstürzt»

Wieso kommt alles anders? Klubmitglieder hatten nach der ersten Generalversammlung eine Petition gestartet und 71 Unterschriften für eine Neuabstimmung gesammelt. Dass sich die Klubmitglieder jetzt mit einer guten Zweidrittelmehrheit anders entschieden haben, erklärt Klubsprecher Starkl in erster Linie damit, dass die erste ausserordentliche GV zu überstürzt gekommen sei. «Der Vorstand vermutet, dass aus Unsicherheiten heraus entschieden wurde, lieber beim Altbewährten zu bleiben. Der neue Entscheid aber ist eindeutig.» Skydive sieht Chancen in der Anschaffung des neuen Fliegers, für den Klub wie die Bevölkerung.

Nebenbei dürfte der Kauf der Fluglärmproblematik Rechnung tragen. Da der neue Flieger 14 statt wie bisher 10 Springer aufnehmen kann, muss weniger oft gestartet und gelandet werden. «Weniger Flugbewegungen, weniger Lärmemissionen», erklärt Simon Starkl. Die tatsächliche Anzahl der Absetzflüge könne markant reduziert werden, um 150 Flüge oder 80 Stunden Flugzeit jährlich. Als weitere Neuerung wird die PAC 750XL für zusätzliche 37 000 Franken mit einem lärmarmen Vierblattverstellpropeller ausgerüstet.

Zwar gibt es Piloten, die bezweifeln, dass die Lärmminderung subjektiv wahrnehmbar sein wird, Simon Starkl ist gleichwohl überzeugt: «Jedes Dezibel zählt.» Ausserdem sollen in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Flughafens die Steig- und Sinkflüge optimiert werden. Eines ist bereits klar: Mit der neuen Maschine werden die Skydiver nicht mehr von der Graspiste starten können. Ihre Maschine muss stärker in den Flughafenverkehr eingebunden werden, was für die Fallschirmspringer Wartezeiten bedeuten kann.

Frische Luft an Vorstandsspitze

Die Neuanschaffung war für den Verein ein wichtiger, strategischer, und kein leichter Entscheid. Neun von zehn Piloten haben als Konsequenz nun den Austritt gegeben (siehe Text links). Ausserdem wird der Vorstand neu zusammengesetzt. Nicht alle Vorstandsmitglieder hätten hinter der hohen Ausgabe stehen können, sagt Starkl. «Der Klub braucht aber Leute, die die Strategie mit voller Überzeugung vertreten.» Zerstritten habe man sich nicht, verschiedene Überlegungen, auch persönliche, hätte die Vorstandsmitglieder dazu bewogen, einer Neukonstituierung zuzustimmen.

Aus dem siebenköpfigen Vorstand zurücktreten werden Präsident Bruno Rychen, Vize Matthias Schaffitz, der Kassier und der Chefpilot. Simon Starkl ist überzeugt, dass der Wechsel eine Chance ist. So sollen letztlich auch jüngere und weibliche Mitglieder in den Vorstand gewählt werden. Ausserdem will man künftig das Vereinsleben wieder stärker pflegen. Starkl ist sicher, damit ist Skydive fit für die Feier zum 40-Jahr-Jubiläum im 2012.