Wenn der 1939 im bernischen Schlosswil geborene Emil Moser aus seinem Leben erzählt, gibt es viel zu lachen. Der Grenchner erinnert sich an Begebenheiten und Erlebnisse, die sich tief in sein Gedächtnis gebrannt haben. Dabei gab es vor allem in seiner Jugend wenig Erfreuliches.

Im Buch «Lengnau wie es früher war» sind seine Eltern abgebildet, umringt von 13 Kindern. «Das bin ich», zeigt er auf einen kleinen Jungen mit rotem Haarschopf. Kennengelernt hat er seine Eltern erst mit sechs Jahren, als Kleinkind wurde er zu Onkel und Tante in Huttwil verdingt. «Kinder waren für meinen Vater Lebensversicherung, nicht mehr», sagt er ruhig. Seine Eltern verkauften das Bauernanwesen im Emmental und zogen nach Lengnau - Verdienstmöglichkeiten in der Uhrenindustrie lockten. Der kleine Emil erkrankte an Tuberkulose.

Schwere Zeit machte ihn stark

«Es war eine schlimme Zeit», sagt Moser heute, wenn er an den Kuraufenthalt in Zweisimmen zurückdenkt. Er wurde im Bett angebunden, hatte kaum Besuch und erhielt, im Gegensatz zu andern Kindern im Spital, keine Geschenke. «Hier liegt wohl meine Eigenständigkeit begründet», resümiert er diese Leidenszeit.

In Lengnau hat er die Schulen besucht, wurde wegen seiner Haarfarbe gehänselt und als Bauernbub oft ausgegrenzt. «Die Lehrerin war eine dumme Kuh», entfährt es Moser, wenn er an die Strafen mit dem Lineal und die schlechten Noten zurückdenkt. Mit den Lehrern Hans Renfer und Emil Schibli, dem Schriftsteller, hat «Miggu» sich dann ausgezeichnet verstanden. Er war Mitglied der Knabenmusik und spielte mit seinen Brüdern Hausmusik. Schlagermelodien im Dixielandstil, Chris Barber nachempfunden, liessen die heimkehrenden Arbeiter abends vor Mosers Haus stehen bleiben. Seine Brüder, Werner und Ernst, die als «Moser-Buebe» 35 Jahre unterwegs waren wie auch Helmut als Alleinunterhalter und ausgezeichneter Trompetenspieler sind Zeugen einer musikalischen Familie.

Wie er zum Handörgeli kam

Emil Moser lernte den Beruf des Acheveurs und begann damit seine Karriere in der Uhrenindustrie. Das Winterquartier des Circus Nock befand sich unweit seines Elternhauses. Moser war oft bei den Zirkusleuten anzutreffen und stets war es lustig, es wurde viel gelacht. Dort erhielt er den Übernamen «Grock», in Erinnerung an den grossen Clown. Manche nennen ihn noch heute so.

«Dann kaufte ich mein erstes Handörgeli», erzählt Moser, und am gleichen Abend habe er bereits den Schneewalzer mit der rechten Hand gespielt, schiebt er nach. «Ich habe viel von der Musik profitiert.» Bereits in der Rekrutenschule wurde er als Musikant wahrgenommen und auch ein bisschen privilegiert deswegen. Seine offene Art, die Selbstständigkeit und der Durchhaltewille haben ihn stark gemacht. In der ETA hat er sich bis ins Kader hochgearbeitet.

Skiferien verbrachte er regelmässig im Bündnerland und im Wallis und machte mit seinem Freund, Heinz Stettler, Musik. Ihr Duo «Fix und Foxi» wurde bekannt. «Formationen wie ‹Ringgi und Zofi› oder ‹Jogi und Bubu› gab es halt schon in dieser Zeit», berichtet Moser schmunzelnd.

1966 hat er erstmals geheiratet. Sein Sohn Marc lebt in Afrika. Die beiden Töchter aus der zweiten Ehe, die Familie, bewogen ihn als Musikant leiser zu treten. Heute tritt er noch fünf bis sechs Mal an privaten Anlässen auf und staunt, wie sich auch junge Menschen für Stimmungsmusik begeistern können. Er spielt ohne Noten, singt Schlager und eigene Lieder. Stolz ist er auf sein «Grenchner Lied» in Fis-Dur. In seinem Keller, wo er regelmässig übt, klingt der Satz aus dieser Komposition «Wenn i gsung bi, bin ig riich» fröhlich und lüpfig. «Andern Leuten mit Musik Freude machen», bleibt sein Motto. «Ich würde alles hergeben, nur meine Handorgel nicht», meint Emil Moser mit schelmischem Lächeln.