Der Grenchner Bauunternehmer Alex G.* steckt in der Klemme. Anfang März wurde über die in der Stadt angemeldete Einzelfirma des 62-Jährigen der Konkurs eröffnet – seither wartet das kantonale Konkursamt in Oensingen vergeblich auf eine Meldung von G., der bisher kein Telefonat angenommen und keinen Brief beantwortet hat, wozu er gesetzlich verpflichtet wäre.

Zurück bleiben Gläubigerforderungen, offene Versicherungsbeiträge und Ausstände bei der Kehrichtbeseitigungsanlage Kebag in Zuchwil, wo G. sich zum gerichtlich angeordneten Schlichtungsverfahren nicht blicken liess. Inzwischen hat das Konkursamt rechtliche Schritte eingeleitet.

Über die Höhe der Schulden und darüber, zu welchen Teilen sie eventuell inzwischen beglichen wurden, ist wenig bekannt. Seinen Werkhof unterhalb des Südbahnhofs musste G. längst aufgeben. Das Konkursamt macht zum Fall selbst keine detaillierten Angaben. Von einem ungewöhnlichen Fall spricht allerdings der Dossierzuständige. Der Fall liegt tatsächlich so, dass ernsthaft erwogen wird, Alex G. nun polizeilich vorführen zu lassen, wie das kantonale Konkursamt auf Nachfrage bestätigt.

Bei der Wahl unerlaubt nachgeholfen

Besonders pikant an der Sache: Vor 15 Jahren wurde derselbe Bauunternehmer (und damaliger SP-Gemeinderat) zwar in den Solothurner Kantonsrat gewählt – kurze Zeit später wurde durch diese Zeitung allerdings bekannt, dass der Politiker bei seiner Wahl unerlaubt nachgeholfen hatte. Die Wahlzettel wurden von der Staatskanzlei überprüft und dabei die systematische Abänderung von 180 Wahlzetteln festgestellt. Unter Druck der Öffentlichkeit verzichtete Alex G. in der Folge auf sein Kantonsratsmandat. Er wurde vom Untersuchungsrichter der Wahlmanipulationen schuldig befunden und entsprechend gebüsst.

Ein Bagger für die Hauswartung?

Ob Alex G. erneut ein falsches Spiel spielt, steht nicht fest, gilt doch die Unschuldsvermutung. Sich der Sache stellen, will er dennoch nicht. Diese Zeitung hat auf verschiedene Arten versucht, Kontakt aufzunehmen. Vergeblich. Auch seine früheren Angestellten bleiben stumm, obwohl das Konkursamt noch so froh um Hinweise auf seinen Aufenthaltsort wäre.

Fragen wirft auch die Tatsache auf, dass Alex G. ein Jahr vor dem Konkurs seiner Grenchner Baufirma eine neue Unternehmung im seeländischen Schwadernau gegründet hat, die ihrem Zweck nach Hauswartungsarbeiten übernimmt. Es handelt sich um keine Einzelfirma mehr, sondern um eine GmbH, deren einziger Gesellschafter Alex G. ist. Für Daniel Hügli von der Gewerkschaft Unia in Biel ist es verdächtig, dass der Unternehmer offenbar Sacheinlagen aus seiner ersten Firma übernommen habe, darunter einen Lieferwagen und einen Bagger. «Wozu man für Hauswartarbeiten einen Bagger braucht, ist doch sehr fraglich», meint Hügli.

Auch das Konkursamt will die Schwadernauer Firma im Auge behalten. Ohne auf den konkreten Fall Bezug zu nehmen, erklärt man dort: «Es kommt vor, dass ein Konkursit durch die Gründung einer GmbH und Sacheinlagen versucht, seine Mittel unzugänglich zu machen.» Dass Gläubiger dann doch zu ihrem Recht kommen, ist schwierig, setzt es doch zumindest eine Anzeige oder die Kostenübernahme für weitere Schritte des Konkursamtes voraus.

«Kein riesiger Betrüger»

Einer, der Alex G. von früher kennt, ist SVP-Gemeinderat Ivo von Büren. «Ich glaube nicht, dass er ein riesiger Betrüger ist», verteidigt er Alex G., «aber vielleicht ein kleiner Filou, der halt schaut, dass er irgendwie durchkommt.» Zuletzt habe man Alex G. nur noch in den Beizen gesehen. Die Wirtin seines ehemaligen Stammlokals allerdings sagt, dass G. schon länger nicht mehr aufgetaucht ist.

«Der ist mit allen Wassern gewaschen»

Einen guten Ruf hat der Unternehmer nicht (mehr). Ein anderer Bauunternehmer aus Grenchen, der einen Mitarbeiter von G. übernommen hat, berichtet: «Der ist mit allen Wassern gewaschen. Es wissen alle, dass er ein kleiner Lausekerl ist.» Der Berufskollege will sogar wissen, dass G. ein Auto fährt, das er zur Täuschung auf eine andere Person einlösen liess. Ausserdem habe Alex G. lange nicht mehr selbst gearbeitet, weiss er vom ehemaligen Mitarbeiter.

«Wie eine Baufirma funktionieren soll, wenn der Chef selbst nicht mithilft, weiss ich nicht», so der Baufachmann. Zu ihren besten Zeiten hatte die Firma fünf Mitarbeiter, weiss Markus Baumann, Geschäftsleiter der Gewerkschaft Unia Solothurn. Immerhin habe der Unternehmer seine Angestellten, von denen er den letzten Mann im vergangenen Jahr entlassen hat, noch alle bezahlt, sagt Baumann.

Noch fragen sich alle, welches Spiel der Ex-Kantonsrat da wieder spielt. Sicher ist: Die Schlinge um seinen Hals zieht sich immer enger zu. Es ist wahrscheinlich, dass letztlich auch die neue Firma in Schwadernau im Konkurs endet. Obwohl inzwischen die Polizei eingeschaltet werden musste, hoffen die Beamten aber immer noch auf ein Einsehen von Alex G. «Natürlich kann sich der Schuldner immer noch selber melden», heisst es auf dem Konkursamt, «um die Einvernahme im Konkurs und die Aufnahme des Inventars zu ermöglichen.»

* Name geändert