Dass die Eusebiuskirche «nicht von gestern» ist, wie Pfarrer Mario Tosin im Gottesdienst vom Freitag betonte, davon konnte sich am Wochenende jedermann überzeugen. 200 Jahre hat das Gotteshaus schon überdauert, was von Freitag bis Sonntag ausgiebig gefeiert wurde. «Jubiläum», führte Tosin aus, «das Wort löst bei mir zwiespältige Gefühle aus.» Er feiere ungern etwas, das vorbei sei. Aber vorbei ist es mit der Eusebiuskirche wohl noch lange nicht. Die Kirche lebe, täglich seien hier Menschen zum Beten. Und Napoleon etwa, der 1812, als die Kirche geweiht wurde, Europa in Atem hielt, sei heute «bestenfalls noch ein Geschichtsthema. Wir aber, wir sind immer noch hier», so Tosin nicht ohne Stolz. Diese Tatsache und der Blick in die Zukunft, das erlaube es, ein Fest zu feiern.

Ausstellung «Mein Name ist Euseb»

Den Blick in die Vergangenheit richtet zwar die Ausstellung «Mein Name ist Euseb» im Kultur-Historischen Museum, zu deren Vernissage am Freitag geladen wurde. Dies aber nicht, ohne auch das Heute und Morgen zu betrachten. Die Ausstellung führt zunächst durch den Bau der Kirche. Dokumente aus der Zeit gebe es zwar keine, wie Museumsleiterin Angela Kummer bedauernd festhielt, man habe sich aber an einer Schrift von Pfarrer Niggli aus dem Jahr 1914 orientieren können. Das Hauptausstellungsstück bildet allerdings die Kirche selbst, dazu 22 orangefarbene Sprechblasen, in denen sich Menschen vorstellen, die eng mit der Eusebiuskirche verbunden sind. Und wer genau hinsieht, entdeckt ein Projekt, das Mario Tosin vorstellt – der Bau eines neuen Altars und Ambos, beides vom Künstler Egbert Moehsnang entworfen. Etwas Modernes, etwas, «aus unserer Zeit», das seinen Platz in der historischen Kirche erhalten soll.

Lebendige Traditionen

Quicklebendig erstrahlte die Kirche durch das musikalische Rahmenprogramm, das das OK um Claudia Bieri auf die Beine gestellt hatte. Klassisch in Kleidung und Liedgut, aber keineswegs «von gestern», zeigte sich etwa der Männerchor Canta Gaudio. Man(n) sang in Latein und Deutsch, doch der Blick wurde auch über die Sprachgrenzen hinaus gerichtet, mit stimmungsvollen russischen Stücken von Dmitri Bortniansky. Ergänzt wurde das geistliche durch das volkssprachige Repertoire des Jodlerklubs «Bärgbrünnli», der das Publikum mit fröhlich-verspielten, aber auch nachdenklichen Stücken begeisterte. Und unter der Leitung von Amelia Scicolone kam ein weiterer A-cappella-Chor zum Zug, der bewies, dass Quantität nicht alles ist. 16 Stimmen – geplant waren 200 – fügten sich harmonisch zusammen und führten die Zuhörer durch Liedgut aus den Sparten Klassik, Pop und Gospel. Mit Erfolg: Nicht nur Scicolone war begeistert ob der Leistung «ihrer» Sänger. Auch das Publikum brachte seine Freude zum Ausdruck – mittels einer «Standing Ovation».

Weltoffen zeigte sich das Kirchenfest im kulinarischen Bereich. Italienisch, Spanisch, ja gar Tamilisch wurde den Gästen, neben Bar und «Kafistübli», im Eusebiushof angeboten. Dafür hatten sich das Pfarreiteam, das Frauenforum, Granges Melanges, die Kolpingfamilie und die Missione Cattolica gehörig ins Zeug gelegt. Und da die Zukunft noch immer in den Jüngsten steckt, kamen natürlich auch diese nicht zu kurz. Ob Hüpfburg, ein originales Karussell oder die Disco mit DJ Horse – das Kinderprogramm zeigte sich vielfältig und wurde von seinem Zielpublikum rege genutzt.

So ging mit einem feierlichen Gottesdienst am Sonntagmorgen und einem Festkonzert gestern Abend ein abwechslungsreiches Jubiläumsfest zu Ende, dem man wohl mit gutem Gewissen das Prädikat «zukunftsweisend» zusprechen darf.