Das sogenannte Smart Metering erlaubt der Energieversorgerin ein besseres Management des Netzes und neue Angebote für Kunden.

«Die zunehmende dezentrale Stromproduktion ist für Energieversorger und Netzbetreiber eine Herausforderung», erklärt SWG-Chef Per Just. Die Menge des vorhandenen Stroms kann im Minutenrhythmus stark schwanken, beispielsweise aufgrund der Solar-Einspeisung. Der Stromableser kommt aber heute nur alle drei Monate vorbei und erfasst den Zählerstand.

Zählen, speichern, übermitteln

«Smarte» Stromzähler können verbrauchte Mengen sowie die Verbrauchszeiträume messen, speichern und diese Daten an die SWG weiterleiten. «Damit erfahren wir praktisch in Echtzeit, wer zu welcher Zeit wie viel Strom verbraucht, beziehungsweise einspeist», erklärt Just.

Sobald man über diese Informationen verfüge, sei man auch in der Lage, dynamische Tarife einzuführen. So werden die unterschiedlichen Verbrauchs- und Lieferportfolios besser abgeglichen. Wenn beispielsweise an einem wolkenlosen Sommertag am Mittag sehr viel Solarstrom angeliefert wird, wird der Abnahmepreis für diese Energie mittelfristig sinken. Unter Umständen wird es dann für Kunden lohnend, in einen Batteriespeicher zu investieren.

SWG-Direktor Per Just zeigt, welche Stromzähler-Modelle ersetzt werden.

SWG-Direktor Per Just zeigt, welche Stromzähler-Modelle ersetzt werden.

Schon heute schaltet die SWG zum Beispiel Warmwasserboiler mit einem Netzimpuls so ein und aus, dass die energieintensiven Geräte vor allem nachts laufen. Die Anzahl möglicher Schaltimpulse ist aber begrenzt und gilt jeweils für alle Geräte im Netz. «Beim Smart Metering können wir dagegen jeden Messpunkt individuell ansteuern.»

Heute befinden sich im Einzugsgebiet der SWG (mit Lengnau, Arch, Bettlach, Büren und neu Rüti) 10 500 Stromzähler. Das Netz der Messpunkte soll aber gemäss Ausschreibungsunterlagen 16 000 Punkte umfassen. «Wenn wir solche Geräte einbauen, möchten wir auch gleich den Gas- und Wasserverbrauch erfassen können», so Just.

Technisch vieles möglich

Wie die Anbieter das Smart Metering lösen, lasse die Submission weitgehend offen. Heute ist technisch vieles möglich. So können die Verbrauchsdaten über das Stromnetz selber zur SWG gelangen (Powerline) oder auch drahtlos über eine GSM-Verbindung. Geliefert werden müssen laut Submissionsunterlagen die Spartenzähler (Strom , Wasser, Gas), «Datenkonzentratoren» etc. für die Ausstattung von zirka 16 000 Messpunkten über einen Zeitraum von sechs Jahren, Schnittstellen und Software für die SWG. Auch die ganze Inbetriebnahme und eine Schulung der Mitarbeiter gehört dazu.

Betreiben will die SWG das System selber, auch in Hinblick der Einführung eines «Smart Grid»-Systems. Das würde bedeuten, dass die SWG in einer zweiten Phase auch ihr Stromangebot automatisch dem aktuellen Verbrauch anpassen kann, beispielsweise durch Zu- und Abschaltung der auf dem Grenchenberg geplanten Windkraftanlagen.

Smart Metering sei heute in der Schweiz schon an verschiedenen Orten operativ, bzw. im Versuchsbetrieb, erklärt Per Just. In der Region beispielsweise bei der Energieversorgung Biberist (EVB). Testbetriebe sind von der AEK oder der BKW bekannt. Ein entsprechender Erfahrungsaustausch sei im Gang, versichert Just.

Gestaffelte Einführung

Über die Kosten will sich Just zurzeit noch nicht äussern. «Das wird sich zeigen, wenn die Offerten eingehen.» Klar sei, dass man das Smart Metering gestaffelt einführe. «Heute werden die Zähler etwa alle 15 Jahre ersetzt. Wenn wir uns für ein neues System entscheiden, werden wir diese Kadenz natürlich verkürzen.»

Wie gross ist die Gefahr, dass man sich technologisch verrennt? «Latent ist die Gefahr immer da», erklärt der SWG-Direktor. Beim Smart Metering gehe es aber zunächst um die Erfassung von Daten. «Und wenn diese technisch gelöst ist und funktioniert, sind die Risiken relativ gering.» Probleme könne es allenfalls noch bei Schnittstellen geben.

Erste Geräte schon 2014

Schon bald müssen die Anbieter ihre Offerten einreichen. Sie haben Zeit bis zum 20. November. Die Unterlagen wurden auf der Submissionsplattform Simap publiziert und sind sehr detailliert. «Solche öffentlichen Submissionen haben auch Vorteile, sagt Just. «Sie haben uns geholfen, genau zu definieren, was wir wollen.» Just geht heute davon aus, dass Mitte 2014 die ersten Smart Meter in Grenchen installiert werden.