Uhrenindustrie
Eterna will in die ETA-Bresche springen und Uhrwerke liefern

Die Grenchner Traditionsfirma Eterna will künftig wieder im exklusiven Kreis der Uhrwerk-Lieferanten mitmischen. Das Zugpferd der Zukunft soll das Kaliber 39 bilden.

Andreas Toggweiler
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Eindrücke von der Baselworld 2015
23 Bilder
Grenchner Firmen an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld 2015
Stadtpräsident François Scheidegger mit Eterna-Chef Bruno Jufer Der Grenchner Stadtpräsident hat am Montag die Baselworld besucht
Mit Nick Hayek, CEO der Swatch Group, rechts David Baumgartner, Chef der Grenchner Finanzverwaltung
Jean-Paul Girardin, Vizepräsident von Breitling
Die Breitling Smartwatch B55 kommuniziert mit dem Handy
Samir Merdanovic zeigt die Uhrwerk-Kollektion
Eterna setzt auf das modulare Kaliber 39
Ein Video zeigt, wie Ebauches industriell gefertigt werden
Der neue Eterna-Stand ist gross und direkt von der Strasse her zugänglich
Pavillon der Marke Rolex
Omega wirbt mit James Bond
Luxusprodukte werden entsprechend präsentiert
Die Swatch Group hat ein eigenes Restaurant
Die Lengnauer Familie Chonge betreibt die Marke Epos
Preziosen der Firma Epos
Die einstige Lengnauer Marke Enicar wurde von Chinesen wiederbelebt
Bei Breitling schwimmen dieses Jahr Medusen statt Fische
Beim Rado-Stand
Das ist Hi-Tech-Keramik, nicht Stahl
Am Bahnhof Basel wird man von Hamilton empfangen

Eindrücke von der Baselworld 2015

Andreas Toggweiler

Seit 1856 werden in Grenchen Eterna Uhren gebaut und die Firma gilt als eine der Wiegen der lokalen Uhrenindustrie. Unter anderem ging durch eine Ausgliederung aus der Eterna die weltweit bedeutendste Uhrwerk-Produzentin ETA hervor, welche heute den Markt für hochqualitative mechanische Uhrwerke dominiert. Doch der zur Swatch Group gehörige Platzhirsch macht sich zunehmend rar und will die Uhrwerke für die eigenen Konzernmarken reservieren. Sogar die Wettbewerbskommission musste einschreiten und den abhängigen Abnehmern zu ihren «Recht» verhelfen. Die Swatch Group hat eine Lieferverpflichtung für Drittanbieter bis 2020. Was danach passiert, ist offen.

Immerhin wird klar, was die chinesischen Investoren der Citychamp Watch & Jewelry Group (vormals China Haidian) im Schilde führen, welche vor zweieinhalb Jahren die Eterna gekauft haben: Mittels eines weiteren Spin Offs soll die Eterna wieder eine bedeutende unabhängige Uhrwerkproduzentin werden, welche die steigende Nachfrage Dritter nach mechanischen Uhrwerken befriedigen hilft. Zu diesem Zweck wurde die Firma Eterna Movement SA gegründet.

Wo ist die Grenchner Smartwatch?

2000 Aussteller, 150 000 Besucher und 4000 Journalisten treffen sich jeweils im Frühjahr in Basel zur Branchenmesse Baselworld. Ein Gesprächsthema schon im Vorfeld war dieses Jahr die Smartwatch. Da die Marke Swatch, die zumindest Sportarten-spezifische Smartwatches anbietet, jeweils nicht an der Luxusgütermesse teilnimmt, muss man die Verbindung von Smartwatch und Grenchen zumindest etwas suchen. Doch fündig wird man bei Breitling. Der Chronometer B55 mit temperaturkompensiertem Quarzwerk, der sowohl über analoge als auch digitale Anzeigen verfügt, kann (drahtlos) mit dem Smartphone verbunden werden. Dieses dient allerdings vor allem als erweiterte und benutzerfreundliche Bedieneroberfläche für den Fliegerchronografen (zum Beispiel zur Einstellung verschiedener Zeitzonen) sowie als Speicher von mit der Uhr gemessenen (Flug-)Daten.

Anhaltend ist zudem der Trend, untergegangene Uhrenmarken zu reaktivieren. Geschehen ist das beispielsweise 2012 mit der Lengnauer Marke «Enicar», die heute wie Eterna in chinesischer Hand ist und ihre Uhren in La Chaux-de-Fonds (NE) produziert. Eingebaut würden Uhrwerke von ETA und Sellita, heisst es auf Anfrage. Damit werden unter anderem wieder COSC-zertifizierte Chronometer hergestellt, wie einem aktuellen Prospekt zu entnehmen ist. Auch tritt die Marke mit einem ansehnlichen Pavillon an der Uhrenmesse auf. Diese dauert noch bis zum kommenden Donnerstag. (at.)

Sie steht unter der Leitung von Samir Merdanovic (Arch). Der Uhreningenieur ist seit elf Jahren für Eterna tätig. Er gilt als Vater des von Eterna in mehrjähriger Arbeit entwickelten Kalibers 39. Dieses wurde zunächst nur in die Top-Produkte der eigenen Marke eingebaut.

Modularer Aufbau

«Vom Kaliber 39 können wir aber über 100 verschiedene Varianten herstellen», erklärt Merdanovic im neuen, 2014 erstmals vorgestellten Eterna-Messestand an der Uhrenmesse Baselworld. Von der einfachen Zweizeigeruhr mit Handaufzug bis zum Chronographen mit Automatikaufzug und Schnellschalt-Mechanismus. «Dieser ist eine patentierte Entwicklung von Eterna Movement», betont Merdanovic. Das Werk verfügt über beachtliche 35 Lagersteine, eine Gangreserve von 60 Stunden und natürlich den kugelgelagerten Rotor (inzwischen ein Standard bei vielen Uhren), der seit den 1950er-Jahren, das Eterna-Logo prägt. Das Werk schlägt mit 28 800 Halbschwingungen pro Stunde.

«In den vergangenen Jahren wurden auch verschiedene bestehende Eterna-Werke überarbeitet und auf den neusten technischen Stand gebracht», erklärt Merdanovic weiter und öffnet eine Schatulle, welche die mikromechanischen Preziosen beherbergt. So werden inzwischen auch Federhaus und Federkern kugelgelagert.

Ein Handaufzugskaliber (3510) verfügt zudem über zwei Federhäuser, die zusammen eine Gangreserve von über acht Tagen sichern. Und schliesslich rühmt man sich des «komplexesten seriengefertigten Kalibers der Welt», des Eterna 6036 mit rund 800 Einzelteilen. Erstmals sei damit ein Werk mit «mechanisch-digitalen Chronographen» mit Stopp-Anzeige», realisiert worden.

Doch das Zugpferd der Zukunft soll klar das Kaliber 39 bilden. «Aufgrund des modularen Aufbaus können wir praktisch jeden Kundenwunsch erfüllen», meint Merdanovic. Auch Oberflächen könnten im Sinne der Corporate Identity der Kunden gestaltet werden.

«Grosses Interesse»

Das Uhrwerk soll künftig in industriellen Stückzahlen gefertigt werden. «Wir wollen vom Kaliber 39 im Jahr 100 000 Stück herstellen», so Merdanovic. Dafür haben die neuen Besitzer an der Schützengasse zünftig in die Automation investiert, wie in einem Video am Eterna-Stand zu sehen ist. Die Uhrwerke werden selbstverständlich weiter in der eigenen Marke eingebaut sowie in diejenigen des Konzerns, zu dem beispielsweise die Nobelmarke Corum gehört. Zurzeit geben sich in Basel am Eterna-Stand Uhrenhersteller aus aller Welt die Klinke in die Hand. «Das Interesse an unseren Uhrwerken ist gross», freut sich Merdanovic. Ein Basiswerk kostet 200 Fr., ein Chronograph 500 Franken.