Uhrenindustrie

Eterna will in die ETA-Bresche springen und Uhrwerke liefern

Die Grenchner Traditionsfirma Eterna will künftig wieder im exklusiven Kreis der Uhrwerk-Lieferanten mitmischen. Das Zugpferd der Zukunft soll das Kaliber 39 bilden.

Seit 1856 werden in Grenchen Eterna Uhren gebaut und die Firma gilt als eine der Wiegen der lokalen Uhrenindustrie. Unter anderem ging durch eine Ausgliederung aus der Eterna die weltweit bedeutendste Uhrwerk-Produzentin ETA hervor, welche heute den Markt für hochqualitative mechanische Uhrwerke dominiert. Doch der zur Swatch Group gehörige Platzhirsch macht sich zunehmend rar und will die Uhrwerke für die eigenen Konzernmarken reservieren. Sogar die Wettbewerbskommission musste einschreiten und den abhängigen Abnehmern zu ihren «Recht» verhelfen. Die Swatch Group hat eine Lieferverpflichtung für Drittanbieter bis 2020. Was danach passiert, ist offen.

Immerhin wird klar, was die chinesischen Investoren der Citychamp Watch & Jewelry Group (vormals China Haidian) im Schilde führen, welche vor zweieinhalb Jahren die Eterna gekauft haben: Mittels eines weiteren Spin Offs soll die Eterna wieder eine bedeutende unabhängige Uhrwerkproduzentin werden, welche die steigende Nachfrage Dritter nach mechanischen Uhrwerken befriedigen hilft. Zu diesem Zweck wurde die Firma Eterna Movement SA gegründet. 

Sie steht unter der Leitung von Samir Merdanovic (Arch). Der Uhreningenieur ist seit elf Jahren für Eterna tätig. Er gilt als Vater des von Eterna in mehrjähriger Arbeit entwickelten Kalibers 39. Dieses wurde zunächst nur in die Top-Produkte der eigenen Marke eingebaut.

Modularer Aufbau

«Vom Kaliber 39 können wir aber über 100 verschiedene Varianten herstellen», erklärt Merdanovic im neuen, 2014 erstmals vorgestellten Eterna-Messestand an der Uhrenmesse Baselworld. Von der einfachen Zweizeigeruhr mit Handaufzug bis zum Chronographen mit Automatikaufzug und Schnellschalt-Mechanismus. «Dieser ist eine patentierte Entwicklung von Eterna Movement», betont Merdanovic. Das Werk verfügt über beachtliche 35 Lagersteine, eine Gangreserve von 60 Stunden und natürlich den kugelgelagerten Rotor (inzwischen ein Standard bei vielen Uhren), der seit den 1950er-Jahren, das Eterna-Logo prägt. Das Werk schlägt mit 28 800 Halbschwingungen pro Stunde.

«In den vergangenen Jahren wurden auch verschiedene bestehende Eterna-Werke überarbeitet und auf den neusten technischen Stand gebracht», erklärt Merdanovic weiter und öffnet eine Schatulle, welche die mikromechanischen Preziosen beherbergt. So werden inzwischen auch Federhaus und Federkern kugelgelagert.

Ein Handaufzugskaliber (3510) verfügt zudem über zwei Federhäuser, die zusammen eine Gangreserve von über acht Tagen sichern. Und schliesslich rühmt man sich des «komplexesten seriengefertigten Kalibers der Welt», des Eterna 6036 mit rund 800 Einzelteilen. Erstmals sei damit ein Werk mit «mechanisch-digitalen Chronographen» mit Stopp-Anzeige», realisiert worden.

Doch das Zugpferd der Zukunft soll klar das Kaliber 39 bilden. «Aufgrund des modularen Aufbaus können wir praktisch jeden Kundenwunsch erfüllen», meint Merdanovic. Auch Oberflächen könnten im Sinne der Corporate Identity der Kunden gestaltet werden.

«Grosses Interesse»

Das Uhrwerk soll künftig in industriellen Stückzahlen gefertigt werden. «Wir wollen vom Kaliber 39 im Jahr 100 000 Stück herstellen», so Merdanovic. Dafür haben die neuen Besitzer an der Schützengasse zünftig in die Automation investiert, wie in einem Video am Eterna-Stand zu sehen ist. Die Uhrwerke werden selbstverständlich weiter in der eigenen Marke eingebaut sowie in diejenigen des Konzerns, zu dem beispielsweise die Nobelmarke Corum gehört. Zurzeit geben sich in Basel am Eterna-Stand Uhrenhersteller aus aller Welt die Klinke in die Hand. «Das Interesse an unseren Uhrwerken ist gross», freut sich Merdanovic. Ein Basiswerk kostet 200 Fr., ein Chronograph 500 Franken.

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