«Die neue Presse ist etwa dreimal so leistungsfähig wie ihre Vorgänger und bietet zusätzliche technische Features», schwärmt Walter Sahli, CEO und Vizepräsident des Verwaltungsrates der traditionsreichen Metallbearbeitungsfirma Etampa.

Die vom internationalen Marktführer Feintool in Lyss entwickelte und gebaute neue Feinschneidpresse erlaube die Verkettung von bisher separaten Produktionsschritten in einem Arbeitsgang.

Quantensprung bei Produktivität

Diesen Produktivitätssprung liess sich Etampa auch etwas kosten. Über zwei Millionen Franken kostete die Maschine, die kürzlich per Tieflader in Grenchen angeliefert und mit einem Spezialkran abgeladen wurde.

«Es ist eine grosse Investition», räumt Sahli ein. Sie sei aber nötig, um den Produktionsstandort Grenchen fit zu erhalten. Auch die internationale Konkurrenz investiere unterdessen in die Feinstanztechnik der neuesten Generation.

«Etampa plant deshalb weitere Anschaffungen in dieser Art in den Folgejahren. Die Schweizer Spitzenbetriebe der Metallbearbeitung müssen in Spitzentechnologie investieren, um die Marktführerschaft zu verteidigen», sagt Sahli.

Über den Frankenkurs lamentieren nützt nichts, er ist durch den Euroraum und die Nationalbank vorgegeben. Im internationalen Wettbewerb zählt deshalb die Technologie- und Qualitätsführerschaft. Die Produkte von Etampa werden laut Sahli zu 90 Prozent ins Ausland exportiert.

Stanzen und Feinschneiden

Die Firma mit 90 Mitarbeitenden erzielt einen Umsatz von rund 20 Mio. Fr., je zur Hälfte mit Feinschneid bzw. traditionellen Stanzprodukten. Hauptabnehmer der Produkte ist die Automobilindustrie (70 Prozent) sowie weitere Hersteller von hochwertigen Konsumgütern. Speziell stark sei man im Segment für Teile von ABS-Systemen, Ventilteilen und Komponenten für mechatronische Systeme.

In der Etampa Grenchen wird eine 28 Tonnen schwere Maschine angeliefert

In der Etampa Grenchen wird eine 28 Tonnen schwere Maschine angeliefert

12 Prozent werden inzwischen in die USA exportiert, wo Etampa über eine eigene Vertriebsfirma verfügt. Insbesondere die wieder erstarkte US-Automobilindustrie ist zunehmend auf Technologie aus Europa angewiesen.

Hier möchte Etampa verstärkt mitmischen. Nach Asien liefert man ebenfalls bereits 10 Prozent des Ausstosses.

Investition auch ins Personal

Sahli betont ferner, dass in der Grenchner Fabrik die Produktionswerkzeuge selber konstruiert, hergestellt und gewartet werden. Sechs Lehrlinge werden ausgebildet. «Dies hilft uns, technologisches Wissen im Unternehmen zu entwickeln und zu behalten.

Denn moderne Produktionsmittel erfordern auch gut ausgebildetes Personal. «Das ist ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor», betont Sahli.

Die Anlieferung des mit allem Zugerät rund 28 Tonnen schweren Stanz-Ungetüms, war eine spektakuläre Angelegenheit. Das Herzstück der Anlage wurde per Tieflader aus Lyss nach Grenchen gebracht.

Auf der Südseite der Fabrik musste die Feinschneidpresse mit einem Spezial-Pneukran für Schwergewichtiges für die letzten 100 Meter auf einen anderen Lastwagen umgeladen werden, der unter dem Vordach der Zufahrt hindurchpasste.

Nach dem endgültigen Ablad wurde die Presse über eine zu diesem Zweck speziell verstärkte Passerelle ins südliche Maschinengebäude verschoben. Die Platzreserve bis zur Decke betrug dabei nur wenige Zentimeter.

1500 Tonnen Stahl jährlich

Laut Urs Weibel, Leiter Logistik, Avor und Spedition, werden Spezialisten des Herstellers die Maschine jetzt in Betrieb nehmen. Die Anlage besteht dabei eigentlich aus zwei Maschinen. Eine sogenannte Bandrichtanlage behandelt das in einer Rolle angelieferte, zu stanzende Band vor, um Spannungen und Unregelmässigkeiten des Metalls zu beseitigen.

Danach wird das Band in die hydraulische Feinschneidpresse geführt, die in der Lage ist mit bis zu 250 Tonnen Kraft Teile deformationsfrei und mit glattem Rand in höchster Präzision Metallteile zu schneiden. Dies in hoher Kadenz und vollautomatisch. Pro Jahr werden in der Etampa etwa 1500 Tonnen Stahllegierungen so verarbeitet.