Die ETA und damit die Swatch Group ist eine der grössten Landbesitzerinnen in Grenchen. Auf ihrem Grund befindet sich auch der Bauernhof von Ernst Schnyder (Wohnhaus und mehrere Ökonomiegebäude), dessen Familie den Betrieb seit 1962 bewirtschaftet. Nun hat die ETA beschlossen, die Pacht nicht mehr zu verlängern.

Schnyder will sich dafür wehren, dass die 2019 auslaufende Pacht bis 2023 verlängert wird. Im Oktober 2022 wird er pensioniert und möchte seinen Nachfolger noch während eines Jahres einarbeiten können. Sowohl Schnyder, der einen Anwalt genommen hat, als auch die Swatch Group geben aufgrund eines laufenden Verfahrens nur sehr rudimentär Auskunft über die Situation. Inzwischen soll die Angelegenheit aber schon die oberste Chefetage bei der Swatch Group beschäftigen.

«Selber bewirtschaften»

Auf die Frage, warum man die seit immerhin 55 Jahren laufende Pacht gekündigt habe, antwortet die Swatch Group folgendermassen. «Da die Pensionierung von Herrn Schnyder in die Verlängerung des Pachtverhältnisses gefallen wäre und er in seiner Familie keinen Nachfolger für die Pacht hat, hat sich ETA entschieden, das Land selber zu bewirtschaften», begründet der Uhrenkonzern Kündigung auf 2019.

Weiter schreibt die Swatch Group, dass Schnyder insgesamt knapp 44 ha Land gepachtet habe, davon aber nur 40 Prozent (das wären knapp 18 Hektaren) von der ETA. Ein beachtlicher Teil dieses ETA-Landes befinde sich in der Bauzone.

Ernst Schnyder, ein ehemaliger Grenchner FDP-Gemeinderat, sieht das logischerweise ganz anders. «Diese frühzeitige Kündigung vor Erreichen des AHV-Rentenalters ist für mich existenziell. Denn ohne Betrieb kein Einkommen.» Zu den Argumenten der Swatch Group will sich Schnyder aufgrund des laufenden Pachterstreckungsverfahrens weiter nicht äussern.

Peter Brügger, Sekretär des Solothurner Bauernverbandes, erläutert die rechtliche Situation bei Pachtkündigungen grundsätzlich:

Gründe für Kündigung

Bei gescheiterter Mietschlichtung kann der Richter den Pachtvertrag drei oder sechs Jahre (ganze Periode) verlängern, sofern nicht der Verpächter geltend machen kann, dass der Pachtvertrag für ihn «unzumutbar oder nicht gerechtfertigt» ist.
Gründe nach Gesetz sind, wenn

  • der Pächter schwerwiegend gegen gesetzliche oder vertragliche Pflichten verstossen hat oder zahlungsunfähig ist;
  • der Verpächter oder seine Familie den Pachtgegenstand selber bewirtschaften will;
  • das Gewerbe nicht erhaltenswert ist;
  • das Grundstück teilweise in der Bauzone liegt.

Bekannt ist, dass sich Schnyder und die Swatch Group schon seit längerer Zeit in den Haaren liegen, offenbar, weil Schnyder der Meinung ist, die ETA investiere zu wenig in den Hof. Die Swatch Group dürfte womöglich ihrerseits argumentieren, dass die Weiterführung der Pacht gerade wegen des schwelenden Konfliktes nicht zumutbar sei. Ob es anderseits für einen dannzumal 62-jährigen Landwirt zumutbar ist, eine neue Pacht anzutreten? Das müssen jetzt die Richter entscheiden.

Mehrere Höfe verkauft

Gefragt nach allfälligen anderen Landwirtschaftsbetrieben des Uhrenkonzerns, gibt die Swatch Group keine Auskünfte. Fakt ist, dass der Konzern aufgrund seiner Geschichte mehrere Bauernhöfe besass, allein fünf im Kanton Neuenburg. Diese wurden inzwischen verkauft, z. B an die bisherigen Pächter.

Jacques Rey aus Les Verrières NE hat seine Probleme mit der Swatch Group bereinigt, indem er ihr 2014 den über 100 ha grossen Hof mit Milchwirtschaft abgekauft hat. Der Konzern sei nicht bereit gewesen, die insbesondere für den Tierschutz notwendigen Investitionen zu tätigen, sagt Rey.

Er selber habe seither rund 2 Mio. Fr. investiert, um den neuen Anforderungen zu genügen. Mangelnde Investitionsbereitschaft seien auch auf den anderen Höfen das Problem gewesen, schildert der Bauer.

Swatch-Gärtner auf dem Traktor?

Seltsam mutet schliesslich die Ankündigung der Swatch Group an, sie wolle nach der Pachtkündigung Schnyders Land «selber bewirtschaften». Wie und durch wen dies erfolgen soll, darüber werden von der Swatch Group in der schriftlich erteilten Auskunft auch nach entsprechendem Nachhaken keine Angaben gemacht. Man werde zu gegebener Zeit darüber informieren heisst es.