Soziale Dienste

«Es werden keine Steuergelder verschleudert»

Amtsleiter Kurt Boner kontert die Vorwürfe der Immobilienverwalterin aus Altreu und sagt: «Es wird nichts verschleudert – im Gegenteil.»  fup Amtsleiter Kurt Boner kontert die Vorwürfe der Immobilienverwalterin aus Altreu und sagt: «Es wird nichts verschleudert – im Gegenteil.»  fup

Amtsleiter Kurt Boner kontert die Vorwürfe der Immobilienverwalterin aus Altreu und sagt: «Es wird nichts verschleudert – im Gegenteil.» fup Amtsleiter Kurt Boner kontert die Vorwürfe der Immobilienverwalterin aus Altreu und sagt: «Es wird nichts verschleudert – im Gegenteil.» fup

Dass die Sozialdienste die Miete an Sozialhilfebezüger ausbezahlen, sorgt bei Vermieter für Unverständnis. Kurt Boner, Leiter der Sozialdienste, kontert diese Vorwürfe erklärt, warum die Strategie sinnvoll ist.

«Wir sind eine professionelle Dienststelle und erledigen unsere Aufgaben sowohl nach den geltenden Vorschriften und Aufgabenkatalogen wie auch gemäss dem Ziel, noch professioneller zu werden», sagt Kurt Boner, Leiter der Sozialen Dienste Oberer Leberberg (SDOL).

Die Feststellung kommt nicht von ungefähr. Immobilienverwalterin Margrit Hirschbühl aus Altreu kritisiert die Dienste, weil diese gewissen Sozialhilfebezügern das Geld für die Miete direkt ausbezahlen, anstatt es an die Vermieter zu überweisen. Im Einzelfall wird das Geld von den Klienten zweckentfremde, für andere Dinge ausgegeben. Die Immobilienverwalterin ärgert sich. Für Kurt Boner zwar verständlich. «Aber wir wissen sehr genau, was wir machen.»

Entscheiden nach Einzelfall

Grundsätzlich will das Sozialamt seine Klienten dabei unterstützen, sich selber organisieren zu können. «Hilfe zur Selbsthilfe» heisst die Losung. Die betreuten Sozialhilfefälle sollen mit dem Geld vom Sozialamt umgehen können, ihren Mietzins und auch andere Rechnungen selber einzahlen. «Ein Sozialhilfebezüger ist in der Regel ein mündiger Bürger, den wir nicht bevormunden wollen. Es ist nur ein kleiner Anteil unserer Klienten, die ihre Rechnungen nicht selber zahlen können», erklärt Boner. «Und bei denen überweisen wir das Geld sehr wohl direkt an Vermieter, damit keine Gelder verloren
gehen.»

Die Sozialen Dienste gehen nicht leichtfertig mit den Steuergeldern um. Welchem Klienten sie den Mietzins direkt auszahlen, entscheiden die Mitarbeiter erst nach vorgängiger Prüfung. Ist das Amt der Meinung, ein Sozialhilfebezüger sei vertrauenswürdig und fähig, seine Finanzen eigenhändig zu managen, wird ihm das Geld ausbezahlt. Stellt sich heraus, dass das Geld anderweitig ausgegeben wird, wird der Klient sofort – laut Boner spätestens nach ein bis zwei Monaten – sanktioniert und Mietzins dann dem Vermieter überweisen. «Ist von Anfang an klar, dass ein Sozialhilfebezüger seine Finanzen nicht im Griff hat, wird ihm das Geld nicht direkt ausbezahlt. Wir überweisen es dann an den Vermieter. Schliesslich geht es um Steuergelder, da muss man vorsichtig sein», erklärt Kurt Boner weiter.

Unterschiede werden auch zwischen Neuzuzügern und Personen, die lange in der Sozialregion gelebt haben, gemacht. «Das betrifft vor allem Grenchen, da wir in der Stadt über ein überdurchschnittlich grosses Angebot an Wohnungen mit tieferem Standard und tiefen Mietzinsen verfügen.» Neuzuzüger mit einem bestehenden Sozialhilfedossier erhalten den Mietzins immer direkt.

Nutzt Möglichkeiten, die man hat

Mit dieser Art «Filter» will man sich vor einem vermeintlichen Ansturm von Sozialfällen schützen. «Wir wollen keinen zusätzlichen Anreiz für Vermieter schaffen, die ihre Liegenschaften nicht seriös bewirtschaften und undifferenziert Sozialhilfebezüger einquartieren – nur weil sie wissen, dass sie das Geld ja ohnehin von uns bekommen», erklärt Boner. Ein Teil der Vermieter nütze so etwas aus, auch in anderen Städten. Relativierend fügt Boner an: «Es gibt auch gute, die ihre Häuser top bewirtschaften. Da darf man nicht pauschalisieren, genauso wenig wie bei den Sozialhilfebezügern.» Aber: «Grenchens Bevölkerungsstruktur und das Wohnungsangebot können anziehend wirken. Hier setzen wir etwas dagegen.»

Schliesslich gibt es laut Boner auch Menschen, die sich nicht mehr ganz in den Arbeitsmarkt integrieren lassen. In besonders gravierenden Fällen bleibe dem Amt nichts, ausser eine Art «Sozialrente» zu leisten. «Das hört man vielleicht nicht gerne, ist aber eine Tatsache. Letztlich geschieht das zur eigenen Sicherheit unserer Klienten.»

Nur selten Garantie für Vermieter

Die Vorwürfe der Immobilienverwalterin aus Altreu lassen Kurt Boner deshalb mehrheitlich kalt. «Es werden keine Steuergelder verschleudert – im Gegenteil. Durch unsere professionelle Arbeit sorgen wir vielmehr dafür, dass wir keine zusätzlichen Sozialfälle erhalten und die Vermieter Verantwortung übernehmen müssen.» Dass es für Vermieter ärgerlich ist, wenn sie Mietzinse nicht erhalten, versteht der Sozialamtleiter zwar. «Aber unsere Aufgabe ist es, uns um die Klienten zu kümmern, nicht um die Hausbesitzer.» Nur wenn das Amt für einen Klienten eine Kostengutsprache geleistet hat und damit dem Vermieter garantiert, dass er seinen Zins erhält, kann dieser auch auf das Amt zurückgreifen. Kostengutsprachen, erklärt Boner, erteilt man in Grenchen aber nur sehr selten.

Meistgesehen

Artboard 1