Der Winter ist in der Region angekommen. Okay, zugegeben: Das ist nichts Neues und auch nicht besonders spannend. Und doch war der Schreibende – eben aus bedeutend wärmeren Gefilden von einer Insel im Indischen Ozean zurückgekehrt – einem gefühlt «brutalen» Temperaturschock ausgesetzt. Von 27 Grad am Schatten gleich runter auf 0 Grad. Vom Sonnenschein rein ins Nass von oben. Vom Tenue Badehose, T-Shirt und Flip Flops in die warmen Winterklamotten mit festem Schuhwerk, wasserdicht, natürlich.

Aber nicht nur der klimatische Wechsel ist frappant. Diese Woche brachte ja wahrlich den Hintersten und Letzten ins Staunen. Die Wenigsten haben wohl ernsthaft geglaubt, dass «änet em Teich» jemand ins höchste Amt gewählt wird, mit einer Vorgeschichte und Aussagen im Wahlkampf, die hierzulande schlicht undenkbar wären, sollte man meinen. Und leider ist zu befürchten, dass wir nicht nur klimatisch härteren Zeiten entgegenschreiten. Denn sollte «The Donald» seine Wahlversprechungen wahr machen und Handelsabkommen aufkündigen, Schutzzölle einführen usw., dann trifft das mit Bestimmtheit auch die hiesigen exportorientierten Firmen.

Und was haben die amerikanischen Wahlen in einem Stadtbummel zu suchen? Nun, kein Stammtisch oder keine Mittagsrunde, in der in den letzten Tagen nicht darüber diskutiert wurde. Befürchtungen wurden geäussert, sogar die Angst um den eigenen Arbeitsplatz war spürbar. Oder das blanke Entsetzen darüber, dass Populismus, Rassenhass, Diskriminierung von Minderheiten und die Herabwürdigung Andersdenkender wieder salonfähig werden. Der eine oder andere dürfte diesen «Wandel» aber auch begrüssen.

Auch hier gibt es sie, die hemdsärmeligen Wutbürger, die die Faust im Sack machen. Auch hier gibt es eine schweigende Mehrheit. Auch hier gibt es viele Unzufriedene, die Mühe haben mit Globalisierung, Digitalisierung und Modernisierung. Auch hier gibt es Homophobe, Leute mit Tendenz zum Rassismus oder zur Frauenfeindlichkeit. Unsere demokratischen Spielregeln und Gesetze setzen hoffentlich auch in Zukunft solchen Menschen die nötigen Grenzen.

In Zeiten, in denen ein kälterer Wind weht, ist Zusammenrücken gefragt. Grenchen stehen wichtige, politische Entscheide bevor. Ein Sparprogramm steht ins Haus, das noch viel zu reden geben wird. Bleibt zu hoffen, dass für einmal nicht nur ein paar Promille der stimm- und wahlberechtigten Grenchnerinnen und Grenchner die Gemeindeversammlung besuchen, um dort von ihrem demokratischen Recht Gebrauch zu machen. Und bleibt zu hoffen, dass die Politik weitsichtig bleibt, man den politischen Gegner ernst nimmt und ihm mit Achtung begegnet. Dann haben auch die Wutbürger keine Chance.