Superbike Open
«Es war einfach nur geil» – Grenchner wird Schweizer Meister im Superbike Open trotz Anlaufschwierigkeiten

Der Grenchner Pascal Vallant ist neuer Schweizer Meister in der Klasse Superbike Open. In dieser Klasse messen sich Fahrer auf Motorrädern mit 1000 Kubikzentimetern.

Oliver Menge
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Pascal Vallant mit dem Siegerpokal hinter seinem Superbike.

Pascal Vallant mit dem Siegerpokal hinter seinem Superbike.

Oliver Menge

«Es war einfach nur geil, das Saisonhighlight», meint der frisch gekürte Schweizer Meister, der sich den Titel an insgesamt 12 Rennen gesichert hat. Der 21-jährige Pascal Vallant fährt die Motorradklasse «Superbike Open» – in dieser Klasse messen sich Fahrer auf Motorrädern mit 1000 Kubikzentimetern Hubraum aller Art, also auch Rennmaschinen, die am MotoGP zum Einsatz kommen.

Insgesamt an sechs Wochenenden war die Familie Vallant unterwegs, 15 000 Kilometer mit zwei Fahrzeugen – Transporter mit dem Motorrad und Zubehör, Auto mit Wohnwagen. Vater und Pascal im Transporter, sein Bruder und Mutter Daniela im Auto. Die Reise führte sie nach Valencia, Spanien, Dijon in Frankreich, Brno in Tschechien, zum Slovakia Ring, 36 Kilometer von Bratislava entfernt, wiederum nach Dijon und zum Abschluss nach Rijeka in Kroatien. Pro Wochenende gab es jeweils ein Warm-up und zwei Rennen, die für die Wertung zählten. Die Kategorie Superbike Open startete jeweils zusammen mit der Kategorie Superbike, rund 20 Fahrer starten gemeinsam und fahren anschliessend 12 bis 14 Runden, zwischen 60 und 75 Kilometer Renndistanz pro Rennen. Die Wertung erfolgt separat nach Kategorie.

In Dijon, auf der schnellsten Strecke der Tour mit der längsten Zielgeraden, erreichen die Motorräder Geschwindigkeiten von über 310 km/h.

Ein harziger Start mit Sturz und Motorschaden

Für Vallant begann die Meisterschaft mit einem Debakel: Beim ersten Rennen in Valencia schied er in der letzten Runde und der letzten Kurve auf vierter Position mit Motorschaden aus. Kühlwasser spritzte aus dem Kühler aufs Vorderrad, dieses rutschte weg und brachte Vallant zu Fall. Glücklicherweise verletzte sich der Fahrer nicht, aber der Motor seiner Maschine war hinüber. «Wir hatten einen Ersatzmotor, den bauten wir ein für das Rennen am nächsten Tag», um 2 Uhr morgens seien sie damit fertig geworden. Doch auch im zweiten Rennen am Folgetag lief es nicht besser. Zwar fuhr Vallant im Warm-up die schnellste Zeit, aber beim Rennen hatte er Pech: In Runde 5 musste er wegen technischen Defekts aufgeben. «Die Elektronik sprühte Funken», sagt Vallant.

Ein neuer Motor musste eingebaut werden

«Jetzt mussten wir entscheiden, wie wir weiterfahren wollten. Der Ersatzmotor war nur geliehen. Ein neuer Motor kostet in der Schweiz 10 000 Franken – das ist sehr viel Geld.» Das frühzeitige Ende der Saison drohte. Doch man fand eine Lösung bei einem österreichischen Team, das für denselben Betrag einen eingefahrenen und abgestimmten Motor samt Kühler zum nächsten Rennort nach Dijon brachten. «Wir bauten den Motor ein und die Aufholjagd nach dem ersten punktelosen Wochenende begann. Dieser Motor hat bis zum Schluss durchgehalten».

Vallant war in den restlichen Rennen immer unter den Top 5 klassiert. Er gewann in seiner Kategorie acht Rennen und wurde in zwei Rennen Zweiter. Zusammen mit den beiden Nullerrennen zu Saisonbeginn reichten die Punkte zum Titel in der Kategorie Superbike Open.

Nun geht es bereits an die Vorbereitungen für die nächste Saison. Die Hauptsorge dabei sind die Finanzen: «So eine Saison kostet gut und gerne 30'000 bis 50'000 Franken.» Die Suche nach Sponsoren gestaltet sich je länger, je schwieriger, Motorrennsport hat heutzutage einen schweren Stand.
Die nächste Saison wird ausserdem sehr anspruchsvoll, denn voraussichtlich wird die Schweizer Meisterschaft in die «AAIMC» integriert, Alpe Adria International Motorcycle Championship, einer Meisterschaft, die Österreich, Italien und die Schweiz gemeinsam durchführen. «Das Fahrerfeld ist international, das Niveau höher, die Konkurrenz härter», resümiert Vallant.

Aber als Erstes fährt Vallant nun nach Spanien, wo er während zweier Wochen auf der Motocross-Piste Koordination, Konzentration und Kondition trainiert, zusammen mit einem Kollegen – nicht zu vergessen, der Spassfaktor und hoffentlich etwas Sonne.