Es ist mir klar, dass die Stadt eine Mitverantwortung für das Gedeihen des Parktheaters trägt, auch wenn sie nur einen einzigen Anteilschein der Genossenschaft besitzt», meint Stadtpräsident François Scheidegger, angesprochen auf die Turbulenzen zwischen Parktheater-Genossenschaft und Pächterin Rodania Gastro AG. Es ist inzwischen (auf Initiative der Genossenschaft Parktheater) eine Task Force an der Arbeit mit Vertretern der Stadt, der Genossenschaft und der Pächterin, welche eine Lösung für die verfahrene Situation am Erarbeiten ist.

Der Stadtpräsident beklagt schon seit einiger Zeit, dass die Parktheater-Genossenschaft, so wie sie heute (nicht) funktioniert, eine schwierige Situation nur noch unnötig verkompliziere. Denn faktisch ist die Genossenschaft Parktheater in finanzieller Hinsicht handlungsunfähig. 

Das liegt daran, dass diese als Besitzerin nie die finanziellen Rückstellungen machen konnte (oder wollte), um auch Investitionen in die Infrastruktur tätigen zu können. Denn dann hätte sie eine viel höhere Pacht verlangen müssen, Saalmieten, Parkgebühren etc. Dass die Stadt zahlt, war quasi ein ungeschriebenes Gesetz. «Ein Schönwetterkonstrukt» sei diese Situation, meint Scheidegger.

Ist das Parktheater ein Service public?

Nun, da finanziell rauere Zeiten angebrochen sind, treten diese Mängel erbarmungslos an den Tag. Erst recht, wenn die Pächterin in finanzielle Schieflage gerät – nicht zuletzt auch, weil sie nicht einfach ein Restaurant mit Saalbau führen kann (was schon schwierig genug wäre). Sie muss nämlich auch noch mit allerlei Gratisangeboten das Grenchner Vereinsleben beatmen. Und diese Vereine belegen mitunter den Platz, den die Rodania Gastro AG eigentlich zum Geld verdienen bräuchte. «Diese Ausgangslage hätte den Pächtern allerdings klar sein sollen, als der Neustart erfolgte», meint auch der Stapi. Er sei aber nach wie vor der Meinung, dass die Rodania für diesen Service public eine Entschädigung zugute habe. Wie hoch diese ist, wird zurzeit in einer Leistungsvereinbarung zwischen Stadt und Rodania Gastro AG ausgehandelt. «Es sind alle guten Willens», meint Scheidegger, der keine Schuldigen benennen will. Und er zeigt sich auch zuversichtlich, dass, wenn einmal klare Verhältnisse herrschen, die Probleme lösbar seien.

So weit so gut. Aber was, wenn sie es nicht sind? Was, wenn das Parktheater trotz gut gemeintem Engagement aller auf keinen grünen Zweig kommt? Was, wenn die Rodania Gastro AG dereinst die Segel ebenso streichen muss, wie alle vor ihr? Der Worst Case wäre, wenn die Stadt jetzt noch 1,5 Millionen in die Küche steckt und nachher keinen Pächter mehr hat. Und was, wenn die Genossenschaft ihrer Auflösung nicht zustimmen und weiter dazwischenfunken will?

Man muss sich bewusst sein: Grenchen leistet sich mit dem Parktheater eine Extravaganz: Saalbauten funktionieren heute vornehmlich als Catering-, bzw. Selbstkocher-Modelle: Konzertsaal Solothurn, Turbensaal Bellach, Bienkensaal Oensingen, Biberena Biberist. Letztere hat mit Restaurant («Flösserhof») nie richtig funktioniert. Es ist dort nur noch für grössere Anlässe offen.

So gesehen darf man sich nichts vormachen. Das Parktheater wird immer Geld kosten und das nicht zu knapp. Nach der Küchensanierung kommen die Säle, die Heizung, die energetische Sanierung usw.

Was ist zu tun? Ganz sicher sind jetzt die Resultate der Task Force-Verhandlungen abzuwarten. Eine neue Schätzung des Gebäudewertes wurde vorgenommen. Das Parktheater ist architektonisch (nicht baulich) ein Bijou, das Team um Patrick Tobler ist initiativ und engagiert, muss aber künftig wohl kleinere Brötchen backen.

Warum nicht mehr Grenchner Schaffen auf dieser Bühne?

Für den Theaterbetrieb ist Fantasie gefragt. Warum nicht mehr auf einheimische Ressourcen zurückgreifen? Synergien mit dem aktiven einheimischen Theaterschaffen wären auszunützen: mit dem Kleintheater, der Schopfbühne, mit Iris Minders zahlreichen Aktivitäten, der Gesamtschule für Theater. Wär ja gelacht, wenn sich die Parktheater-Bühne nicht auch Grenchen-intern befruchten liesse. Einige Gastspiel-Auftritte sollten aber weiterhin Platz haben im Jahresprogramm und gehören auch zum kulturellen Engagement der Stadt.

Zu guter Letzt wäre noch das Klagen der Grenchner Wirte, für das wir grundsätzlich Verständnis haben. Die Öffentlichkeit sollte nicht private Initiativen unnötig konkurrenzieren. Aber: Gerade das Gastrogewerbe profitiert mitunter auch, wenn die Stadt in Infrastrukturen investiert. Was wäre das Velodrome-Restaurant ohne Velodrome oder das «Airport» ohne Flughafen?

 andreas.toggweiler@azmedien.ch