Stadtbummel

«Es pöpperlet», so oder so

Die Maxime im kommenden Februar lautet: «es pöpperlet»

Die Maxime im kommenden Februar lautet: «es pöpperlet»

Am Tag vor Auffahrt treffen sich traditionellerweise Grenchens Fasnächtler, um das Motto für die kommende närrische Zeit zu bestimmen. In einer ebenso emotionalen wie hochstehenden Ausmarchung kürten sie schliesslich «es pöpperlet» zum neuen Slogan.

Die Passanten werden am letzten Mittwochabend nicht schlecht gestaunt haben, als sie miterlebten, wie weissgewandete Gestalten den Marktplatz in Beschlag nahmen und für Stimmung sorgten. Etwaige Befürchtungen, eine neue Sekte habe Grenchen heimgesucht, konnten schnell einmal beseitigt werden. Die Delegierten der grössten Volkskultur wollten schlicht aufzeigen, wie der Platz eben belebt werden kann. Dabei hielten die Organisatoren der «Böögezunft» ihre Kolleginnen und Kollegen ganz schön auf Trab: Geist und Körper wurden einer Belastungsprobe unterzogen.

Dies war jedoch nur die Ouvertüre für das, was im altehrwürdigen Ratskeller folgen sollte. Vor dem imposanten Wandgemälde von Ferdinand Kaus berieten die Fasnachts-Parlamentarier gewohnt inspiriert bis chaotisch, was denn nun im kommenden Februar als Maxime gelten soll.

Es bedurfte schon der langjährigen Erfahrung von Vize-Obernarr Milton Faulhaber, den übersprudelnden Esprit der Teilnehmenden in einigermassen geordnete Bahnen zu lenken. Lautmalerisches paarte sich mit Poetischem, politisch Korrektes mit dem Gegenteil. Vorschläge wie «Aes Weh Geh», «ctrl alt del» oder «gang go glette» vermochten zwar Achtungserfolge zu verbuchen, schliesslich aber triumphierte «es pöpperlet», was den Akteuren doch einigen Spielraum für fasnächtliches Treiben lässt.

Als Plaketten-Künstler konnte übrigens niemand geringeres als der diesjährige Kultur-Preisträger Marc Reist gewonnen werden. Das sind ja schöne Aussichten.

Ein bisschen höher wird das Herz auch bei den Mimen und den Verantwortlichen der Schopfbühne «gepöpperlet haben», als sie vernahmen, dass sie ans erste Schweizer Volkstheater-Festival eingeladen werden. Keine Selbstverständlichkeit, denn von 35 Bewerbern wurden nur deren acht berücksichtig: alle Achtung. Das Festival geht vom 12. bis 16. Juni in Meiringen über die Bühne.

Der Grenchner Verein wird mit einem guten Dutzend Personen ins Berner Oberland reisen und dort am Donnerstag, 13. Juni um 20.00 Uhr mit «Holzers Peepshow» auftreten.

Wer das wahrlich gut gespielte und umgesetzte Stück noch nicht gesehen hat, oder es noch einmal sehen will, ist herzlich eingeladen, die Grenchner Delegation zu unterstützen (volkstheaterfestival.ch).

Co-Präsidentin Louise Culmone bezeichnete es als grosse Ehre, in Meiringen auftreten und um die «Goldene Meringue» konkurrieren zu dürfen. Und der Bummler ist sich sicher, dass die Akteure in der «Ferne» Ehre für unsere Stadt einlegen werden.

Meistgesehen

Artboard 1