Grenchen
Es läuft wirtschaftlich bestens zwischen der Schweiz und den USA

«Trump hin oder her – es läuft hervorragend.» Das sagt Martin Naville vor dem Industrie- und Handelsverband Grenchen und Umgebung zu den Wirtschaftsbeziehungen Schweiz-USA.

Daniela Deck
Merken
Drucken
Teilen
Referent Martin Naville.

Referent Martin Naville.

Daniela Deck

Der Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer räumte bei seinem Vortrag vor dem Industrie- und Handelsverband Grenchen und Umgebung (IHVG) mit einigen Klischees auf. Zum Auftakt präsentierte der Handelskammerchef eine US-Landkarte der besonderen Art. Jeder Gliedstaat trug den Namen einer ihm ebenbürtigen Volkswirtschaft der Alten Welt.

Die Schweiz kam so auf New Jersey zu stehen und Russland auf Texas. Die Zuhörer, darunter Daniel Probst, Leiter der kantonalen Handelskammer, hörten am Flughafen in einer knappen Stunde mehr Erfreuliches (und Amüsantes) über Amerika, als sie wahrscheinlich seit dem Amtsantritt von Donald Trump aus den Medien vernommen haben: So hätten sich die Direktinvestitionen seit der Wirtschaftskrise in beiden Richtungen mehr als verdoppelt. Die Schweiz sei in den USA der sechstgrösste Investor, noch vor Deutschland. Und dies, obwohl die USA als weltweit bedeutendstes Binnenwirtschaftsland «selbstgenügsam» sei und auf niemanden ausserhalb angewiesen.

«Wir sind uns sehr ähnlich», erklärte Martin Naville. Als Lobbyist weibelt er derzeit hüben wie drüben für die Unternehmenssteuerreform. Ein zweites Scheitern können wir uns nicht leisten, ist er überzeugt. Auch für die nähere Zukunft sieht er eine Menge Potenzial für Schweizer und gerade auch Solothurner Firmen. Denn die Infrastruktur in den USA muss dringend erneuert werden, was neben Rohstoffen eine Menge moderner Maschinen erfordert.

Sorgen macht Naville hauptsächlich China und die damit zusammenhängende Drohung eines Handelskriegs – der die Schweiz hart treffen würde. «Was ist von einem Partner zu halten, der uns über den Tisch zieht und nach ganz anderen Regeln spielt? Schweizer Firmen haben in den USA gleich lange Spiesse wie amerikanische. Doch in China haben ausländische Firmen überhaupt keine Rechte», so der Referent.

Angesichts dieses Problems fallen die Bussen, die die Schweizer Banken in den USA zahlen müssen, für Naville kaum ins Gewicht. Ausserdem hätten die US-Banken genau die gleichen Bussen bezahlt, nur werde das von den Schweizer Medien ausgeblendet. Das Bussenvolumen der Schweizer habe keine fünf Prozent der Gesamtsumme ausgemacht, erklärte er.

Solothurn profitiert

Vonseiten der kantonalen Handelskammer wurde die positive Einschätzung der Partnerschaft Schweiz-USA gleich mit Zahlen untermauert. So hätten die US-Exporte der Solothurner Firmen allein diesen Juli im Vergleich zum Juli 2017 um 60 Prozent zugelegt, wie Daniel Probst bekannt gab.

An der Generalversammlung vor dem Referat informierten IHVG-Vertreter über die erfolgreiche Berufswahlmesse IBLive, die neue Rega-Basis am Flughafen und die Schwierigkeiten in den Finanzverhandlungen mit Skyguide bei der Flugsicherung. Die Jahresrechnung schliesst leicht positiv. Auch personell gibt es eine Veränderung. Im Vorstand hat Reto Stöckli Jean-Claude Eggen als Vertreter der ETA SA abgelöst.