Badesaison
Es ist Sommer: Die Badi Grenchen öffnet ihre Tore

Der Duft von Sonnencreme und ein Hauch von Chlor und Pommes frites liegen in der Luft. Das saftige Grün der Liegewiese und das strahlende Blau des Himmels leuchten mit den (noch) blassen Hauttönen frühsommerlicher Rücken und Beine um die Wette.

Christoph Neuenschwander
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Seit zehn Jahren treffen sie sich regelmässig «in der schönsten Badi».

Seit zehn Jahren treffen sie sich regelmässig «in der schönsten Badi».

Solothurner Zeitung

Die Badesaison ist eröffnet, die Freude darüber riesengross. Das bringen die über 600 Besucher, die am Samstag ins Schwimmbad Grenchen gepilgert sind, deutlich zum Ausdruck. Sonnenschein und eine Wassertemperatur von 22 Grad Celsius tragen das Ihre zur guten Stimmung bei.

In der Nähe des Schwimmbeckens hat es sich eine Gruppe von sechs jungen Frauen und Männern gemütlich gemacht. Sie gehören praktisch zum Inventar des Freibads, sagen sie. Seit zehn Jahren kommen sie regelmässig in die «schönste Badi der Welt», sie und etliche weitere Freunde. Hier trifft man sich, ohne sich verabreden zu müssen. «Man kommt nach der Arbeit her und schaut, wer da ist», sagt eine der Frauen.

Grosszügige Raum wichtig

Die Badi als Treffpunkt, also. Ein Ort für alte Bekannte, die sich nicht aus den Augen verlieren wollen – so ähnlich wie «Facebook» eigentlich, nur in der realen Welt. Die grossen Schwimmbecken und der weitläufige Sportplatz sind da zweitrangig, besonders für die Damen, wie sie behaupten. Den Herren ist der grosszügige Raum für sportliche Aktivitäten schon wichtig. «Hier spielen wir immer Fussball», sagt einer. «Wir ‹bällelen›, anders kann man das nicht nennen», widerspricht ein anderer und lacht. Nur eine Kleinigkeit haben sie zu bemängeln: seit dieser Saison gibt es kein Softeis mehr. «Das gehört doch einfach zu einer Badi dazu», finden sie. Auf der anderen Seite des Sportplatzes schaut eine Gruppe von Mädchen den Jungs beim Fussballspielen zu, hören Musik auf ihrem MP3-Player, tuscheln und kichern. Daneben demonstriert ein athletischer Badibesucher seinen Freunden, wie ein einwandfreier Rückwärtssalto auszusehen hat.

Akrobatik für Fortgeschrittene

Akrobatisch geht es auch beim Sprungturm zu und her: Köpfler vom Fünfmeter, Eineinhalber vom Dreimeter und Saltos vom Böckli wechseln sich beinahe im Sekundentakt ab. «Im Sommer bin mindestens dreimal pro Woche in der Badi», erklärt ein 15-Jähriger, der gerade diverse Sprünge ausprobiert hat. «Manchmal sogar fünf Mal.» Das Turmspringen sei seine Lieblingsbeschäftigung. Er sei froh darüber, dass das Schwimmbad nun wieder geöffnet hat, sagt er und klettert dann wieder zum 3-Meter-Sprungbrett hoch, um weiter an seiner Technik zu feilen.

Juli ist jetzt im Mai

Von weit her hört man die Kinder im Nichtschwimmer-Becken planschen; die Schlange vor der Wasserrutsche wird im Verlauf des Nachmittags immer länger. Im Restaurant wird trotz des fehlenden Softeises fleissig eingekehrt. Und auf der Beach-Volleyball-Anlage liefern sich zwei Männer gerade ein schweisstreibendes Badminton-Gefecht.

Es mag zwar noch Frühling sein, aber die Atmosphäre im Grenchner Freibad spricht für sich: Wenn die Badi erst einmal offen ist, besonders an einem so herrlichen Tag, dann ist Hochsommer. Ohne Wenn und Aber. Denn die Jahreszeit ist relativ, eine Frage der Einstellung, sozusagen. Und die Besucher haben sich definitiv auf Badeferienstimmung eingestellt.

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