Grenchen
«Es ist eine Schande»: Die Müllberge im Freimatt-Quartier wachsen und wachsen

Es ist nicht das erste Mal, dass der Platz neben den Containern mitten im Grenchner Freimatt-Quartier mit Mobiliar, Sofas und anderem Sperrmüll gefüllt wird.

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Nur gerade die zusammengeklebten Bretter haben Marken aufgeklebt.

Nur gerade die zusammengeklebten Bretter haben Marken aufgeklebt.

Oliver Menge

Eine Anwohnerin, die auf ihrem Weg kurz stehenbleibt und sich die Deponie anschaut, zeigt auf die Seite, wo die Container stehen: «Dort hat man extra junge Büsche angepflanzt, damit die Leute ihren Müll nicht mehr neben die Container schmeissen, Aber das ist denen egal. Ich hab den Stuhl da aus den Büschen gefischt und hierhin gestellt.» Seither sei noch viel mehr Müll zusammengekommen. «Die Sofas sind ganz frisch da.»

Ein einziges Pack mit zusammengebundenen Brettern weist Gebührenmarken für die Entsorgung auf, auf den anderen Gegenständen fehlen sie. Der Rest wird von der Müllabfuhr wohl erneut stehen gelassen. «Der Müll steht zum Teil schon seit Wochen herum. Den Grill, den haben irgendwelche Leute zwei Tage nach der Altmetallsammlung rausgestellt, das ist jetzt mehr als drei Wochen her.»

Müll kommt auch per Auto

Es seien übrigens nicht nur Ausländer, die hier ihr Zeugs entsorgten, wie das von manchen Leuten behauptet werde. Es seien viele Schweizer darunter. Sie habe auch schon ein junges Schweizer Paar, das in einem der Blöcke wohne, dabei beobachtet, wie sie eine Menge Holzabfälle, auseinandergenommene Gestelle oder so ähnlich, dort entsorgt hätten und Tags darauf in die Ferien gefahren seien.

Aber auch Leute von auswärts: Ein Nachbar, der sich nachts manchmal eine Zigarette auf dem Balkon gönne, habe schon oft Autos beobachtet, die mit Müll vorgefahren seien. «Es ist eine Schande. Kinder reissen dann die Dinge auf die Strasse hinaus und spielen damit. Müsste da nicht eigentlich die Polizei einschreiten?»

Tatsächlich ist «Littering» ein Delikt, das im Kanton Solothurn geahndet wird: Die Stadtpolizei Grenchen kann Ordnungsbussen verhängen, wenn sie den Fehlbaren in flagranti erwischt. Man könne sogar eine Strafanzeige beim Friedensrichter wegen Widerhandlung gegen die Kehrichtverordnung der Gemeinde in Erwägung ziehen, so Polizei-Vizekommandant Hugo Kohler.

Nur: Dazu braucht es Beweise. Und das sei in vielen Siedlungen, wo es auch keine Hauswarte mehr gebe, sozusagen aussichtslos. «Wenn wir dann mal jemanden ausfindig machen können, heisst es oft, sie hätten die Marken nicht aufgeklebt, weil sie Angst hätten, sie würden geklaut.» (om)