Parktheater Grenchen
Es gab gar einzelne Bravo-Rufe

Mit der vergangenen Saison ist Corinne-Maier, die Programmgestalterin der Genossenschaft Parktheater Grenchen, durchaus zufrieden. Die Nachfrage nach den einzelnen Anlässen ist nicht immer voraussehbar.

Daniel trummer
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Ein karges Bühnenbild und nur wenige Requisiten.Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

Ein karges Bühnenbild und nur wenige Requisiten.Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

Die letzte Aufführung der Spielzeit im Parktheater Grenchen, am Mittwoch, war leider nur mässig besucht. Zu Unrecht! Die Theaterfassung nach Motiven von Max Frischs Roman bot überzeugende und fesselnde Schauspielkunst.

1957 wurde der Roman «Homo Faber. Ein Bericht» von Max Frisch veröffentlicht und entwickelte sich in der Folge rasch zum Bestseller. Manche der Zuschauer haben das Werk des Schweizer Schriftstellers im Bücherregal stehen. Mit der Bühnenfassung ist die Gefahr verbunden, eine Menge Erwartungen, Vorstellungen oder Lektüreerinnerungen zu enttäuschen. Ulrich Woelk, der als Astrophysiker tätig war und heute Romane, Erzählungen und Theaterstücke schreibt, hat das Unterfangen gewagt. Es ist wahrlich gelungen. Die Bühne ist karg. Kaum Requisiten sind auszumachen. Es genügen zwei Stühle und einige Gläser und Getränke. In einzelnen Szenen wird die Geschichte erzählt. Die Beleuchtungstechniker fokussieren die Schauspieler, der Rest der Bühne bleibt im Dunkeln.

Kurze hilfreiche Texte mit Orts- und Zeitangaben werden an die Bühnenwand projiziert. Anders als im Roman ist die Handlung chronologisch aufgebaut. Faber, der junge Ingenieur, begegnet in Zürich Hanna und verliebt sich in sie. Hanna wird schwanger. Faber rät zur Abtreibung, will sie dann doch heiraten. Sie heiratet jedoch Fabers Freund und lässt sich wieder scheiden. Faber hat längst seine Stelle bei der Unesco angetreten. Reisen Fabers in Nord- und Südamerika folgen. Dann die Schiffsreise nach Europa. Auf der Überfahrt lernt er die junge Sabeth kennen und macht ihr einen Heiratsantrag. Erst auf der anschliessenden gemeinsamen Reise nach Griechenland begreift er, dass Sabeth seine Tochter ist. Schliesslich in Athen die tragische Wende der inzestuösen Liebesgeschichte. Den sieben Schauspielern unter der Regie von Rüdiger Burbach gelang ausnahmslos eine packende und herausragende Leistung. Das Publikum dankte zu Recht mit grossem Applaus und Bravorufen.

Mit der vergangenen Saison ist die Programmgestalterin der Genossenschaft Parktheater Grenchen durchaus zufrieden. Als Höhepunkt bezeichnet Corinne Maier den Auftakt der Saison 2015/2016 im Oktober des vergangenen Jahres. Das Musical «Höchste Zeit» von Tilmann von Blomberg wusste zu begeistern. Sehr gut besucht war das Konzert der «Furbaz», der Vokalformation aus den Bündner Alpen. Zum wiederholten Male starteten sie ihre Tournee auf der Bühne des Parktheaters. Auch das Weihnachtskonzert mit Musik, Gesang und Tanz, unter dem Titel «Irish Christmas», kam bei den Bühnenfreunden an. Gut besucht war das Stück «Mann über Bord», das auch Frauen köstlich amüsierte.

«Vieles lief anders als erwartet», resümiert Corinne Maier. Obwohl hervorragend und mit hoher schauspielerischer Qualität dargeboten, buchten nur gerade 160 Zuschauer für «Der Name der Rose», die furiose Geschichte nach Umberto Eco des Berliner Kriminaltheaters. «Der Schauspieldirektor» und «Homo Faber» des Theaters Kanton Zürich waren leider gar nicht gefragt. Im Spagat zwischen Budgetvorgaben und verkauften Theaterkarten sind ungenügend gebuchte Vorstellungen natürlich Wermutstropfen. «An der Werbung hängt es nicht», ist Maier überzeugt. Sie lobt die gute Zusammenarbeit mit den Medien und die Unterstützung durch die Stadt. An den moderaten Eintrittspreisen kann es auch nicht liegen. Klar beeinflussen schlecht gebuchte Stücke und nicht gefragte Genres die Programmgestaltung. Die Programmzusammenstellung für die nächste Saison ist für sie wiederum eine grosse Herausforderung, die sie gerne annimmt. Das Publikum darf gespannt sein.