Wer seit dieser Woche mit offenen Augen durch Grenchen fährt, wird bestimmt bemerkt haben, «dass es cho wähle chunnt». Gleiches stellen Nutzerinnen und Nutzer der Social Media fest. Letztere werden im Facebook mit Freundschaftsanfragen überhäuft, obwohl sie von den «neuen Freunden» noch kaum etwas gehört haben, geschweige deren Namen kennen. Diese «Freundschaftsjäger» empfehlen sich uns als die Leute, die in den nächsten vier Jahren als National- oder Ständeräte in Bern unsere Interessen am besten vertreten können.

Bei näherem Hinsehen kommen bei mir allerdings ernsthafte Zweifel an deren «politischer Kompetenz» auf. Berner, Aargauer, Zürcher, Appenzeller, Bündner (und viele mehr) bitten mich um meine Stimme. Wenn diese Leute nicht einmal wissen, dass ich mich als in Grenchen wohnhafter auf das Solothurner Angebot beschränken muss, werde ich richtig sauer. Ich muss davon ausgehen, dass viele dieser Kandidatinnen und Kandidaten den Staatskundeunterricht entweder geschwänzt haben oder dann jeweils zu nahe am geöffneten Fenster sassen!

Zum guten Glück gibt es aber eine grosse Zahl von Interessenten, die wissen, dass man besser daran tut, ganz einfach unten anzufangen und seine Sporen auf Stufe der Gemeinde und der Kantone abverdienen könnte.

Dann kommt es bestimmt nicht vor, dass man gefragt wird, ob man als Gemeinderatskandidat automatisch auch grad in den Kantonsrat gewählt werde... Kein schlechter Witz. Das wurde ich vor zwei Jahren einmal gefragt. Also für mich ist klar, dass ich am 20. Oktober sechs Frauen und Männer in den Nationalrat und zwei Personen in den Ständerat wählen werde.

In Grenchen stellen sich ein Dutzend Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung (fünf Frauen und sieben Männer). Interessant ist, dass – die Jungparteien inbegriffen – sieben Parteien antreten. Die jüngste Kandidatin ist gerade mal 22 Jahre jung und der älteste Kandidat zählt 62 Jahre.

Sie sehen, ich bemühe mich, neutral zu bleiben und keine Wahlempfehlungen abzugeben. Nur so viel. Es ist von allem etwas dabei . Eine Bitte hätte ich aber dennoch. Gehen Sie am 20. Oktober wählen. Nur dann dürfen Sie die nächsten vier Jahre – mit Anstand – schimpfen, wenn Ihnen etwas nicht passt. Wenn Sie nicht zur Urne gehen, gilt wie im Sport: Nichtspieler Maul halten!