In einer Medienmitteilung der Tschudin AG, die am Donnerstag verschickt wurde, heisst es, dass die Grenchner Firma einen Teil ihrer Produktion ins Ausland verlegen muss. Dies, weil die Stadt Grenchen ihr einen Landkauf verweigert habe

Konkret: «Die Firma Tschudin AG, seit 70 Jahren in Grenchen ansässig, und die Firma Wenk AG aus Biel/Bienne können einen Neubau in Grenchen nicht in der von ihnen benötigten Grösse realisieren. Der Neubau musste redimensioniert werden, da die Landparzelle, die sich im Firmenbesitz befindet, zu klein ist.»

Parzelle an der Neckarsulmstrasse

Firmeninhaber Urs Tschudin hatte auf der Parzelle, die er vor rund fünf Jahren von der Stadt erwarb, bereits seit 2006 eine Reservation (siehe Kasten). Ein Landabtausch vor zwei Jahren mit der Swatch, der alles vereinfacht hätte, habe nicht geklappt. Dies auch deshalb, weil ein Landabtausch steuerlich einem Landverkauf gleichgestellt werde, so Tschudin auf Anfrage.

Dann kam Selzach ins Spiel, plötzlich war ein Stück Land südlich der Firma Stryker im Gespräch und das Geschäft schien perfekt. Doch der Selzacher Gemeinderat wollte darauf nicht eingehen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie Gemeindepräsidentin Silvia Spycher gestern bestätigte, beschloss man, das Land vorerst nicht zu verkaufen. Urs Tschudin hingegen ist davon überzeugt, dass da im Hintergrund Gespräche zwischen Grenchen und Selzach stattgefunden haben.

Im Mai diesen Jahres schliesslich präsentierte Tschudin sein Projekt. Für den geplanten Neubau stellte er mehrere Varianten zur Diskussion und wendete nach eigenen Angaben rund 200'000 Fr. nur für Planungskosten auf. Der Wirtschaftsrat stimmte zu, aber die Gemeinderatskommission (GRK) befand, hier werde zu viel Boden verschwendet. Das wiederholte sich noch zwei Mal. Jedes Mal mit einer neuen Eingabe, neuen Plänen und viel Papier. So heisst es denn auch in der Medienmitteilung: «Es drängt sich die Frage auf, warum die GRK überhaupt ein Expertengremium mit der Evaluation des Projekts beauftragt hat, wenn dessen Entscheide ignoriert werden.» Die Tschudin AG finde es durchaus legitim, dass die Stadt Grenchen ihre Interessen vertrete. «Ungeachtet dessen darf man als Steuerzahler und Arbeitgeber, der seit Jahrzehnten in Grenchen ansässig ist, eine offene und ehrliche Kommunikationsform von der Stadtverwaltung erwarten.»

Ein wütender Stadtpräsident

Stadtpräsident François Scheidegger geriet gestern ziemlich in Rage, als er am Rande eines Anlasses der Solothurner Handelskammer davon hörte (siehe Artikel unten). Er habe immer wieder Hand geboten und nach Lösungen gesucht. Man habe stets ein offenes Ohr für die Anliegen Tschudins gehabt, aber statt sich einmal auf ein Projekt zu konzentrieren, seien ständig wieder neue Pläne, gegen die 50, eingereicht worden. Man habe diverse Varianten diskutiert, auch andere, grössere Parzellen in der Nähe angeboten, aber Tschudin habe darauf gar nicht eingehen wollen. Zusätzliche 6000 Quadratmeter zu kaufen, das gehe einfach nicht, zumal die Anzahl der Arbeitsplätze, die er dort anzusiedeln gedenke, nicht gerade gross sei und er das Land nicht ausnütze.

Zu diesem Punkt meint Tschudin, dass durch den Zusammenschluss der beiden Firmen zwar Synergien geschaffen werden, aber nicht im Sinne von Einsparungen. Im Gegenteil, man werde sich besser am Markt positionieren können und wachsen. Tschudin rechnet mit rund 50 Arbeitsplätzen am neuen Ort.

Kleiner als geplant

Mit dem Bau des neuen Firmensitzes, wie abgebildet und auch ausgesteckt, soll noch in diesem Jahr begonnen werden, so Tschudin. Man habe auch eine Eingabe für eine vorzeitige Pfählung gemacht, sodass man damit eventuell schon im Dezember beginnen könne. Der Bau sei aber nur möglich, weil Hüsler Nest ihm Land abgetreten habe.

So soll der neue Firmensitz der Tschudin AG und Wenk SA an der Neckarsulmstrasse aussehen.

So soll der neue Firmensitz der Tschudin AG und Wenk SA an der Neckarsulmstrasse aussehen.

Das steht auch so in der Medienmitteilung: «Durch das Entgegenkommen der Firma Hüsler Nest AG kann nur ein verkleinerter Neubau realisiert werden; die Firma Tschudin sucht nach anderen Lösungen.» Beide Unternehmen, Tschudin AG und Wenk AG, halten am Entscheid fest, zukünftig an einem gemeinsamen Standort Synergien zu nutzen, heisst es.
Aber: «Die Entscheide der GRK zwingen die Firma Tschudin, einen Teil der Herstellung ab 2018 ins Ausland zu verlagern. Die Produktion einer neuen Baureihe kleinerer Maschinen wird grösstenteils ausgelagert. Bei dieser Baureihe geht man von höheren Stückzahlen aus.» Die Verantwortung für die Herstellung dieser Maschinen werde an die Tochterfirma in Dubai abgetreten. Damit verliere Grenchen Arbeitsplätze und den Gewinn.

Das Baugesuch für den redimensionierten Neubau in Grenchen wurde am 30. Oktober 2017 eingereicht. Man möchte noch in diesem Jahr mit dem Neubau beginnen und ihn im Frühherbst 2018 beziehen.