Kunstwettbewerb
Erste Ausgabe im Jahr 1958: Jetzt steht schon 20. Triennale in Grenchen an

Am Mittwoch wird in der Tennishalle die 20. Grafik-Triennale eröffnet. Sie ist zu einem festen Bestandteil des kulturellen Kalenders im Kanton Solothurn geworden und wird international stark beachtet.

Rainer W. Walter
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Die Eröffnung der Triennale Grenchen von 2012. (Archiv)

Die Eröffnung der Triennale Grenchen von 2012. (Archiv)

AZ

Irgendwann vor 1958 entstand die Idee: Grenchen, das drei Jahre vorher das Parktheater als aktives kulturelles und gesellschaftliches Zentrum eingeweiht hatte, müsste einen weltweit wahrgenommenen Kunstwettbewerb durchführen. Träger der Idee waren Mitglieder des Kunstvereins, allen voran Toni Brechbühl, Paul L. Glocker, Jürg Stampfli, der spätere Bundesrichter Albert Allemann, die Künstler Ferdinand Kaus und Fritz Flury sowie der Präsident des Vereins, Fernand Trachsler, seines Zeichens Chefredaktor des «Grenchner Tagblatts».

In Lugano existierte zu jener Zeit die bekannte Ausstellung «bianco e nero», die sich mit der klassischen Schwarz-Weiss-Darstellung in der Grafik beschäftigte. Grenchen sollte, so war die Meinung, ein Gegenstück erhalten und so nannte sich die neue, noch ungeborene Veranstaltung stolz und durchaus selbstsicher «Internationale Triennale für farbige Original-Grafik». Der Titel umschrieb klar das Programm: Alle drei Jahre sollte die Teilnahme am Wettbewerb in Grenchen international ausgeschrieben werden. Und das für Kunstschaffende, die ihre Grafik-Blätter in Farbe produzierten.

Ein Abenteuer mit Folgen

Die Initianten hatten (noch) keine Ahnung, was sie zu erwarten hatten. Eines aber wussten sie genau: Was immer an Arbeit über sie hereinbrechen würde, sie würden in den Grenchnerinnen und Grenchnern begeisterte Helferinnen und Helfer finden. Das Echo, das die Ankündigung der ersten Triennale ausgelöst hatte, war überzeugend: OK-Präsident Fernand Trachsler konnte im Vorwort zum ersten Katalog mitteilen, dass 1000 Künstler aus 28 verschiedenen Ländern ihre Arbeiten zur Beurteilung durch die Jury eingeschickt hätten.

Einzelne Kunstschaffende schickten mehrere Bilder ein, die, wenn sie aus dem Ausland eingesandt wurden, auf dem Zollamt in Biel ausgemessen, registriert und nach Grenchen geholt werden mussten. Galerist und «Volkshaus»-Wirt Hans Liechti erzählte, dass er mittags den Pensionären das Essen ausgeteilt habe, dann nach Biel gefahren sei und dort die eingetroffenen Bilder ausgemessen und abgeholt habe.

Die erste Triennale fand vom 14. Juni bis 12. Juli 1958 im Parktheater statt. Der Eintrittspreis betrug Fr. 2.50. Der Besuchererfolg war einzigartig. Es scheint, dass die interessierte Kunstwelt nur gerade auf die Grenchner gewartet hätte. Spannend ist es heute noch, den ersten Katalog zu lesen. Bundesrat Philipp Etter beispielsweise gratulierte den Grenchnern und meinte, die Triennale sei ein Beweis für die Bedeutung, die «auch kleineren Städten auf dem Gebiet der Kunstpflege zukomme».

Die dreiköpfige internationale Jury sprach den mit stolzen 2000 Franken dotierten ersten Preis der Triennale dem französischen Künstler Alfred Manessier zu. Vier Jahre nach der ersten Triennale in Grenchen wurde in Moutier die neue katholische Kirche erbaut. Die unglaublich schönen und farbenprächtigen Glasmalereien im Kircheninnern stammen alle von Alfred Manessier.