Grenchen
Erst ein Viertel der Solidaritäts-Gutscheine sind weg

Der Verkaufsstart für subventionierte GVG-Gutscheine verlief zögerlicher als erwartet. Der Gewerbeverbands-Präsident ist trotzdem zufrieden.

Andreas Toggweiler
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Die Solidaritätsgutscheine des Gewerbeverbands Grenchen sind noch nicht ausverkauft.

Die Solidaritätsgutscheine des Gewerbeverbands Grenchen sind noch nicht ausverkauft.

Andreas Toggweiler

20'000 Franken hatte die Wirtschaftsförderung der Stadt Grenchen dafür locker gemacht, um die Solidaritätsaktion des Gewerbeverbandes Grenchen GVG zu unterstützen. Hintergrund ist auch die Umsetzung eines als dringlich verabschiedeten Postulats der CVP, welche von der Stadt Aktionen zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft in der Coronakrise forderte.

Und das funktioniert folgendermassen: Die GVG-Gutscheine, mit denen man in Grenchner Geschäften (die Mitglied im Gewerbeverband sind) einkaufen kann, kosteten am Mittwoch nur 90 Prozent des nominellen Betrages. Wer Gutscheine mit einer Kaufkraft von 500 Fr. postete, der musste dafür nur 450 Fr. in Bar hinblättern. Privatpersonen konnten Gutscheine für maximal 500 Fr. kaufen, Firmen für bis zu 5000 Franken. Die speziell gekennzeichneten Gutscheine sollen bis Ende Oktober eingelöst werden. Nach dem Riesenerfolg der Aktion in Olten erwartete man auch in Grenchen einen Run auf die subventionierten Einkaufsgutscheine für das Städtische Gewerbe.

Verkaufsaktion imParktheater-Foyer

Am Mittwoch war alles parat für die Verkaufsaktion im Foyer des Parktheaters, die bereits um 7 Uhr früh begann und bis 17 Uhr dauerte. Theoretisch hätte man an diesem Gutscheine für bis zu 200'000 Fr. verkaufen können. Es waren auch zwei Polizisten vor Ort, denn im Lauf des Tages hätte sich so eine ganze Menge Bargeld angesammelt.

Die sympathische Aktion wurde durchaus beachtet, jedoch längst nicht im erwarteten Ausmass. Bei einem Augenschein am Vormittag waren vereinzelte Käufer anzutreffen, nicht jedoch ein Run festzustellen. «Insgesamt haben wir an diesem Tag Gutscheine im Betrag von gegen 50'000 Fr. verkauft», erklärt GVG-Präsident Heinz Westreicher. In den meisten Fällen wurde der Maximalbetrag von 500 bzw. 5000 Fr. bezogen.

GVG-Präsident dennoch zufrieden

«Damit sind wir durchaus zufrieden, auch wenn der Ansturm weniger gross war, als erwartet», zieht Westreicher Bilanz. Nach wie vor ist er der Überzeugung, dass die Gutscheinaktion eine gute Massnahme zur Förderung des lokalen Gewerbes ist. «Ich habe auch als Privatperson den Maximalbetrag bezogen und beim Metzger damit eine Vorauszahlung geleistet. Jetzt kann ich anschreiben lassen, bis der Betrag aufgebraucht ist.» Da es noch reichlich Solidaritäts-Gutscheine hat, wird der Verkauf über die GVG-Geschäftsstelle bis auf weiteres fortgesetzt.

Westreicher erinnert daran, dass auch die «normalen» GVG-Gutscheine weiterhin im Umlauf sind. «Das Altersheim Kastels hat kürzlich (nicht verbilligte) Gutscheine im Betrag von 46'000 Franken bezogen, das zeigt, dass diese städtische Institution hinter dem Gewerbe steht.»

Abzocken statt Solidarisieren?

Im Vorfeld der Solidaritätsaktion war auch auf das durchaus vorhandene Missbrauchspotenzial aufmerksam gemacht worden: Wer als Gewerbler/Firma für 5000 Fr. Gutscheine kauft, und dafür 4500 Fr. bezahlt, kann diese bei der Raiffeisenbank (GVG-Mitglied) in Bargeld umtauschen.
Die gewonnenen 500 Fr. wären ein schöner Zustupf ans Ferienbudget. Wenn die ganze Familie als Einzelpersonen auch noch zukauft, erst recht. Der Redaktion wurde zugetragen, dass es tatsächlich Grenchner Gewerbler (!) gibt, die sogar angekündigt hätten, dies zu machen. Das Ziel der Solidaritätsaktion würde so aufs gröbste torpediert.

«My local Services»

Eine weitere Aktion zur Förderung des lokalen Gewerbes plant die Stadt bereits: Sie will auf das Angebot der Post reagieren, welche ihre App «My local services» den Gemeinden bis Ende Jahr kostenlos zur Verfügung stellt. Die Stadt kann auf der Plattform einerseits Informationen über öffentliche Dienstleistungen oder weitere relevante Informationen publizieren und lokale Gewerbebetriebe können darauf Sonderaktionen bewerben. User können dabei Push-Nachrichten aus ihrem bevorzugten Gewerbemix abonnieren. Dieses Angebot soll am 1. Juli starten. (at.)

«Uns ist bewusst, dass das theoretisch möglich ist», meint Heinz Westreicher dazu. «Aber wir hoffen auf die Ehrlichkeit der Leute und dass sie im Sinn der Solidaritätsaktion handeln und nicht im Sinne der Selbstbereicherung.»

Westreicher glaubt zudem nicht, dass im grossen Stil getrickst wird. «Denn einerseits werden die Käufer der nummerierten Gutscheine bei uns registriert, anderseits wird auf einem eingelösten Gutschein notiert, wo er abgegeben wurde.» Wenn also jemand ein solches Ding dreht, wird dies für den GVG einfach ersichtlich.

Temporär im GVG Mitglied werden

Dass eine lokal verwurzelte Bank die Gutscheine akzeptiert, hat auch Vorteile. So können problemlos Transaktionen mit GVG-Mitgliedern durchgeführt werden, die keine Barzahlungen entgegennehmen - beispielsweise für ein Inserat im Grenchner Stadtanzeiger.

Damit alle Gewerbetreibenden an der Aktion mitmachen können, hat man laut Westreicher sogar temporäre-Gratis-Mitgliedschaften vergeben. Von dieser Gelegenheit sei auch Gebrauch gemacht worden. Er hofft natürlich, dass manche auch über die Probemitgliedschaft hinaus dem GVG treu bleiben.

Hinweis: Die verbilligten Solidaritäts-Gutscheine für das Grenchner Gewerbe sind weiterhin in Stückelung zu 20 und 50 Franken auf dem GVG-Sekretariat, Centralstrasse 8, erhältlich.