Erfreuliche Rechnung
Gemeindeversammlung Selzach genehmigt den Um- und Ausbau der Bauverwaltung

Gemeindeschreiber Mario Caspar präsentierte ausserdem die erfreuliche Rechnung 2020 mit einem deutlichen Ertragsüberschuss.

Oliver Menge
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39 Stimmberechtigte besuchten die Gemeindeversammlung Selzach.

39 Stimmberechtigte besuchten die Gemeindeversammlung Selzach.

Oliver Menge

«Ich wurde genötigt, vorwärtszumachen, damit es reicht für das Spiel Schweiz – Frankreich.» Mit diesen Worten eröffnete Versammlungsleiterin und Gemeindepräsidentin Silvia Spycher die Gemeindeversammlung im Pfarrzentrum. 39 Stimmberechtigte hatten sich eingefunden, die Gespräche im Vorfeld drehten sich allerdings mehr um die eben erst vorbeigezogenen Unwetter als um Fussball.

Reorganisation der Bau- und Werksverwaltung

Bauverwalter Thomas Leimer wird im November 2022 pensioniert. Die Erfahrung aus benachbarten Gemeinden hat gezeigt, dass Selzach gut daran tut, sich rechtzeitig um eine Nachfolge zu kümmern. Bettlach beispielsweise musste die Aufgaben über ein Jahr lang an ein auswärtiges Planungsbüro auslagern, bevor jemand Geeignetes gefunden werden konnte. Ausserdem wurde aufgrund der Pensenerhebung der heutigen Bauverwaltung im Zuge des Projektes «Überprüfung der Pensen für das Gemeindepräsidium» ein erheblicher und dringender Entlastungsbedarf erkannt.

Der Gemeinderat schlägt ausserdem eine Neustrukturierung der gesamten Bau- und Werkverwaltung vor: Neu soll es drei Abteilungen geben, Hochbau, Tiefbau und eine Baubehörde. Damit will man den Bauverwalter etwas entlasten, damit dieser sich seinen Führungsaufgaben widmen kann. Diese neuen Unterbereiche sollen zum Teil auch Arbeiten erledigen, die man bisher an auswärtige Planungsbüros ausgelagert hatte, was nicht unerhebliche Kosten verursachte. Künftig will man diese «in House» erledigen können.

Und nicht zuletzt will man, um den neuen Bauverwalter auch richtig einarbeiten zu können, diesen bereits im Oktober dieses Jahres anstellen, womit die Stelle bis zu Leimers Pensionierung doppelt besetzt wäre. Wer oder zu wie vielen Prozenten für die Unterbereiche zuständig sein wird, ist noch nicht klar. Der neue Bauverwalter würde idealerweise aktiv bei der Reorganisation mitwirken.

Bei einer Fachperson für Baubewilligungen würde das Pensum um 30% aufgestockt. Im Gegenzug will der Gemeinderat im Werkhof 30% reduzieren. Insgesamt bedeutet die Reorganisation eine Aufstockung des gesamten Bereichs um 100 Stellenprozente im Maximum. Statt wie bisher 550% würde der Stellenetat der Bau- und Werkverwaltung neu 650 Stellenprozente betragen.

Weshalb die Reduktion um 30% im Werkhof, fragte ein besorgter Bürger? Weil man davon ausgehe, dass ein neuer Werkarbeiter, den man aufgrund einer Pensionierung anstelle, die Arbeiten auch innerhalb von 70 Stellenprozenten erledigen könne, antwortete Silvia Spycher. Sie sei sich bewusst, dass der Gemeinderat viel verlange vom Souverän, insbesondere, weil man jetzt noch nicht wisse, wie die Stellenprozente aufgeteilt werden, meinte sie auf eine entsprechende Frage einer anderen Selzacherin.

Auf die Aufforderung eines Einwohners, man möge doch gefälligst einen Bauverwalter anstellen, der sich wirklich für das Dorf einsetze – also am besten keinen Auswärtigen –, sagte Spycher, dass man sich die möglichen Kandidaten ganz bestimmt gut anschauen werde und dieser gemäss Leitbild der Gemeinde arbeiten müsse.

Der Antrag des Gemeinderats auf die Reorganisation der Bau- und Werksverwaltung sowie der Antrag auf einen Nachtragskredit von 205'000 Franken für die Doppelbesetzung wurde mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung deutlich angenommen.

Auch der neue Leistungsvertrag der Gemeinde mit der Spitex Aare, der den bisherigen Leistungsvertrag aus dem Jahr 2011 ersetzt und nur marginale Änderungen enthält, wurde mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung deutlich genehmigt.

Ein erfreuliches Ergebnis

Gemeindeschreiber und Finanzverwalter Mario Caspar konnte den Anwesenden ein erfreuliches Ergebnis in der Rechnung 2020 präsentieren (siehe Tabelle). Der Ertragsüberschuss beträgt 773'000 Franken, budgetiert war ein Verlust von 1,13 Millionen Franken. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Denn effektiv schliesst die Rechnung mit einem operativen Aufwandüberschuss von rund 1,6 Millionen Franken. Dies vor den Entnahmen aus Vorfinanzierungen (rund 100'000 Fr.), der Entnahme aus Aufwertungsreserven (rund 700'000 Fr.) und der Auflösung der Rückstellungen für den Finanzausgleich (rund 1,6 Mio. Franken). Budgetiert war ein operativer Aufwandüberschuss von 3,5 Mio. Franken.

Der Hauptfaktor 2020 war ein Kantonsbeitrag aus dem Finanzausgleich von 1,2 Mio. Fr., der die Steuerausfälle von Firmen abfedert. Dazu kamen Minderausgaben infolge der Coronapandemie von etwa 300'000 Franken, weil viele Anlässe, wie Sommeroper, Feuerwehrübungen, sämtliche Senioren- und die meisten behördlichen Anlässe, abgesagt werden mussten. Ausserdem kostete der Schulkreis BeLoSe rund 200'000 Fr. weniger.

Somit verbleibt ein Gewinn unter dem Strich von 773'000 Franken, die dem Eigenkapital zugewiesen werden. Dieses erhöht sich damit auf rund 20,1 Mio. Franken. Selzach stehe finanziell sehr gut da und sei somit in der Lage, die noch nicht abschätzbaren Auswirkungen der Pandemie abzufedern. Die anwesenden Stimmberechtigten genehmigten die Rechnung inklusive der vom Gemeinderat beantragten Nachtragskredite deutlich mit einer Gegenstimme.

Kennzahlen der Rechnung 2020 von Selzach

Rechnung 2019 Rechnung 2020
Erfolgsrechnung
Gesamtaufwand 20'470 19'346
Gesamtertrag 21'057 20'119
Jahresergebnis 587 773
Steuereinnahmen nat. Pers. 8'646 8'871
Steuereinnahmen jur. Pers. 3'578 2'158
Übrige Steuereinnahmen 519 410
Gesamtabschreibungen (inklusive Spezialfinanzierung) 512 544
Investitionsrechnung
Investitionsausgaben 3'114 1'684
Investitionseinnahmen 211 184
Nettoinvestitionen 2'903 1'500
Weitere Kennzahlen
Steuerfuss nat. Pers. 108 108
Steuerfuss jur. Pers. 113 113
Selbstfinanzierungsgrad -55.38 -43.02
Eigenkapitaldeckungsgrad 100.66 111.4
Netto-Vermögen pro Kopf 5'383 5'121
Netto-Schulden pro Kopf

Neue Revisionsstelle

Der Selzacher Roger Rossier, der mit seinem Grenchner Büro Rovedyma in den letzten acht Jahren für die Revision zuständig war, gibt das Mandat altershalber ab. Der Gemeinderat hatte vier Offerten eingeholt und schlug der Gemeindeversammlung das Büro ROD Treuhand in Urtenen-Schönbühl als neue Revisionsstelle vor. Auf die etwas aufmüpfige Frage, weshalb man denn ausgerechnet eine ausserkantonale Firma beauftragen wolle, meinte Spycher, der Gemeinderat habe sich sehr wohl gut erkundigt und Referenzen eingeholt. Insbesondere die Nachbarsgemeinde Bellach arbeite bereits mit ROD zusammen und habe sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch dieser Antrag wurde schliesslich – mit denselben zwei Gegenstimmen – deutlich angenommen.

Sofortmassnahmen in Altreu

Als letztes Traktandum stellte Viktor Brotschi von der Arbeitsgruppe Sängli-Altreu, in der Vertreter der Behörden und der Anwohner sowie der Bauverwaltung mitarbeiteten, die Sofortmassnahmen vor, die bereits für diesen Sommer gelten sollen. Denn es komme bei schönem Wetter aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, insbesondere durch Automobilisten, die einen Parkplatz suchen, immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Personen, die die Störche auf ihren Horsten beobachten, oder herumtollenden Kindern.

Man will die verdreckten und veralteten Schilder, die bereits vorhanden sind, reinigen und nötigenfalls ersetzen, Wegweiser zum besseren Auffinden des Holzturms aufstellen, bestehende Fahrverbote zusätzlich mit Abschrankungen markieren, den Parkplatz beim «Grünen Affen» auffrischen und neu markieren, ein Fahrverbot für den Eichackerweg zum Witizentrum und weiter markieren, mit Ausnahmen für Landwirtschaft, Campingbenutzer, Besucher des Restaurants Zum grünen Affen und Bootsbesitzer. Im südlichen Teil wird eine generelle Parkverbotszone eingerichtet, mit Ausnahme der Längackerstrasse und des Bachwegs, wo während Anlässen in der Kapelle parkiert werden kann.

An der Längackerstrasse darf nur während Anlässen in der Kapelle parkiert werden.

An der Längackerstrasse darf nur während Anlässen in der Kapelle parkiert werden.

Oliver Menge

Beim Sängli selber werden die Piktogramm-Tafeln vergrössert, zusätzlich soll auch eine Aufsichtsperson die dort Badenden sensibilisieren und aufklären, was erlaubt ist und was nicht. Und falls nötig müsse halt die Polizei gerufen werden.

Schon wieder keine Seniorenfahrt

Unter «Verschiedenes» informierte Silvia Spycher die Anwesenden, dass die Seniorenfahrt pandemiebedingt erneut habe abgesagt werden müssen. Aber das Datum für nächstes Jahr stehe schon jetzt, sie werde am 24. Juni 2022 stattfinden. Bauverwalter Thomas Leimer gab den Anwesenden einen kurzen Abriss über das im Bau befindliche Regenrückhaltebecken und empfahl einen Augenschein. Vor allem, um zu sehen, wie dünn eigentlich die fruchtbare Bodenschicht in der Witi über einer wasser-undurchlässigen Lehmschicht sei.

Um genau 20.30 Uhr meinte die Gemeindepräsidentin: «Mir ist tatsächlich eine absolute Punktlandung gelungen.» Eine halbe Stunde später sollten dann die Schweizer Fussballer ihr Wunder zu vollbringen beginnen.