Willi Gyger
Erbauer des Sunnepark: «Der Tonfall mir gegenüber macht mich betroffen»

Das Projekt Sunnepark in Grenchen ist beinahe gescheitert. Nun nimmt Willi Gyger, der Erbauer und Betreiber des Zentrums, Stellung und beklagt: «Der Tonfall mir gegenüber macht mich betroffen.»

Andreas Toggweiler
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Willi Gyger

Willi Gyger

Urs Lindt

«Ich hatte vernommen, dass es im Gemeinderat Probleme geben könnte. Aber dass dann mir gegenüber gleich dieser Tonfall angeschlagen wurde, macht mich schon betroffen», sagt Willi Gyger, Solviva-Chef und Erbauer und Betreiber des Zentrums Sunnepark nach der Gemeinderatssitzung vom Dienstag.

Dort hatte der Rat den Gestaltungsplan für eine Wohnüberbauung, schwergewichtig mit Alterswohnungen, massiv kritisiert. Das Projekt sei überrissen und passe nicht ins Quartier. Die Wohnungen seien «zu günstig» (sic!) und nicht geeignet, die gewünschten finanzkräftigen Steuerzahler in die Stadt zu locken.

Jedenfalls, so der Tenor, sei eine massive Überarbeitung nötig – die man überdies dem Investor gar nicht zutraute. Denn nur ein Rückkommensantrag verhinderte schliesslich ein Nichteintreten.

Das Geschäft wäre von der Traktandenliste gestrichen worden. «Der Investor hat aber ein Anrecht darauf, dass die Vorlage, wie auch immer, behandelt wird», betont Stadtpräsident François Scheidegger.

42 Unterschriften

Im Bestreben, 42 unzufriedenen Quartierbewohnern Genugtuung zu verschaffen, kümmerte

Gäumann verabschiedet

Der Gemeinderat hat an seiner letzten Sitzung Stadtbaumeister Daniel Gäumann verabschiedet. Stadtpräsident François Scheidegger würdigte Gäumanns Verdienste um verschiedene Bauprojekte in Grenchen – so auch das Projekt Sunnepark (vgl. Haupttext) und verschiedene Studienwettbewerbe. Städtebaulich hochstehende Lösungen seien stets Gäumanns Maxime gewesen, hiess es. Dieser hatte sein Amt im August 2014 angetreten, fand aber den Draht insbesondere zum bürgerlich dominierten Gemeinderat nicht. Dieser wies auch sein Projekt für eine Erweiterung des Stadthauses zurück. Gäumanns Nachfolger ist noch nicht bekannt. (at.)

das den Rat zunächst nicht. Diese hatten sich mit der Bauherrschaft nicht über ein redimensioniertes Projekt einigen können.

«Wir haben das Projekt schon um ein Geschoss reduziert», erklärt Gyger zur offenbar misslungenen Aussprache im vergangenen November.

«Wenn man in den obersten Stockwerken höherpreisige Wohnungen anbieten will, wie das ja offenbar gewünscht wird, muss man über das Spitalgebäude hinwegsehen können. Gerade diese Wohnungen sind für eine genügende Rendite von Bedeutung», erklärt Gyger, dem das Areal im Baurecht gehört und der den Immobilienentwickler HRS mit dem Projekt betraut hat.

Das Interesse von Banken und Pensionskassen sei da, auch schon 130 Interessenten für die Wohnungen.

Auch aus raumplanerischer Sicht sei das Projekt mit dichterer Bebauung gegen innen für Grenchen sinnvoll. Wie es jetzt weitergeht, kann Gyger nicht sagen. «Jetzt ist die Stadt am Drücker. Wir können schon weiter reduzieren, ob aber dann für die Investoren die Rendite noch stimmt, kann ich nicht sagen.

Falls es nicht gelinge, sich zu einigen, könne er sich auch vorstellen, das Projekt an die Stadt zu verkaufen. «Vielleicht findet diese ja ein Projekt, das für sie besser passt.»

Bläsi: «Lösung möglich»

Hubert Bläsi (FDP), der mitgeholfen hat, das Projekt vor dem totalen Absturz zu bewahren, glaubt, dass noch nicht alles verloren ist.

Er glaubt, dass sich in Gesprächen eine Lösung finden lasse. «Im Quartier gibt es ja auch noch andere, weniger grosse Projekte, die realisiert werden. Diese müssen ja auch irgendwie rentieren», meint er.

Meinungswandel

Die Scherben kitten muss jetzt Stadtpräsident François Scheidegger. «Meine Enttäuschung ist gross und auch mein Unverständnis», meint er. «Es ging irgendwie nicht mehr um die Sache», glaubt er.

Unerklärlich ist ihm, wie Mitglieder der Bapluk, die in der Kommission das Projekt mit sechs Stimmen bei einer Enthaltung noch durchgewunken haben, jetzt im Gemeinderat Nein stimmen konnten.

Das Projekt sei für Grenchen wie massgeschneidert und bringe gerade jene Klientel in die Stadt, die gleichzeitig zahlungskräftig sei und die Infrastruktur (Schulen) nicht beanspruche. Im Gemeinderat habe offenbar eine Eigendynamik geherrscht, zum Teil gestützt auf Mutmassungen und auf Informationen vom Hörensagen erklärt sich Scheidegger den Beinahe-Absturz.

«Das Projekt hat eine Geschichte und wurde mehrmals angepasst.» An der Ausspracheversammlung vom November, an der auch alle Fraktionen vertreten waren, zeigte sich auch nach Scheideggers Einschätzung keine Seite kompromissbereit.

Neuer Anlauf kommt

Wann und in welcher Form der Gestaltungsplan wieder in den Rat kommt, kann Scheidegger noch nicht sagen. Er habe bereits mit Willi Gyger gesprochen. «Wir wollen die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Der Bauherr ist gesprächsbereit. Ich hoffe, die Gegenseite auch.»